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Die Bayern und Ribéry : Geborgenheit für den gefallenen Sohn

  • -Aktualisiert am

Wieder zu Hause: Franck Ribéry trainiert an der Säbener Straße Bild: dpa

In Frankreich läuft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn. Zum Nationalteam wird er nicht mehr eingeladen. Nur die Bayern-Familie steht zu Franck Ribéry. Der einstige Star gibt sich geläutert und dankbar.

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          Franck Ribéry hätte vermutlich ganz gern noch ein paar Tage in der Heimat - bei der Familie oder den Freunden - verbracht. Aber in Frankreich hielt den Profi des FC Bayern München nach dem für ihn unerfreulichen Marathonverhör am Dienstag in Paris nichts mehr. Er flüchtete und fuhr dorthin, wo man ihn am wenigsten vermutete: ins beschauliche Südtirol, ehe er an diesem Sonntag zusammen mit dem Argentinier Martin Demichelis die Saisonvorbereitung an der Säbener Straße aufnahm.

          Ribéry weilte die vergangenen vier Tage nur rund 120 Kilometer entfernt von seiner Mannschaft. Der FC Bayern - oder besser: jene acht Profis, die nicht bei der WM in Südafrika gewesen waren - absolvierte bis Samstag ein Trainingslager am Gardasee. Dass der Franzose zumindest räumlich die Nähe der Bayern und von Trainer Louis van Gaal suchte, ist wohl Zufall - und doch auch symbolisch. Der Verein ist derzeit ein großer Rückhalt, vielleicht der einzige in seinem beruflichen Umfeld.

          Blanc verzichtet auf alle 23 WM-Spieler

          In Frankreich läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Kontaktanbahnung zu einer minderjährigen Prostituierten. Außerdem ist seine Zukunft in der Nationalmannschaft ungewiss. Von oberster Stelle im französischen Verband war schon gefordert worden, Ribéry und Karim Benzema von Real Madrid, gegen den ebenfalls ermittelt wird, zu suspendieren. Der neue Trainer der Equipe tricolore, Laurent Blanc, löste die Angelegenheit auf seine Art und bestrafte die gesamte Mannschaft, die sich in Südafrika peinlich danebenbenommen hatte. Er wird beim ersten Länderspiel unter seiner Regie am 11. August auf alle 23 WM-Spieler verzichten - und nicht nur auf Ribéry und Benzema.

          Franck Ribéry: „Der ganze Verein stand hinter mir. Das werde ich Bayern nie vergessen”

          Die Bayern versuchten zunächst, den Termin in Paris klein zu halten; später, als klar war, dass die Angelegenheit doch größere Dimensionen annehmen würde, sprangen sie ihm zur Seite, indem sie politisches Kalkül unterstellten. „Ich bin sicher, wenn Frankreich Weltmeister geworden wäre, wäre Franck Ribéry jetzt nicht vorgeladen worden“, sagte Präsident Uli Hoeneß am Freitag. Er sprach von einer „Hetzjagd“, die auf den Spieler veranstaltet werde, und verlor bei einer allzu hartnäckigen Nachfrage in gewohnter Art und Weise die Contenance.

          Ribéry will „eine sehr, sehr große Saison zu spielen“

          Ribéry weiß, was er am deutschen Rekordmeister hat. „Der ganze Verein stand uneingeschränkt hinter mir. Das werde ich Bayern München nie vergessen“, sagte er der Bild-Zeitung. Der Klub sei für ihn „eine Familie, die ihn auffängt“. Er hat sich deshalb nicht nur mit dem gestrengen Louis van Gaal arrangiert, sondern damit begonnen, sich ganz unterzuordnen. „Ich plane, eine sehr, sehr große Saison zu spielen“, sagt Ribéry, auch wenn es nicht leicht sei, „diesen Tiefpunkt“ zu überwinden: „Aber da muss ich jetzt durch.“

          In den ersten beiden Jahren hatte er seine Ausnahmestellung bei Bayern nicht nur ausgekostet, sondern auch ausgenutzt. Er gab den Spaßvogel, und weil die Mannschaft spielerisch allzu abhängig von dem Künstler am Ball war, tolerierten die Verantwortlichen sein Benehmen, seine nicht immer lustigen Scherze. Einmal setzte er sich im Trainingslager in Dubai ans Steuer des Mannschaftsbusses, düste los und beschädigte das Gefährt gleich nach ein paar Metern. Auf dem Platz überließ er die Defensivaufgabe ganz seinem damaligen Partner auf der linken Seite, Philipp Lahm: Ribéry nahm sich seine Freiheiten und nervte damit irgendwann auch seine Mitspieler.

          Die einzige Chance, sein ramponiertes Image wieder aufzupolieren

          Noch vor einem Jahr stand die große Fußballwelt offen für ihn. Es verging kaum ein Tag, an dem nicht ein neues Wechselgerücht aufkam. Real Madrid, der FC Barcelona, Chelsea London, Manchester United - alle großen Klubs waren angeblich interessiert. Die Bayern blieben hart - auch, weil niemand bereit war, eine horrende Ablösesumme zu bezahlen. Allerdings schien der Wechsel nur aufgeschoben.

          Dann verletzte sich Ribéry gleich zu Beginn der Vorbereitung. Eine zunächst harmlose Zehenverletzung zog sich hin, es kamen weitere Wehwehchen dazu, zuletzt in der Vorbereitung auf die Rückrunde. Aber anders als in den beiden Jahren zuvor, gelangen dem FC Bayern auch ohne Ribéry gute Spiele. Der Klub hatte sich von seiner französischen Diva emanzipiert. Plötzlich zeigte Ribéry Ansätze eines Teamspielers, er musste sie zeigen, sonst hätte ihn van Gaal vermutlich auf der Bank sitzen lassen.

          Als im April die Prostituierten-Affäre mit möglichen juristischen Folgen an die Öffentlichkeit drang, Ribéry gleich darauf wegen eines dummen Fouls im Champions-League-Spiel gegen Lyon vom Platz flog, kümmerten sich die Bayern rührend um ihren gefallenen Star. Bei so viel Zuwendung - und gleichzeitig fehlenden Angeboten von ihm genehmen Klubs - fiel es Ribéry nicht schwer, den neuen Fünfjahresvertrag zu selbstverständlich stark verbesserten Konditionen anzunehmen. Der FC Bayern bietet ihm jetzt die einzige Chance, sein ramponiertes Image wieder aufzupolieren.

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