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Didier Drogba : Ein Mann für besondere Sekunden

Wie verwandelt: der alte Didier Drogba ist wieder da Bild: AFP

Er war ganz unten und das ist nicht lange her: Didier Drogba, einst der beste Stürmer der Welt, schien beim FC Chelsea keine Zukunft zu haben. Das hat sich grundlegend geändert. Der alte Drogba ist zurück, und der FC Barcelona hat Angst vor ihm.

          Für Pessimisten ist Glück immer nur die Sekunde, bevor alles im Leben schiefgeht. Bei Didier Drogba kam dieser Augenblick kurz nach Mitternacht an einem Moskauer Maiabend. Finale der Champions League 2008, die 118. Minute: Rot nach Tätlichkeit für Drogba. Ohne ihn verliert der FC Chelsea im Elfmeterschießen. Vor Beginn der neuen Saison verletzt er sich am Knie. Kommt zurück, verletzt sich, kommt zurück – und findet sich beim neuen Trainer Luis Felipe Scolari auf dem Abstellgleis.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Plötzlich ist der jahrelang stärkste Stürmer der Premier League nur noch in zweitklassigen Wettbewerben erste Wahl, wie im Ligapokal. Dort schießt er sein erstes Saisontor, im November gegen Burnley. Aber nicht einmal das Toreschießen macht noch Spaß. Als er seinen Treffer bejubelt, fliegt eine Münze aus dem Fanblock der Gäste. Drogba wirft sie wütend zurück. Es bringt ihm eine Sperre für drei Spiele ein und eine Verwarnung durch die Polizei.

          Hiddink brachte Chelsea den alten Drogba

          „Nur die, die ihm nahe sind, wissen, wie sehr er in dieser Saison gelitten hat. Er war ganz unten“, hat Michel Goba einer englischen Zeitung erzählt. Er ist Drogbas Onkel. Einst holte er den kleinen Didier aus der Elfenbeinküste zu sich, nach Frankreich, wo er Fußballprofi war. Mit Onkels Hilfe war der Junge aus Afrika in Europa zum Weltklassestürmer gewachsen – und dem gelang nun, verunsichert durch Trainer Scolari, bei seinen wenigen Einsätzen fast nichts mehr. Drogba schien es zu gehen wie vielen anderen Stürmern jenseits der dreißig: Plötzlich fehlt ihnen etwas, der Antritt, die Sicherheit, der Glaube. Was immer es war, Drogba wirkte wie ein Auslaufmodell.

          Mit Lust und Laune: Drogba nach dem erfolgreichen Pokal-Halbfinale gegen Arsenal im Wembley-Stadion, das Drogba mit dem Treffer zum 2:1 in der 84. Minute entschied

          Dann, neun Monate nach dem Moment, seit dem alles schiefgegangen war, kam der, mit dem es wieder gut wurde: die Entlassung Scolaris im Februar. Guus Hiddink kam, und obwohl der Niederländer keine Spieler holen konnte, brachte er Chelsea einen neuen: den alten Drogba. Seitdem hat der Ivorer in zwölf Spielen neun Tore geschossen.

          „Drogba macht ihnen Angst“

          Er wirkt vom Vertrauen des Trainers wie verwandelt, rackert und reißt die anderen mit. Mit seinem Einsatz auch in der Defensive, so Hiddink, stehe Drogba „für die Arbeitsmoral von Chelsea“. Kein Stürmer wirft so viel in jeden Zweikampf – Tempo, Ballkontrolle, die Wucht seines ganzen Körpers. Wenn das nicht reicht, gern auch etwas Schauspielkunst.

          Beim 1:0-Sieg gegen West Ham am Samstag hatte Drogba trotzdem frei, ebenso wie zunächst Michael Ballack, der später eingewechselt wurde. Was unter Scolari eine Demütigung war, wird unter Hiddink zur Auszeichnung. Der Interimstrainer hat die Meisterschaft abgehakt. Er schonte deshalb seinen wichtigsten Mann für das wichtigste Saisonspiel an diesem Dienstag in Barcelona. „Drogba ist der Schlüsselspieler“, sagt der frühere Barca-Trainer Terry Venables vor dem Champions-League-Halbfinale. „Es gibt nicht viele, vor denen Barcelona Angst hat. Aber Drogba macht ihnen Angst.“ Es ist die Angst vor der Sekunde, in der auch für das beste Team Europas das Glück einer ganzen Saison zu Ende gehen kann.

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