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Zukunft des Profifußballs : Anschluss oder Abstieg

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert gibt seinen Posten im Sommer 2022 ab. Bild: dpa

Der Profifußball soll nachhaltiger, diverser und gerechter werden. Doch ein solches Zukunftsszenario, von dem die Deutsche Fußball Liga träumt, ist weit entfernt. Denn der erhoffte Bezug zur Gesellschaft der Verantwortlichen schwindet schon wieder.

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          Der deutsche Profifußball wird nachhaltig. Und divers. Und gerecht. So schön also soll die Zukunft aussehen, wenn es nach der Deutschen Fußball Liga (DFL) und ihrer sogenannten Taskforce geht, die in monatelanger Arbeit erste Schritte aufgezeigt hat für den Weg in eine Fußballwelt, die dann tatsächlich eine ganz andere wäre.

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          Das klingt so gut, dass viele Fußballfans gar nicht glauben können, dass es sich um ein Szenario für jenen deutschen Fußball handelt, der sich seit Monaten zerfleischt in internen Streitigkeiten, der im Nachwuchs den Anschluss an die internationale Spitze verloren hat, in dessen Stadien seit bald einem Jahr (fast) keine Zuschauer mehr dürfen, dessen Amateurvereine schwer zu kämpfen haben und der hilflos mitansehen muss, wie Kindern und Jugendlichen wegen des monatelangen Sportverbots schlimme Folgen drohen. Und der gesellschaftliche, soziale und ökologische Entwicklungen seit vielen Jahren schleifen lässt. Oder ignoriert.

          Es ist die Ironie der deutschen Fußballgeschichte, dass ausgerechnet die Profivereinigung DFL unter Geschäftsführer Christian Seifert nach langer Zeit auf jene Gesellschaft zugehen will, die bisher vor allem als Kundschaft für das Hochglanzprodukt Bundesliga betrachtet wurde. Die Demut, die für ein paar Wochen während des ersten Lockdowns im Profifußball zu spüren war, weil ihr das eigene Geschäftsmodell um die Ohren zu fliegen drohte, ist jedoch weitgehend wieder verflogen. Dafür muss man nicht nur auf den FC Bayern schauen, der sein kleines Ungemach, mit dem Flugzeug in der Pandemie nicht abheben zu dürfen, zur Staatsaffäre aufzuplustern versuchte.

          Auch mit der Umverteilung der Medieneinnahmen, auf die viele Anhänger gehofft hatten, weil sie ihren Teil zu den starren Verhältnissen an der Spitze beiträgt, ist es nicht weit her. Die Gründe dafür, in der Krise vor allem die wirtschaftliche Stabilität der Klubs in den Blick zu nehmen, mögen verständlich sein. Aber zu mehr als klitzekleinen Schritten zu einem spannenderen Wettbewerb reichte es eben nicht. Und wie es im Verhältnis mit den Ultras weitergehen soll, wenn auch die wieder in die Stadien dürfen, ist vollkommen ungewiss.

          Auf gesellschaftspolitischer Ebene, und nicht zuletzt dort setzt die Taskforce an, lässt sich leichter etwas in Bewegung setzen. Zumal der Rückstand der Klubs und Verbände, was Diversität oder Nachhaltigkeit angeht, gegenüber anderen Wirtschaftsunternehmen mitunter eklatant ist. Da ließe sich, wenn man denn wirklich wollte, ziemlich schnell eine Menge machen.

          Doch wer in diesem gesamten Prozess außer sensiblen Sponsoren für den nötigen und langjährigen Druck sorgen soll, wenn Seifert, der dafür den Anstoß gegeben hat, im Sommer 2022 sein Amt als DFL-Geschäftsführer aufgibt, bleibt aber noch ein Rätsel. Dass selbst der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bei diesen bisher nur potentiell umwälzenden Entwicklungen in der ersten Reihe fehlt, ist nicht nur mit seinem derzeit schwächlichen Allgemeinzustand zu erklären. Die DFL hat auch auf diesem Feld messerscharf erkannt, wie man dem DFB, der für gesellschaftliche Fragen des Fußballs in erster Linie zuständig wäre, den Rang ablaufen kann.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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