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„Allmächtiger Herrscher“ : Darum wählt der DFB Fifa-Präsident Infantino

Die Wiederwahl von Fifa-Präsident Gianni Infantino ist nur Formsache. Bild: AFP

Gianni Infantino stellt sich beim Fifa-Kongress dem Votum der Verbände – als einziger Kandidat. Der DFB erklärt, warum er seine Stimme dem umstrittenen Amtsinhaber geben wird. Harte Kritik an Infantino gibt es dennoch.

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          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird die Wiederwahl des umstrittenen Präsidenten des Internationalen Fußballverbandes (Fifa), Gianni Infantino, unterstützen. Darüber hat sich das DFB-Präsidium am Dienstag verständigt. Der 49 Jahre alte Schweizer wird sich an diesem Mittwoch auf dem Fifa-Kongress in Paris dem Votum der 211 Nationalverbände aus aller Welt stellen – als einziger Kandidat. Wie zu erfahren ist, hatte der Schweizer zuvor schriftliche Zusagen von einer überwiegenden Mehrheit der Mitglieder erhalten; auch von 44 der 55 europäischen Nationalverbände.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir sind nicht hier angetreten, um den DFB noch weiter ins Abseits zu stellen, als er ohnehin schon ist“, sagte Ligachef und DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball, der zusammen mit DFB-Vize Rainer Koch die Geschäfte des Verbandes führt. Zudem hieß es, der DFB betrachte es als Bestandteil eines guten und offenen Miteinanders, „wenn nötig auch kritische Standpunkte zu vertreten“. Beanstandet haben soll die DFB-Delegation in Paris, dass Infantino nicht in geheimer Abstimmung, sondern per Akklamation wiedergewählt werden will.

          Der sich neu sortierende DFB will sich mit der Wahlentscheidung wohl vor allem aus der Schusslinie bringen. Der im April zurückgetretene DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte Infantino regelmäßig für dessen intransparenten Führungsstil gerügt und hervorgehoben, im Namen des Europäischen Fußballverbandes Uefa zu sprechen. Zwischen der Uefa-Spitze um deren Präsidenten Aleksander Ceferin und Infantino herrscht seit Monaten ein Machtkampf. Es geht um neue Wettbewerbe, Expansionsabsichten und Vermarktungsstrategien der Fifa. Vor allem hat der DFB nach Grindels Abgang aufgrund eines fragwürdigen Uhrengeschenkes von einem ukrainischen Oligarchen internationale Mitsprache eingebüßt. Vorerst sitzt kein deutscher Vertreter mehr in den höchsten Gremien von Fifa und Uefa. Das soll sich ändern. Derzeit läuft die Suche nach Kandidaten für die DFB-Präsidentenwahl im September.

          Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag von der SPD, bemängelte die fehlende Wahlalternative neben Infantino und bewertete dessen Amtszeit als „sehr durchwachsen“. Sie denke dabei an die Nicht-Umsetzung von Reformen oder an die undurchsichtigen kommerziellen Erweiterungspläne von Turnierformen, sagte die Politikerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zugleich forderte sie eine Stärkung der Kontrollorgane innerhalb der Fifa. Die Besetzung dieser Gremien mit Wahlen findet ebenfalls am Mittwoch statt. „Sollten hier weiterhin fast ausschließlich willfährige Infantino-Gefolgsleute sitzen, bleibt Infantinos Machtmonopol ungebrochen, und die Umsetzung des Fifa-Reformpapiers mit Zielstellung der Schaffung von mehr Transparenz und Integrität innerhalb des Verbandes rückt in noch weitere Ferne“, sagte Dagmar Freitag.

          Die frühere Europaratspräsidentin und Berichterstatterin der Organisation für „Good Governance“ im Sport, Anne Brasseur aus Luxemburg (Demokratische Partei), geht ebenso mit Infantino ins Gericht. Sie hatte vor ihrem Rückzug aus der aktiven Politik im vergangenen Jahr einen kritischen Report zur Fifa erstellt. „Meine schlimmsten Befürchtungen haben sich leider bestätigt. Die versprochenen Reformen haben nicht stattgefunden. Unter Infantino hat das Geld gewonnen, das er auch noch selbst verteilt. Er ist der allmächtige Herrscher“, sagte Anne Brasseur. Dagegen argumentierte die Leiterin der Sportarbeitsgruppe von Transparency International, Sylvia Schenk, dass die Fifa in den vergangenen drei Jahren unter Infantino „vorangekommen“ sei, obwohl es innerhalb der Fifa noch Interessenkonflikte und fehlende Transparenz gebe. Das sagte Sylvia Schenk der „Deutschen Welle“. Sie sitzt seit 2017 im Beratungsausschuss für Menschenrechte der Fifa.

          Zuletzt scheiterte Infantino mit seinem Vorhaben einer Mega-WM mit 48 Teams in Qatar 2022. Seine offenbar engen Bande mit saudischen Geldgebern, die hinter Investitionsplänen im Weltfußball stecken könnten, sorgten zudem für Misstrauen. Dann kam heraus, dass Infantino einem befreundeten Schweizer Staatsanwalt Geschenke gemacht hatte. Für Aufsehen sorgten geheime Treffen mit dem Schweizer Bundesanwalt, der dadurch unter Druck gekommen ist. Die Behörde untersucht seit mehreren Jahren möglicherweise strafrechtlich relevantes Fehlverhalten ehemaliger Fifa-Funktionäre.

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