https://www.faz.net/-gtl-abrzy

Zukunft nach Keller-Rücktritt : Kopfloser DFB

Die Zeit von Fritz Keller als DFB-Präsident ist vorzeitig vorbei. Bild: AFP

Es wird eine enorme Herausforderung, nach Fritz Kellers Rücktritt überhaupt einen respektablen Kandidaten zu finden. Oder eine Kandidatin. Die goldenen DFB-Zeiten werden so schnell nicht wiederkommen.

          1 Min.

          Ist der Deutsche Fußball-Bund noch zu retten? Mit dem offiziell verkündeten Rückzug von Fritz Keller hat der DFB innerhalb von knapp zehn Jahren seinen vierten Präsidenten vorzeitig verloren. Er hatte seinen Vizepräsidenten Koch auf einer Präsidiumssitzung mit dem verbrecherischen Präsidenten des Volksgerichtshofs gleichgesetzt. Deswegen trat der langjährige Präsident des SC Freiburg nach nur 18 Monaten an der DFB-Spitze zurück. Er ging mit dem bitteren, aber berechtigten Hinweis, dass sein Fehlverhalten in einem für den Verband „beschämenden Umfeld“ geschehen sei.

          Der größte Sportfachverband der Welt soll nun bis ins kommende Jahr von seinen beiden ersten Vizepräsidenten geführt werden. Der mächtige Amateurvertreter Rainer Koch ist dabei zum dritten Mal für die Organisation des Übergangs vorgesehen, obwohl er selbst tief verstrickt ist in die Machtkämpfe. Schon dieser durch die Satzung vorgeschriebene Weg hat in der deutschen Politik für Protest gesorgt.

          Die weiteren Aussichten des DFB sind indes völlig ungewiss. Es dürfte für den Verband mit über sieben Millionen Mitgliedern schon zu einer enormen Herausforderung werden, für eines der bis vor nicht allzu langer Zeit populärsten Ehrenämter überhaupt noch einen respektablen Kandidaten zu finden. Oder eine erste Kandidatin, nach nun dreizehn DFB-Präsidenten in 121 Jahren.

          Den Neuanfang wollte der Verband angeblich schon mit der Wahl Kellers einleiten. Doch es zeigte sich, dass ein untadeliger, wenngleich längst nicht fehlerfreier Kandidat für diese Fußball-Herkulesaufgabe nicht ausreicht. In der neugeschaffenen Struktur, die dem Präsidenten die Macht der Richtlinienkompetenz nahm, hätten die Spitzenkräfte auf einer Wellenlänge liegen müssen, um einen Kulturwandel zu ermöglichen. Aber das war nicht der Fall – und offenkundig auch nicht gewünscht.

          Die goldenen Zeiten des DFB vom Sommermärchen 2006, dessen angeblicher Kauf weiter unbewiesen ist, bis zum WM-Titel 2014 sind unwiederbringlich vorbei. Und so, wie es um den Verband steht, werden sie so schnell auch nicht wiederkommen.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Suiso Frontier bei ihrer Ankunft im Hafen von Hastings, Australien.

          Von Australien nach Japan : Das erste Wasserstoff-Schiff der Welt ist unterwegs

          Wasserstoff ist ein großer Hoffnungsträger für die Energieversorgung der Zukunft. Der Transport in der „riesigen Thermoskanne“ gilt als „Meisterleistung der Ingenieurskunst“. Allerdings wird er in Australien noch so produziert, wie das nicht alle möchten.
          Österreich müsste 1100 Windkraftanlagen bauen um bis 2030 auf erneuerbare Energien umsteigen zu können.

          Energiewende : Österreich als strompolitischer Trittbrettfahrer

          Österreich macht sich grün mit einer ökosozialen Steuerreform und dem Wunsch nach mehr Ökostrom. Doch das Land bleibt ein strompolitischer Trittbrettfahrer – das erkennen auch die eigenen Bürger.