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DFB-Team in Estland : „Ich fand es jetzt nicht so blamabel“

Drei Punkte in Estland: Manuel Neuer (links) und Niklas Süle Bild: Reuters

Nach der frühesten Roten Karte für einen deutschen Nationalspieler hat das DFB-Team in Estland einige Probleme, siegt aber. Bundestrainer Joachim Löw sieht es pragmatisch – und gibt ein Versprechen.

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          Es ist nicht einmal ein Jahr her, da machte Niklas Süle eine Aussage, die für die Zukunft der deutschen Fußball-Nationalmannschaft stehen sollte. „Das sind ja schon kleine Mopeds da vorne“, sagte der große, wuchtige Abwehrspieler über die jungen, flinken Stürmer Leroy Sané, Serge Gnabry und Timo Werner. So stellten sie sich das vor, damals, im Herbst 2018 nach der vermaledeiten WM und dem nur zögerlich in Gang gekommenen personellen Umbruch der ersten Elf im Lande. Elf Monate später, beim 3:0-Sieg in Estland in der EM-Qualifikation, war von den Mopeds nicht viel zu sehen.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Sané fällt mit einem Kreuzbandriss noch bis ins Frühjahr aus. Gnabry musste in Tallinn am Sonntag mit muskulären Problemen kurzfristig passen. Und Werner saß nach Krankheit zunächst nur auf der Bank, kam immerhin spät ins Spiel und sorgte mit seinem 3:0 (71. Minute) für den Endstand. Nach einer frühen Roten Karte für Aushilfsverteidiger Emre Can (14.) spielte Deutschland fast die ganze Spieldauer in Unterzahl. Erst in der zweiten Halbzeit brachte Ilkay Gündogan sein Team mit zwei abgefälschten Schüssen (51. und 57.) auf Kurs gegen den krassen Außenseiter.

          „Es war schwieriger, als wir es uns vorgestellt hatten. Das hat natürlich stark damit zu tun, das wir frühzeitig einen Spieler weniger auf dem Platz hatten“, sagte Bundestrainer Joachim Löw und fügte pragmatisch an: „Wir haben zu Null gespielt, drei Tore erzielt. Die drei Punkte sind das Wichtigste.“ Denn die bringen die deutsche Auswahl der Qualifikation zur paneuropäischen EM näher. Löw hat keinen Zweifel, dass die Teilnahme an der Endrunde gesichert wird. „Wir wollen und werden die letzten beiden Spiele gewinnen. Wir werden uns qualifizieren für die EM“, sagte er. „Löw raus“-Rufe von einigen Fans bei Wiederanpfiff habe er „nicht gehört. Kann sein, das ist ihr gutes Recht.“

          Am 16. November geht es gegen die abgeschlagenen Weißrussen in Mönchengladbach, drei Tage später kommt Nordirland, das sich noch Hoffnung macht auf die Qualifikation, nach Frankfurt zum Abschluss der Ausscheidungsrunde. Zuvor wird sich Löw Gedanken machen, wer wann im Tor steht. „Wir werden uns zu gegebener Zeit unterhalten, wie wir die Novemberspiele angehen“, sagte er. Nach der Debatte um Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen zuletzt möchte Löw wieder früh Klarheit schaffen. „Diesmal war es für mich die richtige Entscheidung, dass wir im Vorfeld das klären“, sagte er.

          Nachdem ter Stegen unter der Woche beim 2:2 im Testspiel gegen Argentinien auf dem Rasen stand, war es in Estland wieder Neuer. „Ich fand es jetzt nicht so blamabel in der ersten Halbzeit“, sagte der Kapitän mit Blick auf die Partie. „Das war nichts so schlecht. Die Seriosität war drin.“ Es sei natürlich nicht einfach nach der Roten Karte gewesen. „Das war dann schon ein anderes Spiel. Wir haben schon eine Zeit gebraucht, es in der zweiten Halbzeit aber gut gemacht.“ Über 90 Minuten perfekt zu spielen sei schwer „bei einer Mannschaft, die sich erst finden muss“.

          Das wurde nicht nur durch die vielen personellen Probleme – in Estland fehlten elf Spieler, die im Normalfall fester Bestandteil des Kaders sind – erschwert, sondern auch durch den frühesten Platzverweis eines deutschen Nationalspielers in der Länderspiel-Geschichte. Can sah nach einer Unkonzentriertheit bei der Ballverarbeitung und der folgenden Notgrätsche Rot. „So, wie sich die Situation darstellt, kann man da nicht Gelb geben“, sagte Löw. „Es war eine Rote Karte.“ In der Kabine, zur Pause, habe sich die Mannschaft erstmal sammeln müssen, warb Marco Reus um Verständnis für den mauen Rest der ersten Hälfte.

          „Es war die ganz Woche nicht einfach. Aber wir haben nicht lamentiert. Entscheidend war, dass wir in der zweiten Halbzeit das Tempo noch einmal angezogen haben“, sagte der Bundestrainer. „Am Ende war es zufriedenstellend.“ Ob das reicht für eine erfolgreiche EM – Qualifikation vorausgesetzt – bleibt die große Frage. Neben den Spielen im November gibt es nur noch zwei im März, bevor es schon in die direkte Vorbereitung ins Turnier Ende Mai geht. Es bleibt also nicht viel Zeit. Und nicht nur die Mopeds müssen wieder in Schuss gebracht werden, damit die Deutschen nicht auf halber Strecke liegenbleiben.

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