https://www.faz.net/-gtl-88l6f

EM-Qualifikation in Irland : Wie geht es Fußball-Deutschland?

Einigkeit und Recht und Fußball? Die Nationalelf im September vor dem Spiel gegen Polen Bild: SvenSimon

Schon mit einem Remis in Irland qualifiziert sich die Nationalelf für die EM 2016. Und dann? FAZ.NET beantwortet die sieben wichtigsten Fragen zum Team von Bundestrainer Löw.

          Ein Punkt genügt: Schon mit einem Unentschieden gegen Irland an diesem Donnerstag (20.45 Uhr / Live auf RTL und im Länderspiel-Ticker auf FAZ.NET) qualifiziert sich die Nationalelf für die Europameisterschaft in Frankreich im kommenden Jahr. Nichts anderes wird vom Weltmeister erwartet. Doch wie geht es nach der wahrscheinlich erfolgreichen Qualifikation weiter mit Fußball-Deutschland? FAZ.NET beantwortet die sieben wichtigsten Fragen rund um das Team von Bundestrainer Löw.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Christian Kamp
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          1. Hat die Mannschaft den Verlust von Philipp Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose verkraftet?

          Schön wär’s, lässt sich aber nicht so einfach behaupten. Halbwegs weggesteckt hat das Team den Verlust positionell - was Erfahrung, Hierarchie und Kameradschaft betrifft, kann man sich da noch nicht so sicher sein. Das wird sich erst während des EM-Turniers zeigen, wenn die Mannschaft mehrere Wochen zusammen sein wird und wieder eine Einstellung und Haltung wie in Brasilien braucht. Im Sturm ersetzen Thomas Müller und Mario Götze den Vollblutstürmer Klose jedenfalls, so gut es geht - ohne selbst Vollblutstürmer zu sein.

          Die Innenverteidigung mit Jérôme Boateng und Mats Hummels steht auch ohne Mertesacker, obwohl dahinter durchaus eine Lücke klafft. Der Verlust von Lahm schmerzt immer noch am stärksten. Alle Versuche von Löw, zuletzt Emre Can und Sebastian Rudy als Nachfolger auf der rechten Seite zu etablieren, haben im Grunde nur die Sehnsucht nach Lahm gesteigert.

          2. Hat Deutschland einen richtigen Stürmer – oder wird gar keiner benötigt?

          Deutschland hat sogar einen richtigen Superstürmer - nur ist der dummerweise Pole und somit keine Option für Löw. Einen Robert Lewandowski würde der Bundestrainer mit Kusshand nehmen und wahrscheinlich auch sein System nach ihm gestalten. Die Entwicklung dieses Spielertyps ist jedoch bekanntlich im Zuge der höchst erfolgreichen Serienproduktion der Götze-Özil-Reus-Modellreihe ein wenig vernachlässigt worden. Die Folge: Bis zur EM wird es nichts mehr mit einem echten Vollblutstürmer. Ist aber, wenn man ehrlich ist, auch gar nicht nötig. Solange das deutsche Offensivspiel in Hochgeschwindigkeit zirkuliert wie zuletzt und in Müller einen zuverlässigen sowie in Götze oder anderen zumindest gelegentliche Vollender findet, gibt es keinen Grund zur Sorge. Und damit sollte die Debatte um echte, falsche oder sonstige Neuner auch bitte bis auf weiteres beendet sein. Hören wir da irgendwelche Fragen nach Alexander Meier? Wenden Sie sich bitte vertrauensvoll ans Archiv, Suchwörter „Kießling“ und „Kurányi“.

          Nicht mehr dabei: Mertesacker, Flick, Klose und Lahm (v.l.n.r)

          3. Wird Bastian Schweinsteiger eigentlich noch gebraucht?

          Kommt drauf an, wen man fragt. Dass Pep Guardiola ihn vermisst, lässt sich wohl nicht seriös behaupten. Der Bundestrainer hingegen hat die Antwort auf Schweinsteigers Stellenwert schon nach der WM gegeben: indem er ihm die Kapitänsbinde übertrug. Daran hat sich bis heute nichts geändert, weshalb Löw erleichtert sein dürfte, dass Schweinsteiger jetzt auch wieder einen Vereinstrainer hat, der ihn braucht. Meistens jedenfalls. Ob Löws Pakt mit dem Roten Teufel jedoch für Deutschland aufgeht? Das ist eine ziemlich zentrale Frage für die Aussichten in Frankreich.

          Sagen wir so: Ein bisschen mehr Dynamik aus dem Zentrum könnte nicht schaden, weshalb Gündogan an der Seite von Kroos eine recht verlockende Vorstellung wäre. Auf der anderen Seite besitzt Schweinsteiger als Anführer und Integrator das gewisse Etwas, das sich nicht so leicht ersetzen lässt. Zweimal schon hat Löw vor großen Turnieren auf Schweinsteiger gewettet: einmal mit Erfolg, vergangenes Jahr in Brasilien, einmal nicht, bei der EM 2012. Ob die Chancen diesmal besser als 50:50 stehen? Man sollte von Zeit zu Zeit Schweinsteigers Körper fragen.

          Was wird aus dem Kapitän? Bastian Schweinsteigers Zukunft in der Nationalelf hängt vor allem von seiner Gesundheit ab

          4. Kann Deutschland wirklich eine Ära prägen?

          Träumen ist erlaubt. In der post-weltmeisterlichen Saison sah es aber nicht danach aus. Nahtlos und bruchlos wie bei den Spaniern, die von 2008 bis 2012 über drei Turniere hinweg die Fußballwelt beherrschten, ging es bei den Deutschen mit nun vier Sternen auf der Brust nach dem Titelgewinn nicht weiter. Das Gefühl der Unbesiegbarkeit, das sich Deutschland im Turnierverlauf in Brasilien hart erarbeitet hatte, war schnell wieder verschwunden. Der große Erfolg war für das Team, das sich erst wieder finden musste, nicht so leicht zu verkraften. Der Sieg im ersten Spiel der neuen Saison gegen Polen (3:1) zeigte dann wiederum die großen Qualitäten, die weiter im deutschen Kader stecken. Auch beim 3:2 in Schottland sah man die schönen Seiten Fußball-Deutschlands.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Talkrunde zum Thema Klimapolitik bei Frank Plasberg

          TV-Kritik: Hart aber fair : Die Realität der Zwickmühle

          Die Klimapolitik ist so verzwickt, dass es den üblichen Verdächtigen kaum noch gelingt, Einsicht in das Notwendige oder gar Verhaltensänderungen zu erreichen. Tatsächlich sehen einige das Format der Talkshow als Pranger für üble Phantasien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.