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DFB-Team : Schwerer Unfall überschattet Trainingslager

Als die Stimmung noch gut war: Rennfahrer Wehrlein (r.) und Rosberg (2.v.l.) mit Manager Bierhoff (l.) und Golfer Kaymer Bild: dpa

Beim DFB häufen sich in der Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft die schlechten Nachrichten. Ein Sponsorentermin in Südtirol endet mit zwei Verletzten. Ein Urlauber aus Deutschland muss per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden.

          Es sollte eine nette Ablenkung sein im deutschen Vorbereitungsalltag auf die Fußball-Weltmeisterschaft, die in Südtirol schon vom ersten Tag an nicht richtig rund laufen will. Ein Tag des Autos stand auf dem Programm bei der Nationalmannschaft, ein Tag mit Vollgas-Symbolik sozusagen. So hatte man sich das gedacht, als Formel-1-Pilot Nico Rosberg am Dienstag beim DFB-Team vorbeischaute, derzeit der schnellste Fahrer der Welt, und auch DTM-Fahrer Pascal Wehrlein war dabei.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ein Zerstreuungstermin für die Spieler, ein PR-Termin für Generalsponsor Mercedes-Benz. Am Mittag saßen die Piloten zunächst zusammen mit Manager Oliver Bierhoff auf dem Podium der Pressekonferenz und sagten, was man sich unter Sportlern vor einem wichtigen Wettkampf sagt: Man wünschte sich Glück.

          Ein paar Stunden später aber wurde aus dem Unterhaltungsprogramm eine Schreckensnachricht, die das Trainingslager der Nationalelf in Südtirol überschattet. Bei einer Werbeaktion wurden durch Wehrleins Wagen zwei Menschen verletzt. Ein 63 alter Urlauber aus Deutschland sei, wie es hieß, bei dem Unfall schwer verletzt worden; er wurde mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus in Bozen geflogen. Seine Frau, die den Unfall miterlebte, stehe unter Schock, sagte die Bürgermeisterin der Gemeinde St. Martin. Bei dem anderen Verletzten handelt es sich nach Angaben von örtlichen Medien um einen Streckenposten, der von der Gemeinde St. Leonhard gestellt wurde.

          Für Bundestrainer Löw und sein Team läuft gerade beunruhigend wenig nach Plan.

          Rosberg zeigt sich schockiert

          Für den Sponsorentermin war eine kurze Strecke vom Teamhotel in die Berge abgesperrt worden. Der Unfall soll sich bei einem Ausweichmanöver des DTM-Piloten Wehrlein ereignet haben – Rosberg, der sich im vorausfahrenden Wagen befand, soll plötzlich gebremst haben, weil der deutsche Fan auf die Straße lief. Er wurde dann, ebenso wie der Streckenposten, von Wehrlein erfasst. Als Beifahrer waren die Schalker Benedikt Höwedes und Julian Draxler dabei.

          Höwedes saß im Auto von Wehrlein, Draxler fuhr mit Rosberg. Die Sportler blieben unverletzt. „Bei einer Fahr-Aktion unseres Partners Mercedes-Benz ist es zu einem schweren Unfall gekommen. Zu unserem großen Bedauern wurden dabei zwei Personen verletzt, die umgehend medizinisch versorgt und ins Krankenhaus gebracht wurden. Im Moment sind unsere Gedanken bei den Verletzten“, ließ der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in einer ersten Stellungnahme wissen.

          Rosberg sagte: „Ich bin von dem Unfall schockiert.“ Am frühen Abend sagte die Teamleitung ein geplantes Trainingsspiel gegen die U-20-Nationalmannschaft ab. Bundestrainer Joachim Löw trainierte stattdessen mit seinen Spielern unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch Höwedes und Draxler waren dabei. Mercedes-Benz erklärte, ausreichende Sicherheitsvorkehrungen für die Veranstaltung getroffen zu haben. „Wir haben gemeinsam mit der Gemeinde alles dafür getan, dass die Strecke komplett abgesperrt wurde“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Schaulustige sollen sich aber über Schleichwege Zugang zum Ort des Geschehens verschafft haben. Vor zwei Jahren, während des Trainingslagers in Frankreich vor der Europameisterschaft, hatte eine ähnliche PR-Aktion stattgefunden, damals mit Rosberg und Michael Schumacher.

          Fußballer und Rennsportler spielten Golf

          Am Dienstag hatten die Spieler zuvor zusammen mit den beiden Rennfahrern und Golf-Profi Martin Kaymer im Quartier zu Mittag gegessen und dabei wieder die Gelegenheit genutzt, mit anderen erfolgreichen Sportlern zu plaudern, wie das vor großen Turnieren bei der Nationalmannschaft mittlerweile üblich ist. Und ein kleiner, harmloser Wettbewerb stand dabei auch auf dem Programm, als sich Fußballer, Rennfahrer und Golfer in einem Dreikampf an einer Torwand, einem Fahrsimulator und am Golfloch miteinander maßen.

          Die Vorbereitungstage in Südtirol stehen von Beginn an unter einem schlechten Stern. Aus sportlicher Sicht konnte die Nationalelf immerhin vermelden, dass Kapitän Philipp Lahm am Dienstag das Lauftraining aufnahm und Bastian Schweinsteiger engagierter trainieren konnte. Bei Torwart Manuel Neuer rechnet Manager Bierhoff allerdings nicht mehr damit, dass er in Südtirol mit seiner Schulterverletzung trainieren kann.

          Bevor die Aktion unter deutschen Vorzeigesportlern vom Autounfall überschattet wurde, hatte an diesem Tag auch die Nachricht vom Führerscheinentzug des Bundestrainers für Schlagzeilen gesorgt und die Serie von Pleiten, Pech und Pannen im Passeiertal rund um das Nationalteam um eine weitere Facette bereichert. Löw, der seinen Führerschein für einige Monate abgeben musste, ließ sich mit dem Hinweis in einer offiziellen Verbandsmitteilung zitieren, dass er sein Fahrverhalten künftig ändern werde. „Wir wollen natürlich immer Vorbild sein, aber wir sind alle Menschen, da passieren immer Fehler“, hatte Manager Oliver Bierhoff auf der Pressekonferenz bemerkt. Spaßig sagte er, Sponsor Mercedes-Benz solle Löw künftig nur noch mit tempolimitierten Autos versorgen.

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