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DFB-Trikot für EM 2016 : Keine Experimente, aber mit „Erfolgscode“

  • -Aktualisiert am

Ganz schön schlicht – zumindest das Trikot: Lukas Podolski zeigt die Mode für den EM-Sommer 2016. Bild: dpa

Kurz nach dem Rücktritt von DFB-Präsident Niersbach wird in Berlin das Trikot des DFB-Teams für die EM 2016 präsentiert. Es hat ein klassisch schwarz-weißes Design. Alles beim Alten also? Fast.

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          Schon Wochen vor der offiziellen Vorstellung des neuen EM-Outfits am Montag in Berlin kursierten im Internet Fotos, die das vermeintliche Heimtrikot zeigten. Doch erst um 20.30 Uhr, kurz nach dem Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und der Zusammenkunft der Nationalmannschaft in München, die sich auf das Testspiel am Freitag in Frankreich (21.00 Uhr / Live in der ARD und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) vorbereitet, wurde das neue Trikot offiziell präsentiert – und sah doch ein wenig anders aus als die Modelle im Netz.

          Als Location war die 3.500 Quadratmeter große Adidas-Fußballhalle „The Base“ im Stadtteil Wedding ausgewählt worden. Früher, als die Halle noch die zentrale Werkstatt der BVG-Stadtbusse war, hat ein paar Blocks weiter der heutige Nationalspieler Jérôme Boateng gekickt. Nun tun dies, vor Neon-Graffiti und mit Rapmusik aus den Boxen, die Kinder und Jugendlichen aus dem Multikulti-Kiez. Und davon konnten sich einige hundert über Facebook für eine Teilnahme an der Launch-Party akkreditieren.

          Nicht zum ersten Mal inszenierte der DFB-Sponsor aus Herzogenaurach die Trikot-Präsentation als zielgruppenoptimiertes Event. Schon vor zwei Jahren verteilten die Nationalspieler Thomas Müller und Julian Draxler das WM-Trikot aus einem alten Schulbus in München direkt an Schüler und Studenten. Klar, dass die Verbreitung der Aktion, respektive des neuen Designs, im Netz nicht lange auf sich warten ließ. 

          Spielplan und Termine der Fußball-EM 2016 in Frankreich

          Promoter am Montagabend war in erster Linie Rapper, Sänger und Pandamaskenträger Cro. Er hatte schon Tage zuvor auf Postern im Kiez das Fußball-Happening beworben. Um 20.20 Uhr begann sein Auftritt vor 700 Fans, die meisten davon unter 30 Jahren. Während des dritten Liedes begann die Enthüllung. Unter üppigen Konfettiregen erschienen die Nationalspieler Lukas Podolski, Emre Can und Jonas Hector aus dem Nebel neben der Band auf der Bühne und präsentierten die neue Spielkleidung, die so neu erstmal gar nicht wirkt. 

          Vorne 13, hinten 7: Müllers und Schweinsteigers Shirt als Model. Bilderstrecke

          Vielmehr erinnert das weiße Jersey mit den schwarzen Elementen an das EM-Trikot von vor 40 Jahren, das seinerseits eine Fortführung des Trikots aus dem Weltmeisterjahr 1954 war. Der Retrolook passt zumindest formell zum generellen Siebziger-Jahre-Trend in der Mode. Die Deutschland-Flagge, die 2014 auf der Brust als abstrahierter roter, pfeilförmiger Streifen prangte, wurde lediglich als unauffälliger Ableger in den Saum am Oberarm integriert.

          Die Positionierung des Ausrüster-Logos, des Fifa-Emblems in der Mitte und des DFB-Logos mit den vier Sternen darüber ist nahezu wie bei der letzten WM und EM. Tempi passati sind hingegen sämtliche modische Experimente am Ausschnitt und Kragen. Ein schlichter Rundhalsausschnitt in Schwarz, passend zur schwarzen Hose und den schwarzen Stutzen, das war‘s. Auch die drei Streifen des Sponsors bewegten sich von der Schulterpartie an die Seite. 

          Die am wenigsten sichtbaren Komponenten sind jedoch die innovativsten: zum einen die Weiß-auf-Weiß eingestickten Jahreszahlen der WM- und EM-Siege auf den Ärmeln und, zum anderen, der vertikale „Erfolgscode“ auf der Trikot-Vorderseite. Die Balkengrafik visualisiert die EM- und WM-Titel und Erfolge der Nationalmannschaft. 

          Auch für Lukas Podolski, der das Shirt nach einer kurzen Kick-Einlage mit Cro präsentierte, ist jene Grafik das Highlight des neuen Trikots. Der Stürmer von Galatasaray Istanbul, der sich zuerst mit dem Rücktritt Niersbach konfrontiert sah („Ich wohne im Ausland und verfolge nicht ständig die deutschen Medien, sodass der Rücktritt für mich überraschend kam“), will mit dem neuen Trikot nur eines: nach zwanzig Jahren wieder den EM-Sieg holen.

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          Auch Nationalmannschaft-Manager Oliver Bierhoff äußerte sich entsprechend zur neuen Spielkleidung: „Das Design des neuen Heimtrikots ist sehr edel, zugleich ist es klassisch und klar. Das Trikot steht damit auch dafür, wie wir die Mannschaft bei der EM in Frankreich erleben wollen: zielstrebig, gradlinig und klar.“ Es scheint fast so, als hätte der WM-Sieg von 2014 zu einem neuen Selbstbewusstsein beigetragen, welches sich nun beim Heimtrikot in gestalterischer Bescheidenheit ausdrückt. 

          Beim Länderspiel in Paris am Freitag wird das neue Jersey zum ersten Mal zum Einsatz kommen und sich damit zum ersten Mal auf französischem Boden bewähren. Im Spiel gegen die Niederlande am 17. November in Hannover (20.45 Uhr / Live im ZDF und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) trägt die Nationalelf das neue Auswärtstrikot. Dieses wird der DFB erst am Donnerstag vorstellen und vermutlich für mehr Überraschungen sorgen. 

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