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Krise beim DFB-Team : Niersbach kontert Völlers Rat an Löw

  • Aktualisiert am

Keine Sorge um die Nationalelf: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach Bild: dpa

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach macht sich keine Sorgen um die Nationalelf und die Qualifikation. Einen Ratschlag von Rudi Völler an Bundestrainer Joachim Löw für das Gibraltar-Spiel lehnt er ab.

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          DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sieht im schwächsten Qualifikations-Auftakt in der Historie der deutschen Nationalmannschaft kein weiterreichendes Problem. Eine Korrektur aber kann es erst in einem Jahr geben. Der Verbandschef hat die Nationalspieler klar gegen Vorwürfe verteidigt, nach dem Gewinn des WM-Titels sei der Start in die EM-Ausscheidung nicht so ernst genommen worden.

          „Sie haben das schon ernst genommen“, betonte Niersbach am Sonntag im TV-Sender Sport1. Es seien einige Dinge zusammengekommen, nicht zuletzt auch die vielen Verletzungsausfälle vor dem 0:2 in Polen und dem 1:1 gegen Irland, ergänzte Niersbach.

          Der DFB-Chef betonte aber zugleich: „Es kann auch keine andere Aufgabe geben, als diese Qualifikation letztlich wieder souverän zu Ende zu bringen.“ Mit vier Punkten nach drei Spielen rangiert Deutschland in der Gruppe D derzeit hinter Polen, Irland (7 Punkte) und Schottland (4) nur auf Rang vier.

          „Aber wir haben ja alles selbst in der Hand, es so zu regulieren, dass sich die Mannschaft sicher für die Euro 2016 in Frankreich qualifiziert“, erklärte der deutsche Fußball-Präsident. Allerdings können die wichtigen Siege erst im nächsten Herbst eingefahren werden, „da haben wir die vier entscheidenden Spiele“, bemerkte Niersbach.

          „Wenn einer Rücksicht nimmt, dann Löw“

          Den Vorschlag des früheren DFB-Teamchef Rudi Völler, das nächste EM-Ausscheidungsspiel am 14. November gegen den krassen Außenseiter Gibraltar zumindest überwiegend mit Profis zu bestreiten, die in ihren Klubs nicht international spielen, wollte Niersbach nicht mitgehen. Wenn Rudi noch Bundestrainer wäre, würde er es anders sehen, meinte er.

          „Der deutsche Fußball hat immer von einem guten Miteinander von Bundesliga und Nationalmannschaft profitiert“, unterstrich Niersbach: „Wenn es einen Bundestrainer gibt, der Rücksicht auf die Bundesliga nimmt, dann ist es Jogi Löw.“

          Rudi Völler rät zu personellen Änderungen beim Gibraltar-Spiel
          Rudi Völler rät zu personellen Änderungen beim Gibraltar-Spiel : Bild: Imago

          Dass die Topspieler „natürlich an der oberen Grenze der Belastung“ angekommen sind, dafür sieht Niersbach wie auch Löw nicht zuerst die Nationalmannschaft verantwortlich. Da habe es aktuell nur die Ausdehnung der EM-Endrunde auf 24 Nationen gegeben. „Der DFB war dagegen, ich persönlich auch“, betonte Niersbach.

          Doch Deutschland habe international so wie Liechtenstein mit nur sieben Vereinen nur eine Stimme. Die Anzahl der Länderspiele zwischen den Turnieren aber sei gleichgeblieben, sagte der DFB-Präsident. Viele Verletzungen, die derzeit auftreten, hätten zudem gar nichts mit der WM und dem Nationalteam zu tun.

          „Das hätte unser Land verdient“

          Die Chancen auf ein neuerliches Sommermärchen bei der Euro 2024 stehen nach Niersbachs Ansicht gut. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen werden, weil das Projekt sehr gut vorbereitet ist“, sagte er. „18 Jahre nach der WM 2006 mal wieder so ein Sommermärchen in Deutschland zu haben, hätte unser Land verdient.“ Der DFB hatte deshalb vor einem Monat bei der Wahl des Finalstandortes der EM 2020, die in 13 Ländern ausgetragen wird, seinen Kandidaten München zurückgezogen, um die Chancen für 2024 zu erhöhen.

          „Wir haben frühzeitig unsere Karten auf den Tisch gelegt und den Engländern den Vortritt für die Finalserie 2020 überlassen“, sagte Niersbach und fügte hinzu: „Es gibt nicht mehr so viele Länder in Europa, die in der Lage sind, solch ein großes Turnier mit 51 Spielen durchzuführen. Bei aller Bescheidenheit: Wir können das.“

          John O’Shea schockt das DFB-Team mit seinem späten 1:1
          John O’Shea schockt das DFB-Team mit seinem späten 1:1 : Bild: AFP

          Niersbach sieht derzeit keinen Anlass, Qatar die Ausrichtung der WM 2022 zu entziehen. Qatar habe bei der Wahl im Dezember 2010 durch das Fifa-Exekutivkomitee 14 von 22 Stimmen erhalten und „kann also mit Fug und Recht sagen, den Zuschlag in einem demokratischen Prozess bekommen zu haben“, erklärte Niersbach. „So lange es keine Fakten gibt, dass da etwas nicht sauber gelaufen sein könnte, steht für mich diese Entscheidung“, erklärte er.

          Zuletzt hatte sein Amtsvorgänger Theo Zwanziger wegen der für Spieler und Fans im Sommer unzumutbaren klimatischen Verhältnisse Zweifel an der WM-Austragung in Qatar geäußert. „Persönlich glaube ich, dass die WM 2022 am Ende nicht in Qatar stattfinden wird“, sagte das deutsche Mitglied in der Fifa-Exekutive der „Sport-Bild“. Auch Niersbach sieht das Klima als größtes Problem an. „Ich habe große Zweifel, dass im Sommer gespielt werden kann. Aber wann dann, weiß derzeit keiner. Alle Versuche, in diversen Arbeitskreisen einen Alternativtermin aufzuschreiben, sind ziemlich krass gescheitert“, sagte Niersbach. „Das ist ein ganz, ganz schwieriges Kapitel.“

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