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Debütanten im DFB-Team : „Das war unbeschreiblich“

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Kennenlernen auf dem Trainingsplatz: Bundestrainer Joachim Löw (links) und Suat Serdar Bild: AFP

Nach dreizehn Ausfällen im DFB-Team könnten im Test gegen Argentinien gleich fünf Spieler ihr Debüt geben. Einer davon verpasst den Anruf vom Bundestrainer. Seine Nominierung sorgt zudem für Ärger in der Türkei.

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          Die nächste schlechte Nachricht kam am Morgen des Spieltags. Die arg gebeutelte deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen weiteren Ausfall hinnehmen. Der Leverkusener Jonathan Tah reiste am Mittwochvormittag wegen seines grippalen Infekts aus dem Teamhotel in Dortmund ab. Damit steht der Innenverteidiger auch für das EM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Tallinn gegen Estland nicht zur Verfügung. Für den Klassiker gegen Argentinien in Dortmund (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Länderspielen und bei RTL) war er ohnehin schon nicht eingeplant.

          Fußball-Länderspiele

          Bundestrainer Joachim Löw muss in der Neuauflage der WM-Finals von 1986, 1990 und 2014 auf gleich 13 Nationalspieler verzichten. Fraglich ist zudem der Einsatz von Marco Reus (Knieprobleme). Der Dortmunder konnte aber immerhin am Dienstagabend das Abschlusstraining im Signal-Iduna-Park mitmachen. Nicht dabei waren neben Tah auch Ilkay Gündogan (muskuläre Probleme) und Timo Werner (Grippe), die aber noch auf einen Einsatz in Estland hoffen.

          Die zahlreichen Ausfälle vor dem Spiel gegen Argentinien sind eine Chance für die Neuen. Nadiem Amiri, Suat Serdar, Niklas Stark, Luca Waldschmidt und Robin Koch könnten ihr Debüt in der Nationalmannschaft geben. Amiri informierte sich auf dem Weg zum Treffpunkt der DFB-Elf bei der gemeinsamen Anreise mit seinem Leverkusener Teamkollegen Tah über die Abläufe, Suat Serdar trat die Reise ins Ungewisse alleine an. „Ich war sehr nervös und bin es immer noch“, sagte der Schalker Mittelfeldspieler nach seiner Ankunft im Teamhotel in Dortmund.

          Die Nervosität dürfte sich noch einmal steigern. Der Länderspiel-Klassiker gegen Argentinien dürfte zum Debütantenball werden. Die Ausfälle seien „auch eine Chance für andere, junge Spieler“, betonte Löw. Amiri und Serdar hätten in ihren Vereinen „auch international gezeigt“, dass sie der DFB-Elf helfen könnten. Der Weg zu Löw war für die beiden Zweiten der U-21-EM im Sommer durchaus ungewöhnlich: Amiri und Serdar mussten selbst beim Bundestrainer durchklingeln. „Ich hatte einen verpassten Anruf, weil ich noch beim Training war, beim Auslaufen“, sagte Serdar: „Dann habe ich zurückgerufen, Jogi war dran und hat mir die glückliche Nachricht überbracht. Das war unbeschreiblich, das kann man gar nicht gleich realisieren.“

          So könnten Deutschland und Argentinien starten.

          Amiri wurde zunächst von Löw-Assistent Marcus Sorg kontaktiert. „Er hat gesagt, ich soll mal den Bundestrainer anrufen, weil der meine Telefonnummer nicht hat“, verriet der Mittelfeldspieler: „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen.“ Nach der guten U-21-EM hatte sich der Sohn afghanischer Eltern schon etwas ausgerechnet, „da der Bundestrainer ja auf junge deutsche Spieler baut“. Als er dann tatsächlich eingeladen wurde, „waren ich und meine Familie sehr glücklich“.

          Serdar, der auch für die Türkei spielen könnte, informierte nach dem Gespräch mit Löw sofort seine Familie: „Sie haben sich sehr gefreut.“ Verstimmt waren allerdings die Verantwortlichen des türkischen Fußball-Verbandes. „Ich war bei seinem Vater und bei Schalke-Spielen, nur für Suat. Wir respektieren seine Entscheidung, aber sie hätte offen gesagt werden sollen“, sagte der Trainer, Senol Günes, auf einer Pressekonferenz vor den EM-Qualifikationsspielen gegen Albanien und Frankreich.

          Günes kritisiert die Vorgehensweise des früheren Spielers von Mainz 05, der in Bingen am Rhein geboren wurde. Nach Angaben des 67-Jährigen war der türkische Verband im Unklaren gelassen worden, ob sich Serdar für Deutschland oder die Türkei entscheiden werden. „Es wurde gesagt, dass Serdar nicht für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen werde“, sagte Günes, weshalb sich der türkische Verband große Hoffnungen auf den Einsatz der Offensivkraft gemacht hatte. Allerdings war Serdar mit 13 Jahren erstmals für eine deutsche Auswahl berufen worden und hatte anschließend die deutschen Jugendmannschaften durchlaufen.

          Das Fußball-Talent wurde Robin Koch derweil in die Wiege gelegt. Der Freiburger, den Löw für viele überraschend nachnominiert hatte, ist der Sohn des langjährigen Lauterer Bundesliga-Profis Harry Koch. Entsprechend „stolz“ war der Papa (49) auf die Berufung. Wie einst sein Vater, der mit dem FCK 1998 sensationell als Aufsteiger deutscher Meister wurde, kommt Koch meist in der Innenverteidigung zum Einsatz. Löw schätzt aber vor allem seine Flexibilität. „Robin Koch spielt im Zentrum, kann dort rechts oder links und auf der Sechs spielen, wenn Not am Mann ist“, sagte Löw. Zudem sei der 23-Jährige mit Freiburg in der Bundesliga „auf einem sehr guten Weg, sehr stabil. Er hat eine sehr gute Form, das war mir wichtig“.

          Sollte Koch wie sein Klubkollege Waldschmidt, dem Löw eine Startelfgarantie gab, gegen Argentinien spielen, wäre er der siebte Freiburger Debütant unter Löw. Seit Max Kruse im Mai 2013 als erster SC Profi in der Ära Löw das DFB-Trikot trug, kommt kein anderer Bundesligaverein auf so viele Novizen. Aus Leverkusen und Hoffenheim holte Löw seitdem je sechs Spieler, vom FC Bayern nur einen (Joshua Kimmich). Koch kam 2017 nach 27 Zweitligaspielen für den FCK nach Freiburg und bestritt dort bislang 57 Bundesligaspiele (drei Tore). Für die deutsche U 21 lief er fünfmal auf, bei der EM im Sommer spielte er – anders als die ebenfalls nominierten Amiri und Serdar – mit zwei Kurzeinsätzen nur eine Nebenrolle.

          Trotz dieser überschaubaren Bilanz gab es vor Saisonbeginn reges Interesse, auch aus dem Ausland. Er habe sich „bewusst“ für den SC entschieden, sagte Koch. An Freiburg schätze er das Familiäre, unter Trainer Christian Streich könne er sich „gut entwickeln“. Nebenbei bleibt sogar Zeit für Geschäftsideen: Koch gründete die „Black Hall“ in Krefeld mit, ein Trainingszentrum für Spitzensportler.

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