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DFB-Team : Hummels, der Unantastbare

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Klare Ziele: Mats Hummels Bild: DIVISEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Mats Hummels gehört in der Nationalmannschaft vor dem WM-Qualifikationsspiel in Tschechien zum exklusiven Klub der Unantastbaren. Auch abseits des Platzes ist er ein Anführer. Für manche ist er freilich ein allzu wagemutiger Beckenspringer.

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          Mats Hummels würde es wieder tun. War ja schließlich alles gar nicht so dramatisch. Sein Urlaubssprung in Kroatien vom hohen Balkongeländer in ein kleines Schwimmbecken, sagte er am Donnerstag in Prag beschwichtigend, "war höchstens aus zwei Metern". Die Bilder sehen zwar eher nach vier bis fünf aus, es gibt durchaus eine Flugphase - aber der deutsche Fußball-Weltmeister bringt Erfahrung mit: Bei der EM 2016 sprang er von einem Zehn-Meter-Turm in den Genfer See.

          Die Nationalmannschaft hingegen ist für den 28-Jährigen längst kein kaltes Wasser mehr. Mats Hummels darf sich zum exklusiven Klub der "Unantastbaren" zählen, wie Manager Oliver Bierhoff jene Spieler nennt, die, sofern sie nicht verletzt sind, immer ihren Platz im Kader sicher haben. Wie Manuel Neuer, Toni Kroos, Thomas Müller. Mats Hummels ist selten verletzt.

          Hummels gehört für Löw zu den Unantastbaren.

          Auf dem Platz ist er ohnehin nicht sonderlich wagemutig, das hat er sich nach und nach abgewöhnen müssen. "Ich darf nicht so viel Risiko gehen, ich bin Verteidiger. Früher habe ich gern mit einer kleinen Portion Risiko gespielt, heute lasse ich öfter Vorsicht walten", berichtet er. Manchmal ist es tatsächlich wie mit seinem Pool-Sprung, über den er sagt: "Das sieht spektakulärer aus, als es eigentlich ist."

          Dass er die kurzzeitig entstandene Aufregung, die ihren Ausdruck in Begriffen wie "irre", "wahnsinnig", "waghalsig" fand, mal so eben abbügeln kann, sagt auch etwas über seinen Stellenwert aus. Mats Hummels ist ein Musterprofi, skandalfrei, intelligent und reflektiert, bisweilen ironisch. Ihm wird vertraut. Er erlaubt sich Haltung und Meinung, was bei Spitzenfußballern nicht mehr allzu verbreitet ist.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Kaum einen Spieler hörte man beispielsweise klarer über die Ultra-Diskussion reden. Er sei "eher skeptisch Ultras gegenüber", sagte Hummels der Bild-Zeitung, "ich habe in meiner Karriere nicht so gute Erfahrungen gemacht bisher." Das spielte auf die Umstände seines Wechsels von Borussia Dortmund nach München 2016 an. "Ich bin ein großer Freund von Fans, die sich für Dinge einsetzen", betont er. "Aber wenn es, wie jetzt immer öfter, gewalttätig und beleidigend wird, dann ist es der komplett falsche Weg."

          Andererseits ist er kommerzkritisch und bei diesem Thema fannah. Ein Prozent seines Gehalts für wohltätige Zwecke zu spenden, soll auch ein Zeichen sein in Zeiten, in denen der Anhänger in der Kurve so weit vom Profi entfernt ist wie nie zuvor. Die kursierenden Summen, sagt er, seien "schon unfassbar momentan".

          Die 35 Millionen Euro, die Bayern München nach Dortmund überwies, um ihn nach sieben Jahren zurückzuholen, nehmen sich inzwischen fast bescheiden aus. So viel kostet heutzutage ein talentierter Nachwuchsspieler mit englischem Pass. Deshalb will Hummels "die steigenden Erträge im Fußball mit einem tieferen Sinn verbinden".

          Wenn dann mal etwas keinen tieferen Sinn hat, siehe Kroatien, ist das auch okay. War ja schließlich alles gar nicht so dramatisch.

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