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EM-Qualifikation gegen Irland : Löw setzt auf Rüdiger und Durm

Erik Durm ist auf der Außenverteidiger-Position vorerst gesetzt Bild: AP

Bundestrainer Joachim Löw will von einem Problem bei den Außenverteidigern nichts wissen. Deshalb bekommen die Talente Erik Durm und Antonio Rüdiger Rückendeckung – auch im Spiel gegen Irland.

          3 Min.

          Als Joachim Löw die Stufen zum Podium zur Pressekonferenz in einem Essener Autohaus nimmt, empfängt ihn schon Applaus. Der Bundestrainer hat in diesem Moment zwar noch kein Wort gesagt und seine Mannschaft hatte zwei Tage zuvor 0:2 in Polen verloren. Aber das macht nichts. Wichtig ist in diesem Moment etwas anderes: Der Bundestrainer ist da. Der Weltmeister-Trainer. Und das genügt.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Pressesprecher registriert den spontanen Beifall aufmerksam. Denn so etwas, sagt er, sei in der Vergangenheit nun wirklich nicht oft vorgekommen. Löw arbeitet dann sehr entspannt und gar nicht mal so unzufrieden die Niederlage in Warschau ab. Er gibt danach einen zuversichtlichen Ausblick für das Qualifikationsspiel an diesem Dienstag in Gelsenkirchen gegen Irland (20.45 Uhr / Live bei RTL und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET), ja sogar bis hin zur Europameisterschaft 2016.

          Als der Bundestrainer nach gut zwanzig Minuten vom Podium steigt, begleitet ihn wieder Beifall. Bevor er das Haus verlässt, stellt sich Löw bereitwillig und freundlich lächelnd zum Gruppenbild. Arbeiter im Blaumann drängen sich um den Bundestrainer, in der ersten Reihe strahlen ein paar Kinder. Und morgen gewinnen wir gegen Irland, sagen die Leute. Ist doch klar.

          „Das Leben ist viel schöner als vor der WM“, hatte Joachim Löw vor dem Abflug aus Warschau bemerkt. Solche Momente wie nun in einem Autohaus irgendwo in einem Essener Gewerbegebiet illustrieren ein wenig, wie sich dieses schöne Weltmeisterleben in Deutschland anfühlen mag. Der vierte Stern wärmt den Bundestrainer und die Nationalelf noch immer. Auch zwei Niederlagen in drei Spielen haben daran überhaupt nichts ändern können.

          Nur die Tore sind eben nicht gefallen

          Am Tag vor dem nächsten Alltagsspiel in der EM-Qualifikation gegen Irland, immerhin der Tabellenführer nach zwei Siegen, lässt sich Löw keinen Moment von negativen Gedanken leiten. Die Begegnung mit Polen hat er sich noch mal vollständig angesehen, versichert er, und alles, was ihm schon unmittelbar nach der Partie nicht so schlecht erschien, bestätigte sich dabei auch auf den zweiten Blick.

          Drei Dinge, sagte der Bundestrainer, hatte er von seiner Mannschaft gefordert: eine gute Ordnung, polnische Konter verhindern, und einen guten Spielaufbau aus der Abwehr. All dies habe seine Mannschaft auch umgesetzt, nur die Tore seien eben nicht gefallen. „Wenn wir keine Chancen im Spiel gehabt hätten, wäre das ärgerlicher gewesen“, sagt Löw. Aber so: kein Beinbruch.

          Nach dem guten Debüt spielt Karim Bellarabi (links) auch gegen Irland

          Noch im Fernsehstudio von Warschau war Löw vor laufender Kamera mit der Kritik des früheren Nationaltorwarts Jens Lehmann konfrontiert worden, der dem Bundestrainer vorwarf, es versäumt zu haben, in den acht Wochen seit Philipp Lahms Rücktritt auf den Außenverteidigerposition etwas Neues zu probieren und zu entwickeln. Das sei nicht so einfach, hatte Löw dem Fernsehexperten Lehmann im Studio noch diplomatisch geantwortet. Am Montag waren ihm aber schon Begriffe wie „Problematiken“ oder „Baustellen“ in Zusammenhang mit seinem Team zu viel.

          Bereits in den vergangenen Jahren sei zwischen den Turnieren auf diese Weise über sein Team gesprochen worden, merkte Löw an. Aber diese Kritik, so will der Bundestrainer verstanden werden, sei überzogen gewesen, purer Alarmismus eben. Oder, noch besser: Panikmache. „Da hieß es: Wir haben keine Stürmer mehr – und vergessen, dass wir die meisten Tore bei dem Turnier geschossen haben. Oder die Innenverteidigung funktioniert nicht – dann stellen wir fest, dass wir die wenigsten Gegentore bekommen“, sagte Löw.

          „Wir haben ein Stück weit Bedarf“

          Und so wendet er die jüngsten WM-Erfahrungen auch auf die aktuelle Lage an, auf die Außenverteidigung mit dem Dortmunder Erik Durm auf der linken und dem Stuttgarter Antonio Rüdiger auf der rechten Seite. Beide sollen auch gegen Irland wieder zum Einsatz kommen. „Große Problematiken sehe ich nicht“, sagt Löw über diese beiden Positionen. „Wir haben ein Stück weit Bedarf.“

          Die Problematik – pardon, der Bedarf – auf den Außenverteidigerpositionen besteht in der Nationalelf jenseits von Philipp Lahm jedoch eher seit acht Jahren, nicht erst seit acht Wochen. Zumindest bis Jahresende soll es nun das neue Duo vom BVB und VfB beim DFB richten. Der 22 Jahre alte Durm und der 21 Jahre alte Rüdiger sind für den Bundestrainer auch bei den Begegnungen im November mit Gibraltar und in Spanien „die erste Option“, wie er sagte. Er wird den beiden jungen Spielern „viel Zeit geben“, verspricht der Bundestrainer. „Es war klar, dass ein Philipp Lahm, der Weltklasseniveau hatte, nicht von einem auf den anderen Tag ersetzbar sein wird.“

          Christoph Kramer (hinten) fällt hingegen aus

          Bis zur EM 2016 habe er aber noch einige andere Kandidaten im Auge, denen er auf dieser Position etwas zutraue, versicherte Löw – der gegen Irland auf den erkrankten Christoph Kramer verzichten muss und dem Neuling Karim Bellarabi einen weiteren Einsatz in Aussicht stellte. Namen nannte er bis auf Sebastian Rudy nicht.

          Es sei auch gar nicht nötig, dass sich Außenverteidiger über einen so langen Zeitraum einspielten. Bei der WM habe man doch gesehen, dass sie solche Dinge auch kurzfristig lösen könnten. „Das haben wir bewiesen“, sagte Löw. Das Selbstbewusstsein und die Selbstgewissheit eines Weltmeisters, die Löw zusammen mit dem Pokal aus Rio mitgebracht hat, hallen auch drei Monate später in einem Essener Gewerbegebiet nach.

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