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„Über Tellerrand schauen“ : Löw öffnet Hintertür für Hummels-Comeback

  • Aktualisiert am

Will zur EM mit Deutschland: Bundestrainer Joachim Löw, hier im Oktober in Freiburg Bild: dpa

Vor dem Endspurt um das EM-Ticket weist der Bundestrainer auf fehlende Kontinuität im Nationalteam hin. Immerhin kehren mehrere Spieler zurück. Mats Hummels ist noch nicht darunter, das kann sich aber offenbar ändern.

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          Joachim Löw setzt im Endspurt um das EM-Ticket unbeirrt auf sein junges Umbruch-Personal – ein spektakuläres Comeback von Mats Hummels im kommenden Turnierjahr schließt der Bundestrainer aber keineswegs kategorisch aus. „Generell schenken wir den Spielern, die jetzt dabei sind, unser volles Vertrauen, ihnen gehört unsere Aufmerksamkeit“, sagte Löw. In einem vom DFB veröffentlichten Video-Interview öffnete der 59-Jährige aber die Hintertür für den von ihm im März aussortierten Hummels – ohne dessen Namen zu erwähnen.

          „Wir haben die Qualifikation, wir haben die letzten beiden Spiele, wir wollen uns qualifizieren“, sagte Löw bei der Kader-Nominierung für die letzten beiden Länderspiele der Fußball-Nationalmannschaft am 16. November in Mönchengladbach gegen Weißrussland und drei Tage später in Frankfurt gegen Nordirland. „Dann werden wir uns selbstverständlich zusammensetzen im Trainerteam, werden über den Tellerrand hinausschauen“, sagte Löw. Dann werde man sich „überlegen, was ist das Beste für die Mannschaft“, fügte der 59-Jährige an.

          Löw hatte zuletzt betont, ein Hummels-Comeback sei derzeit „kein Thema“. Nun stellte der Bundestrainer fest: „Das große Ziel heißt, eine schlagkräftige Mannschaft bei der EM eben dort auf den Platz schicken zu können. Und das muss man sehen, in welcher Konstellation, können wir heute noch nicht abschließend beurteilen und sagen.“

          Kroos als „Stabilisator“

          Für den Quali-Endspurt steht zunächst rund ein halbes Dutzend anderer Rückkehrer im letzten Kader 2019, darunter auch die Mittelfeldprofis Toni Kroos und Leon Goretzka. Für die zuletzt anfällige Defensive sind die im Oktober ebenfalls verletzt fehlenden Matthias Ginter, Jonathan Tah, Nico Schulz und Jonas Hector wieder dabei.

          Der junge Freiburger Robin Koch (23) gehört nach seiner überraschenden Oktober-Premiere auch wieder zum 24 Spieler umfassenden Kader. Emre Can kann nach seiner Roten Karte in Estland (3:0) nur gegen Nordirland mitwirken. Einziger Akteur ohne Länderspieleinsatz ist der zum wiederholten Mal nominierte Berliner Niklas Stark.

          „Über allem steht natürlich, dass wir uns für die Europameisterschaft im nächsten Jahr qualifizieren. Daher wollen wir gegen Belarus und Nordirland, die uns vor allem kämpferisch alles abverlangen werden, auch gewinnen“, sagte Löw. Die Rückschläge im September und Oktober mit dem 2:4 gegen Holland und den unerwartet mühevollen Siegen in Nordirland (2:0) und Estland (3:0) hat auch der Bundestrainer registriert. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir in der Entwicklung dieser noch jungen Mannschaft schon weiter wären. Gerade im Umbruch braucht man eine gewisse Kontinuität. Das war durch die vielen Verletzungen aber nicht möglich, wir konnten uns kaum einspielen“, sagte Löw.

          Kampfansage: Ilkay Gündogan (Mitte), hier Anfang Oktober in Dortmund

          Verzichten muss der DFB-Chefcoach diesmal neben Niklas Süle (Bayern München) auf Leroy Sané (Manchester City), Marcel Halstenberg (RB Leipzig), Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain) und Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt). Für Julian Draxler (Paris Saint-Germain) kam eine Berufung wie auch für den von Löw sehr geschätzten Chelsea-Verteidiger Antonio Rüdiger nach langen Blessuren zu früh.

          2014er-Weltmeister Kroos, mit 94 Länderspielen der erfahrenste Akteur im aktuellen Aufgebot, wurde von Löw explizit als „Stabilisator“ bezeichnet. „Er gehört mit Manuel Neuer, Ilkay Gündogan, Marco Reus und Joshua Kimmich zu unseren Stützen“, betonte der 59-Jährige.

          Gündogan will Führungsrolle

          Nach dem Wirbel um seinen Salut-Like für türkische Nationalspieler will auch Gündogan im DFB-Team mehr Führungsaufgaben übernehmen. „Ich sehe mich in einem Alter und in einer Position, in der ich mehr Verantwortung übernehmen kann und will“, sagte der Mittelfeldspieler von Manchester City der Deutschen Presse-Agentur.

          Löw wird solche Ambitionen gutheißen. Fast die Hälfte seines Kaders hat weniger als zehn Länderspiele bestritten. Nur Manuel Neuer (33 Jahre) und Marco Reus (30) sind vor dem Mauerfall geboren. Neben Koch kamen auch die U21- Europameisterschaftszweiten Luca Waldschmidt (23), Nadiem Amiri (23) und Suat Serdar (22) erst in dieser Saison neu ins A-Team.

          Zweifel an der EM-Teilnahme gibt es praktisch nicht mehr. Gewinnt die Niederlande ihr erstes Spiel gegen Nordirland, ist das Ticket schon mit einem Remis gegen Weißrussland gelöst. Im Notfall würde auch abseits aller anderen Ergebniskonstellationen ein Sieg gegen die Briten sicher reichen. Derzeit steht das DFB-Team punktgleich bei je 15 Zählern mit den Niederlanden auf Platz zwei. Nordirland folgt mit 12 Punkten auf dem dritten Platz. Der Gruppensieger und der Gruppenzweite sind im kommenden Sommer bei der EM dabei.

          Der Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

          Tor: Bernd Leno (FC Arsenal), Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)

          Abwehr: Emre Can (Juventus Turin), Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), Jonas Hector (1. FC Köln), Lukas Klostermann (RB Leipzig), Robin Koch (SC Freiburg), Nico Schulz (Borussia Dortmund), Niklas Stark (Hertha BSC), Jonathan Tah (Bayer Leverkusen)

          Mittelfeld/Angriff: Nadiem Amiri (Bayer Leverkusen), Julian Brandt (Borussia Dortmund), Serge Gnabry (FC Bayern München), Leon Goretzka (FC Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Kai Havertz (Bayer Leverkusen), Joshua Kimmich (FC Bayern München), Toni Kroos (Real Madrid), Marco Reus (Borussia Dortmund), Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim), Suat Serdar (FC Schalke 04), Luca Waldschmidt (SC Freiburg), Timo Werner (RB Leipzig)

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