https://www.faz.net/-gtl-9fbb6

DFB-Elf verliert 0:3 : „So viel haben wir uns nicht vorzuwerfen“

0:3 in den Niederlanden! Jonas Hector (links) und Mats Hummels können es kaum fassen. Bild: AFP

Nach dem 0:3 in den Niederlanden entlädt sich der Unmut der deutschen Fans. Die Krise des DFB-Teams weitet sich aus. Und der Bundestrainer wird gefragt, ob er an einen freiwilligen Rückzug denke.

          4 Min.

          Versöhnliche Bilder sehen anders aus. Als sie ihren letzten Marsch an diesem für sie so unerfreulichen Abend antraten, merkten die deutschen Fußball-Nationalspieler schnell, dass sie in der Kurve, wo sich ihre Anhänger oben unter dem Stadiondach aufhielten, in dem Moment nicht sonderlich hoch im Kurs standen. Es waren mehr als zwanzig Meter Luftlinie, die das Team um Kapitän Manuel Neuer von den Fans trennten, doch der geballte Unmut erreichte sie trotzdem. Gesten machten unverkennbar deutlich, dass die Verlierer mit diesem 0:3 gegen die Auswahl der Niederlande weitere Sympathien verspielt hatten. Flaggen in Schwarz-rot-gold wurden zerknüllt und in Richtung der Profis geschleudert.

          Nations League
          ANZEIGE

          Jonas Hector, der mit seinem missglückten Stellungsspiel vor dem ersten Gegentor (30. Minute) mit dafür gesorgt hatte, dass sich der Samstag alles andere als wunschgemäß entwickelte, sagte später in den Katakomben der Amsterdam-Arena, dass er den Frust der Gefolgschaft „verstehen“ könne: „Das ist ganz normal, dass die Leute, die sich für uns auf den Weg gemacht haben, jetzt nicht bei bester Laune sind.“ Der Linksverteidiger in Diensten des zweitklassigen 1. FC Köln bat jedoch um Nachsicht für eine Partie, in der er und seine Kollegen vor allem durch „ein bisschen Unvermögen“ vom Kurs abgekommen seien und sich das Leben dadurch noch schwerer gemacht hätten: „Keiner von uns schießt absichtlich den Ball daneben.“

          Durch den Rückstand, den er beim Kopfballduell mit Oranje-Kapitän Virgil van Dijk (bei dem auch zwei Münchner, Keeper Neuer und Mats Hummels, unentschlossen zu Werke gingen) nicht verhindern konnte, „sind wir außer Tritt geraten“, sagte Hector. Den endgültigen K.o. besiegelte der späte Doppelschlag durch Memphis Depay (87.) und Georginio Wijnaldum (90. +3.). Es war eine verdiente Niederlage, weil es den Deutschen erst an Ideen mangelte, aus ihrem Ballbesitz Vorteile zu ziehen, sie später nicht die nötige Leidenschaft besaßen, um sich zurück zu kämpfen und sie sich gegen Ende eiskalt auskontern ließen.

          „Wir sind von unserer Linie abgekommen“, formulierte es Bundestrainer Joachim Löw. Er sprach, dass „wir so nicht auseinanderfallen dürfen“. Die „letzten zehn Minuten mit den zwei Toren hätten nicht passieren sollen“. Durch den weiteren Fehlschlag rutschte seine Mannschaft in der Nations League auf den dritten Platz ab, nun droht die Herabstufung in die zweitklassige B-Kategorie. Löw räumte ein, dass er sich den Neustart nach dem Weltmeisterschafts-Desaster wesentlich angenehmer ausgemalt hatte. „Schwierig ist es im Moment schon“, sagte er. „Selbstverständnis und Leichtigkeit“ seien abhandengekommen, „es ist nicht so einfach.“ Und die Lage kann noch unangenehmer werden, speziell für ihn, sollte auch bei der nächsten Partie die Wende zum Besseren misslingen. Schon an diesem Dienstag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Nations League und in der ARD) geht es in dem von der Europäischen Fußball-Union neu geschaffenen Wettbewerb mit dem Auswärtsmatch in Paris gegen die Équipe Tricolore anspruchsvoll weiter. „Wir müssen jetzt Charakter zeigen und ausblenden, was auf uns einprasselt“, verlangte Löw. 


          Ein Vierteljahr ist vergangen seit der WM in Russland, bei der er und die von ihm zusammengestellte Truppe als früh gescheiterter Titelverteidiger während ihres kurzen Vorrunden-Intermezzos eine ausgesprochen traurige Figur abgaben. DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte anschließend „tiefgreifende Veränderungen“ in Aussicht gestellt. Zu sehen ist davon bis heute wenig. Dem Trubel rund um den Rücktritt Mesut Özils schloss sich eine kurze Phase der Reflexion an, in der von Löw der Anschein erweckt wurde, er werde seine Arbeit mit dem Team an neuen Grundsätzen orientieren – und es so zurück in die Zukunft führen. Der Bundestrainer, der sich noch im Mai über einen Vertrauensvorschuss in Form einer Vertragsverlängerung bis 2022 freuen konnte, lässt sich neuerdings öfter in Bundesliga-Stadien blicken. Zum anderen nahm er an seinem Betreuerstab ein paar graduelle Veränderungen vor.

          Weitere Themen

          BVB entgeht der Blamage nur knapp

          Nach 0:3-Rückstand : BVB entgeht der Blamage nur knapp

          Gegen Bundesliga-Schlusslicht SC Paderborn kann Borussia Dortmund ein weiteres Debakel nur mit großer Mühe abwenden: Ideenlos und ängstlich erkämpfen sich die Schwarz-Gelben gerade noch ein Unentschieden.

          Wellenreiten für zwischendurch Video-Seite öffnen

          Lagerhalle in Berlin : Wellenreiten für zwischendurch

          Wellenhöhe wie auch Wasser-Fließgeschwindigkeit lassen sich individuell an die Bedürfnisse des Wellenreiters anpassen. Für Anfänger steht zusätzlich eine Haltestange bereit, bis zu sechs Neulinge können gleichzeitig üben.

          Topmeldungen

          Darf´s ein bisschen mehr sein? Wenn es nach ARD und ZDF geht, gilt das für den Rundfunkbeitrag immer.

          Gutachten zu Finanzen : Gehälter bei ARD und ZDF sind zu hoch

          Die Finanzkommission Kef schlägt vor, wie hoch der Rundfunkbeitrag sein soll. Sie prüft, wofür die Öffentlich-Rechtlichen Geld ausgeben. Jetzt stellt die Kommission fest, die Gehälter bei ARD und ZDF seien zu hoch. Besonders bei einigen Sendern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.