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Auslosung zu EM-Quali 2020 : Gelassenes Schlussbild für das DFB-Team

„Wir gehen selbstbewusst in die Qualifikation rein“: Bundestrainer Joachim Löw. Bild: dpa

Den Neuaufbau vorantreiben – und nebenbei die Qualifikation für die EM 2020 schaffen. Das sollte der deutschen Fußball-Nationalelf nach der Auslosung der Gruppen nicht allzu schwer fallen.

          Joachim Löws Wunschgegner steckten gar nicht erst in den Losen, die in Dublin gezogen wurden. Der Bundestrainer würde im kommenden Jahr gern noch gegen Brasilien und Argentinien spielen, sagte er am Sonntag in der irischen Hauptstadt. Klar, das wären Testspiel-Gegner nach seinem gehobenen Geschmack, nachdem die Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen der deutschen Nationalmannschaft noch zwei Lücken für das kommende Kalenderjahr gelassen hat. Aber zu diesen Duellen unter (früheren) Weltmeistern wird es kaum kommen, da die Europäische Fußball-Union (Uefa) auch für diese Test-Termine nur Gegner aus dem eigenen Hoheitsbereich zulässt. Zwar kündigte Teammanager Oliver Bierhoff an, sich noch einmal nach den Möglichkeiten erkundigen zu wollen, aber die Bereitschaft der Uefa, diesen deutschen Sonderweg – man könnte es auch Extrawurst nennen – mitzugehen, dürfte sich in Grenzen halten.

          Im Wesentlichen aber konnten Löw und Bierhoff zufrieden sein mit dem, was in Dublin als Schlussbild dieses für die Nationalmannschaft desaströsen Jahres stand. Selbst wenn es gleich zum Auftakt der Qualifikation am 24. März zum Wiedersehen mit den Niederlanden kommt, die den Deutschen in der abgelaufenen Premierensaison der Nations League einigen Verdruss bereitet haben, vor allem beim 0:3 in Amsterdam. Eine Qualifikationsgruppe aber, die neben den ewig jungen Duellen mit dem Nachbarn noch Vergleiche mit Nordirland, Estland und Weißrussland bringt, ist nichts, was einen um die Teilnahme am Kontinentalturnier 2020 bangen lassen sollte – schließlich qualifiziert sich auch der Gruppenzweite sicher für die Endrunde.

          Zugleich aber war Löw bemüht, nach den Erfahrungen dieses Jahres nicht gleich einen Erwartungsautomatismus zu bedienen und zu befeuern. „Wir gehen selbstbewusst in die Qualifikation rein. Wir haben schon den Anspruch, dass wir das schaffen“, sagte er, aber den Spitzenplatz in dieser Gruppe C mochte der Bundestrainer nicht als Ziel formulieren. „Nach 2014 und 2016 waren wir in einer Phase, in der wir gut harmoniert haben. Da konnten wir so eine Zielsetzung ausgeben. Jetzt fangen wir weiter unten an. Jetzt wollen wir nicht gleich überheblich sein.“


          Durch die erstmalige Austragung der Nations League in dieser Saison beginnt die EM-Qualifikation erst im März kommenden Jahres und wird bis zum Ende des Kalenderjahres ausgespielt. Dafür stehen im Terminkalender insgesamt fünf Doppelspieltage zur Verfügung, im März, Juni, September, Oktober und November. Da die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einer der fünf Fünfergruppen gelandet ist (siehe unten), bleiben zwei Termine für Testspiele.

          Für die Deutschen ist die Qualifikation damit aller Voraussicht nach eine ziemlich übersichtliche Angelegenheit. Komplizierter könnte es bei der Vergabe der verbleibenden vier der insgesamt 24 Startplätze zugehen. Die werden erst im März 2020 in Mini-Turnieren der jeweils vier Gruppensieger in den vier Staffeln der Nations League ausgespielt. Da es ja aber nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich ist, dass sich Mannschaften aus diesem Kreis dann schon über die reguläre Qualifikation das Ticket gesichert haben, werden wohl schlechter plazierte Teams aus der Nations League nachrücken.

          Inhaltlich steht das Jahr 2019 für die deutsche Mannschaft weiter unter dem Thema Erneuerung, wie Löw in Dublin sagte: „Es gibt zwei wichtige Themen: Die Qualifikation schaffen und den jungen Spielern Raum geben. Sie sollen sich weiterentwickeln, und sie sollen Verantwortung übertragen bekommen.“ Der Bundestrainer sagt das inzwischen so selbstverständlich, als habe es den Achsenbruch samt verschlepptem Neubeginn gar nicht gegeben. So verneinte er auch die Frage, ob er den Umbruch zu spät eingeleitet habe: „Vor der WM gab es keinen Anlass“, sagte Löw in Dublin. „Es hätte niemand verstanden, wenn wir vor der WM sieben oder acht Stammspieler austauscht hätten.“ Jetzt aber sei die Zeit reif, so der Bundestrainer.

          Und zugleich, so könnte man hinzufügen, auch schon ein wenig knapp. Tatsächlich bietet dieses verdichtete Qualifikationsjahr wenig Gelegenheit, sich gegen Teams der gehobene Kategorie einzuspielen. „Wir wissen, dass unser Weg zurück an die Weltspitze über schwere Gegner führen muss“, sagte Teammanager Bierhoff – deshalb auch Löws Wunsch nach Argentinien und Brasilien. Dass zwei gute Gelegenheiten schon verpasst wurden, in den Nations-League-Hinspielen gegen Frankreich und die Niederlande – das ist eine andere Geschichte.


          Die Qualifikationsgruppen zur Fußball-EM 2020 im Überblick

          Die deutsche Nationalmannschaft startet mit dem Auswärtsspiel in den Niederlanden in die Qualifikation zur Fußball-EM 2020. Die Spitzenpartie der Gruppe C wurde von der Uefa am Sonntagabend auf den 24. März 2019 terminiert. Die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw setzt die Ausscheidungsrunde mit den Spielen in Weißrussland am 8. Juni und gegen Estland am 11. Juni fort. Nach der Sommerpause stehen die Spiele gegen Holland am 6. September und in Nordirland am 9. September an. Bevor die Qualifikation am 19. November gegen Nordirland beendet wird, kommt es am 13. Oktober zum Auswärtsspiel in Estland und am 16. November zur Heimpartie gegen Weißrussland.

          Die restlichen Gruppen:

          Gruppe A: England, Tschechien, Bulgarien, Montenegro, Kosovo
          Gruppe B: Portugal, Ukraine, Serbien, Litauen, Luxemburg
          Gruppe C: Niederlande, Deutschland, Nordirland, Estland, Weißrussland

          Gruppe D: Schweiz, Dänemark, Irland, Georgien, Gibraltar

           

          Gruppe E: Kroatien, Wales, Slowakei, Ungarn, Aserbaidschan
          Gruppe F: Spanien, Schweden, Norwegen, Rumänien, Färöer, Malta
          Gruppe G: Polen, Österreich, Israel, Slowenien, Mazedonien, Lettland
          Gruppe H: Frankreich, Island, Türkei, Albanien, Moldawien, Andorra
          Gruppe I: Belgien, Russland, Schottland, Zypern, Kasachstan, San Marino
          Gruppe J: Italien, Bosnien-Hercegovina, Finnland, Griechenland, Armenien, Liechtenstein

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