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Can überrascht in DFB-Team : „Der Emre war links richtig, richtig stark“

  • Aktualisiert am

Neue Position, gute Leistung: Emre Can Bild: EPA

Emre Can stand in der Liste der sicheren EM-Kandidaten nicht weit oben. Das hat sich geändert. In Rumänien überzeugt er mit besonderen Fähigkeiten. Nothelfer auf links haben bei Löw Turnier-Tradition.

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          Erst streichelte er den Ball mit der Sohle und drehte sich dabei rückwärts, dann folgte direkt vor der Bank von Joachim Löw auch noch ein gelungener Hackentrick. An der Kraft und Dynamik von Emre Can in der Abwehrarbeit gab es noch nie Zweifel. Jetzt zeigte der Dortmunder beim 1:0 in der WM-Qualifikation in Rumänien auch noch ungeahnte technische Qualitäten und den erhofften Vorwärtsdrang.

          Fußball-Länderspiele

          Mit seinem zweiten gelungenen Auftritt als Nothelfer auf der linken Abwehrseite hat sich der 27-Jährige zum exakt richtigen Zeitpunkt in den Kreis der sicheren EM-Kandidaten gespielt. „Ich fand, dass er sehr gut gespielt hat, vor allem im Spiel nach vorne, weil er dann doch dynamisch aus der Abwehr immer wieder ins Mittelfeld ging, den Gegner gebunden hat. Er war sehr ballsicher, körperlich sehr stark“, lobte der Bundestrainer. „Der Emre war links richtig, richtig stark“, fügte Löw über seinen derzeit einzigen BVB-Profi an.

          Dabei war es nur eine Kette von Unannehmlichkeiten, die Can zum Auftakt der Fußball-Nationalmannschaft ins EM-Jahr auf die linke Außenbahn brachten. Robin Gosens plagen Muskelprobleme. Marcel Halstenberg musste nach einem Backgammon-Spiel mit dem Corona-infizierten Jonas Hofmann abreisen. Und Philipp Max erwies sich beim 0:6 in Spanien als Absicherung für Leroy Sané auf der Außenbahn als international noch zu unerfahren. Can war plötzlich die Backup-Lösung, auf die sich Löw in einem Engpass verlassen konnte.

          „Wo sehe ich mich?“

          Erfahrung ist ein Trumpf von Can. In der öffentlichen Wahrnehmung läuft er oft unter dem Radar. Dabei spielte der gebürtige Frankfurter in seiner Karriere schon für mehrere Promiklubs: Bayern München, FC Liverpool und Juventus Turin stehen in seiner Fußballer-Vita. Im Nationalteam debütierte er im September 2015 gegen Polen (3:1) in der EM-Qualifikation – übrigens als rechter Verteidiger. Beim Confed-Cup-Sieg 2017 stand er in allen fünf Partien auf dem Platz.

          Seine sonstigen Turnier-Erfahrungen sind bescheiden. 2016 gehörte er zum EM-Kader. Als er im Halbfinale gegen Frankreich (0:2) für den verletzten Sami Khedira in der defensiven Mittelfeldzentrale neben Bastian Schweinsteiger ran musste, zeigte er eines der schwächsten seiner nun insgesamt 32 Länderspiele. 2018 beim WM-Debakel fehlte er verletzt, was aber kein Karrierenachteil war.

          Auch in Dortmund fällt sein Name schnell, wenn das wankelmütige BVB-Team einen Stabilisator sucht. „Auf welcher Position sehe ich mich? Ich sehe mich als zentralen Spieler, Innenverteidiger, defensiven Mittelfeldspieler“, sagte Can vor seinem ersten Aushilfseinsatz auf links vergangene Woche gegen Island (3:0). Auf seiner Lieblingsposition als Sechser ist die Konkurrenz in Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Toni Kroos und Ilkay Gündogan aber riesig. „Ich werde immer alles geben“, fügte Can an und ließ Taten folgen.

          Als Innenverteidiger kam er auch zu einem unliebsamen Rekord. 2019 sah er in Estland nach 15 Minuten die schnellste Rote Karte in der deutschen Länderspielgeschichte. Er musste selbstlos einen Patzer von Nebenmann Niklas Süle ausbügeln. Jetzt ist die Links-Variante eine echte EM-Option und weckt Erinnerungen an Löws erfolgreiches Ochsen-Projekt mit Benedikt Höwedes als umgeschulten Außenverteidiger beim WM-Triumph 2014 in Brasilien. „Es war jetzt nicht geplant, dass Emre links spielt. Das hat er gut gemacht, sehr gut“, sagte Löw.

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