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Kommentar zum DFB-Team : Warum nicht immer so?

  • -Aktualisiert am

Ganz der Weltmeister: Die deutsche Mannschaft besiegt Polen mit 3:1. Bild: Picture-Alliance

Erstmals seit einem Jahr spielt das DFB-Team beim 3:1-Sieg über Polen wieder wie ein Weltmeister. Gründe werden eine ganze Menge angeführt für den Leistungsknick, aber überzeugende sind kaum dabei.

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          Warum nicht immer so? Mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis die gefeierten Weltmeister auch auf dem Fußballplatz wieder an die großen Sieger von Brasilien erinnerten. Eine ganze Saison lang waren Spielfreude, Einsatzwillen und Konzentrationsstärke nur in Erinnerungsaufnahmen der Weltmeisterschaft zu sehen.

          Die nachlässige Nummer eins der Welt wurde auch in der Rangliste des Internationalen Fußball-Verbandes auf den dritten Platz abgestuft. Aber nun, beim verdienten 3:1 gegen Polen im Spitzenspiel auf dem Weg zur Europameisterschaft, blitzten wieder all jene Fähigkeiten auf, die eine hoch veranlagte Mannschaft viel zu lange für sich behielt.

          Gründe werden eine ganze Menge angeführt für den Leistungsknick, aber überzeugende sind kaum dabei. Spieler seien eben keine Maschinen, die auf Knopfdruck Leistung bringen können. Dabei zeigen gerade Fußballprofis, dass sie, wenn es wie gegen Polen (oder bei noch wichtigeren Spielen) tatsächlich darauf ankommt, genau in diesem Augenblick an ihrem inneren Regler drehen und auf Vollgas umschalten können.

          Oder der Hinweis auf verletzte Spieler. Auch gegen Polen fehlten mit Khedira und Reus mal wieder zwei wichtige Kräfte. Es gibt eigentlich kein Länderspiel, in dem der Bundestrainer überhaupt mal auf alle seine Nationalspieler zurückgreifen kann.

          Fast wie im WM-Sommer: Jerome Boateng (links) und Mario Götze beim 3:1-Sieg über Polen. Bilderstrecke
          Fast wie im WM-Sommer: Jerome Boateng (links) und Mario Götze beim 3:1-Sieg über Polen. :

          Oder der Abschied von Lahm, Mertesacker und Klose. Tatsächlich haben diese Spieler, die zusammen weit über dreihundert Länderspiele absolvierten, das Team über zehn Jahre entscheidend mitgeprägt. Eine Schwächung war das zweifellos, aber kein vollständiger Umbruch. Es gibt einige Spieler, die sowohl sportlich als auch hierarchisch in diese Rolle hineinwachsen können und wollen.

          Ein wichtiger Aspekt, weshalb die Deutschen – anders als die Spanier, die nach ihrem EM-Erfolg 2008 ohne größere Leistungslöcher eine Erfolgsära bis 2012 mit drei großen Turniersiegen hinlegten – sich erst wieder finden mussten, liegt auch in dem schwer zu fassenden, aber gleichwohl existierenden Gefühl, dass nicht alle Spieler glauben, sich jederzeit beweisen und an sich arbeiten zu müssen.

          Das ist menschlich sehr verständlich, macht aber im Hochleistungssport immer wieder den Unterschied zwischen sehr guten und absoluten Topathleten. Die spanische (oder nicht zuletzt katalanische) Sport-Mentalität ist da noch ein Stück voraus. Guardiola könnte, wenn er wollte, dazu eine Menge erzählen.

          Dass die Deutschen gegen Polen, gegen die sie sich erstmals seit der WM wenigstens ein bisschen unter Zugzwang fühlten, ein starkes Spiel machen würden, hat viele daher nicht überrascht. Viel spannender ist nun die Frage, da die Qualifikation unter so einfachen Bedingungen wie nie zuvor schon fast geschafft ist, ob es der Mannschaft und Bundestrainer Löw gelingt, dieses Niveau auch am Montag (20.45 Uhr / Live bei RTL und im Länderspiel-Ticker bei FAZ.NET) gegen Schottland zu erreichen.

          Und auch danach dauerhaft zu produzieren oder wenigstens nicht wieder so weit und achselzuckend dahinter zurückzufallen wie in der postweltmeisterlichen Selbstfindungsphase. Das wäre, mit Blick auf die EM in Frankreich und die WM in Russland, nicht weniger als ein entscheidender Fortschritt auf dem Weg zu größten Zielen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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