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Max Kruse im Gespräch : „Abgezocktheit ist meine Stärke“

Jubelpose: Max Kruse macht auf sich aufmerksam Bild: dpa

Im EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar (20.45 Uhr) soll auch DFB-Stürmer Max Kruse für Torgefahr sorgen. Im FAZ.NET-Interview spricht er über Wolfsburg, Poker und seine Ladehemmung.

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          Wären Sie statt in Wolfsburg nicht vielleicht beim FC Barcelona besser aufgehoben gewesen?

          Wie kommt man jetzt zu dem Vergleich?

          Neymar soll begeisterter Poker-Spieler sein, sein Hund heißt sogar so: „Poker“. Und Piqué gilt auch als hervorragender Spieler...

          Wenn es nach dem Pokern gehen würde, wäre ich sicherlich beim FC Barcelona besser aufgehoben. Aber es geht ja um Fußball, und da glaube ich schon, dass Wolfsburg für mich eine Top-Adresse ist.

          Sind Sie jenseits des Pokerns auch ein Gambler im Alltag? Es gibt ja Leute, die so etwas ständig brauchen: Immer eine kleine Wette, muss ja gar nicht um Geld gehen...

          Nein. Wenn wir jetzt das Champions-League-Finale gucken oder so, tippen wir schon die Ergebnisse, aber es ist nicht so, dass ich meinen kompletten Alltag neben dem Fußball mit Gamble-Dingen verbringe. Pokern ist ein Hobby von mir, eine schöne Nebensache. Aber ich habe auch andere leidenschaftliche Anliegen und Aufgaben: meinen Sohn zum Beispiel, der auch viel Aufmerksamkeit braucht, wenn er mal da ist.

          Lagen Sie mit Ihrem Final-Tipp richtig?

          Leider nein, ich habe auf 1:1 getippt. Es sah lange Zeit gut aus, aber dann hat es doch nicht funktioniert.

          Der Sturm von Barcelona mit Neymar, Suárez und Messi ist doch unglaublich – haben Sie da einen Liebling oder finden sich in einem von diesen Typen wieder?

          Liebling und Vergleich ist ein bisschen was anderes. Natürlich bin ich ein Fan von Lionel Messi - der ist ja gerade mal ein Jahr älter als ich und spielt seit sechs, sieben Jahren auf diesem internationalen Top-Niveau. Vergleichen will ich mich aber mit keinem von denen. Das sind außergewöhnliche Spieler mit außergewöhnlichen Qualitäten, die man so nicht häufig findet auf der Welt. Da wäre ein Vergleich vermessen. Aber ich denke, dass ich auch meine Vorzüge habe.

          Sie gelten zum Beispiel als abgezockt.

          Natürlich brauchst du auf dem Fußballfeld eine gewisse Abgezocktheit. In gewissen Situationen die Ruhe zu bewahren, vielleicht auch beim Elfmeter, das ist sicherlich eine Stärke von mir.

          Hat das eine was mit dem anderen zu tun – abgezockt als Typ, abgezockt als Fußballspieler?

          Ich glaube, dass du diese Eigenschaft nicht ablegst. Wenn man diese Eigenschaft hat als Mensch, dann trägt man das auch auf andere Bereiche des Lebens weiter. Und gerade beim Fußball brauchst du auch diese Unbekümmertheit, deshalb hilft mir das schon auf gewisse Art und Weise weiter. Wichtig ist aber auch, dass man Erfahrung sammelt. Dass du mit 20 noch nicht so abgebrüht bist, ist auch ganz normal.

          In der Nationalmannschaft hat die Abgezocktheit vor dem Tor zuletzt gefehlt. Das Team kreiert zwar viele Chancen, trifft aber nur noch selten, in der EM-Qualifikationsgruppe haben sogar Schottland und Irland mehr Tore.

          Natürlich würden wir gern mehr Tore schießen. Das haben wir bis jetzt vielleicht nicht so hinbekommen, wie wir das wollten. Ein bisschen ist es sicher auch der Konstellation geschuldet gewesen, das erste halbe Jahr nach der WM war nicht so einfach. Aber wir haben uns für die neue Saison vorgenommen, zu alter Stärke zurückzufinden, und da gehören Tore dazu, daran arbeiten wir auch im Training: Konter des Gegners früh unterbinden, schnell umschalten, Abschlüsse suchen. Es ist langsam an der Zeit, dass wir wieder dahin zurückfinden, wo wir schon mal waren.

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