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Max Kruse im Gespräch : „Abgezocktheit ist meine Stärke“

In solchen Situation beginnt immer eine Debatte über verschiedene Stürmertypen: falscher Neuner, Stoßstürmer, Strafraumstürmer... – Sind Sie vielleicht der Typ, der jetzt ins Spiel kommen könnte?

Das wird sich zeigen. Wir haben auf jeden Fall viele Möglichkeiten. Und dass wir schon versucht haben, ein bisschen umzustellen, gerade nachdem Miroslav Klose aufgehört hat, das hat man gesehen. Ob das mit Thomas Müller, mit Mario Götze oder mit mir ist, das ist erst mal zweitrangig. Weil wir von den Anlagen alle nicht die typischen Strafraumstürmer sind.

Müller und Götze sind eher Mittelfeldspieler, die als Stürmer spielen. Sie sind tendenziell ein Stürmer, der wie ein Mittelfeldspieler arbeitet – ist das nicht ein Unterschied?

Ich glaube, ich werde in die Rolle des Stürmers so ein bisschen reingeredet. Die meiste Zeit meiner Karriere war ich gar kein Stürmer, erst zu Freiburger Zeiten wurde ich dann vorne reingestellt. Ich sehe mich schon eher als mitspielender Stürmer. Klar ist, dass ich Tore machen kann, aber ich will der Mannschaft helfen, wo es geht: Wege machen, bei denen ich nicht den direkten Weg zum Tor nehme und dafür anderen Kollegen den Raum öffne – das war immer auch meine Qualität. Aber klar: Wenn man vorne drin spielt, wird man natürlich an Toren gemessen. Ich hoffe, dass ich am Samstag gegen Gibraltar wieder eine Gelegenheit bekomme.

Ihr erstes und einziges Länderspieltor haben Sie vor zwei Jahren auf der Testspielreise in die Vereinigten Staaten geschossen, im vergangenen Sommer haben Sie dann die WM in Brasilien verpasst. Haben Sie das Gefühl, den Anschluss ein bisschen verloren zu haben?

Nein, überhaupt nicht. Mein Ziel war es, konstant bei der Nationalmannschaft dabei zu sein, und das habe ich bis auf die WM geschafft, also bin ich auf dem Niveau angekommen. Natürlich war es schade, dass ich Brasilien verpasst habe, aber ich bin eher ein Typ, der in die Zukunft schaut und nicht in der Vergangenheit lebt. Ich glaube an mich, weil ich weiß, dass ich eine gewisse Qualität habe und dass das Team hinter mir steht. Das hilft mir, dass ich sage: Irgendwann kommt meine Zeit.

Mittendrin statt nur dabei: Max Kruse (Mitte) mit den DFB-Kollegen beim Training

Auch in Mönchengladbach gab es in der vergangenen Saison eine Phase, in der es nicht ganz so lief, am Schluss waren Sie wieder voll da. Haben Sie irgendetwas unternommen, um aus dem Zwischentief herauszukommen?

Verrückt gemacht habe ich mich jedenfalls nicht. Ich hab’ mal irgendwo gelesen, dass es ein halbes Jahr ohne Tor aus dem Spiel heraus war, aber ich habe auch in der Zeit für das Team gearbeitet, und wir hatten hervorragende Ergebnisse.

Sie hatten es selbst gar nicht im Kopf?

Nein. Wenn man es in der Zeitung liest, denkt man vielleicht kurz: Stimmt. Aber ich habe ja im DFB-Pokal getroffen, in der Bundesliga Elfmeter verwandelt und Vorlagen gegeben. Natürlich ist ein halbes Jahr keine kurze Zeit, aber wir hatten so viel Erfolg mit der Mannschaft – da hat mich das nicht wirklich tangiert. Gerade im Fußball ist es nicht förderlich, sich viele Gedanken zu machen: Was passiert: wenn ich denn Ball nicht ins Tor schieße?

Für Gladbach war es ein tolles Jahr. Die Begeisterung in der Stadt ist riesig, Champions League spielt die Borussia im nächsten Jahr auch – da kann man sich schon fragen: Wieso Wolfsburg? Wieso gerade jetzt?

Für mich war der Zeitpunkt gekommen zu sagen: Ich muss für mich wieder was Neues haben, und in Deutschland gibt es vielleicht zwei oder drei Klubs, die dann in Frage kamen. Wenn der eine anfragt, muss man sich damit schon auseinandersetzen.

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