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Kommentar zur Fifa-Wahl : Fatale Außenpolitik beim DFB

  • -Aktualisiert am

Ein Fußball-Apparatschik: Gianni Infantino kandidiert bei der Fifa-Wahl. Bild: dpa

Die Deutschen unterstützen Gianni Infantino bei der Wahl des neuen Fifa-Präsidenten. Das ist desillusionierend und ein Zeichen von Schwäche. Nun rächen sich die Fehler des DFB.

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          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist zwar der größte Einzelverband des Weltsports, aber auf der Bühne der internationalen Sportpolitik gegenwärtig nur ein Papiertiger. In der größten Krise der Verbände hat er bislang kein besonderes Profil entwickelt, über Ankündigungen hinaus nicht erkennen lassen, dass er gewillt ist, Maßstäbe für eine transparentere, ehrlichere, glaubwürdige Organisation des Welt-Fußballs zu setzen.

          Das lässt sich an der Entscheidung des DFB ablesen, wer den Neustart an der Spitze der Fifa anstelle von Joseph Blatter leiten soll: Gianni Infantino. Das DFB-Präsidium hat sich am Mittwoch auf den Schweizer festgelegt – auf einen Fußball-Apparatschik. Er wird die Stimme der Deutschen bei der Wahl zum neuen Fifa-Präsidenten am 26. Februar erhalten. Das ist desillusionierend.

          Während der DFB über einige Jahre zu Recht den Abgang des gescheiterten Patrons Blatter forderte, geriet die Lobbyarbeit für eine personelle Neuausrichtung beim Weltverband zu einem Desaster. Vor dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach als Präsident des DFB hängten sich die Deutschen nur an den mächtigen Chef der Fußball-Europäer (Uefa), an Michel Platini. Ein schwerwiegender Fehler.

          Wie Blatter wurde der Franzose wegen verschiedener Verstöße gegen das Ethik-Reglement für acht Jahre vom Fußball ausgeschlossen. Er klagt dagegen. Dass die DFB-Funktionäre nun mit Infantino Platinis treuen Diener im Uefa-Apparat als Zukunftslösung bei der Fifa präsentieren, ist ein Zeichen strategischer Schwäche. Denn was sollte sich ändern unter Infantino?

          Infantino unterstützte lange den inzwischen gesperrten Michel Platini.
          Infantino unterstützte lange den inzwischen gesperrten Michel Platini. : Bild: Reuters

          Seit mehr als 15 Jahren bekleidet Infantino beim europäischen Verband verschiedene Führungspositionen, derzeit als Generalsekretär. Der 45 Jahre alte Schweizer ist zwar als guter Organisator der Verbandsarbeit aufgefallen, aber vor allem als rechte Hand Platinis. Wäre Platini nicht bestraft worden, hätte Infantino seine Kandidatur zugunsten seines ehemaligen Chefs zurückgezogen, wie er selbst ankündigt hatte.

          Unter dem Uefa-Duo sperrte sich der europäische Verband gegen viele Reformvorschläge bei der Fifa, zum Beispiel die Amtszeitbeschränkung. In seinem Wahlprogramm kopierte Infantino Ideen, die vom Fifa-Exekutivkomitee schon beschlossen worden sind. Auf Stimmenfang bei vielen kleineren Verbänden geht er mit dem beliebten Köder, das WM-Turnier auf 40 Mannschaften zu erweitern. Mehr hat er nicht zu bieten.

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          Infantino ist bislang nicht als starker Kandidat der Europäer aufgetreten. Als jemand, der den unbedingten Willen hat, die Fifa mit neuen Impulsen aus der Krise zu führen, der den Favoriten Scheich Salman, den Spross des bahreinischen Folterregimes, verhindern könnte.

          Das kann man den Interims-Nachfolgern von Niersbach, die erst seit wenigen Monaten im Amt sind, nicht vorwerfen. Aber sie und andere Kollegen des Präsidiums haben es versäumt, die fatale Außenpolitik des DFB zu korrigieren: Es gab nie auch nur den Ansatz, eine glaubwürdige Alternative zu Blatter aufzubauen.

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