https://www.faz.net/-gtl-ahzti

Sané und Havertz glänzen : Die Rückkehr der Zuversicht bei der Nationalmannschaft

Endlich angekommen: Der hochtalentierte Kai Havertz hat unter Hansi Flick auch in der Nationalelf seine Rolle gefunden. Bild: Imago

Sieben Siege gegen sieben Zwerge sind zwar kein Maßstab für die WM in einem Jahr. Aber die Beispiele Sané und Havertz zeigen, welches Potential in der Nationalmannschaft schlummert. Der Härtetest folgt im Frühjahr.

          3 Min.

          Das deutsche Fußballjahr 2021 besteht leider aus zwei Halbzeiten. Aber anders als in einem Fußballspiel wurde es in der ersten Halbzeit entschieden, unter Joachim Löw als Bundestrainer bei der im Sommer vergeigten Europameisterschaft. Die zweite Halbzeit, die mit der Einwechslung von Hansi Flick begonnen hat, brachte nun sieben Siege in sieben Spielen binnen drei Monaten hervor – aber vor allem einen neuen Geist und ein neues Spielsystem. Und damit auch wieder Spieler, die in der Nationalelf wieder an ihre Leistungsgrenzen heranreichen.

          Fußball-Länderspiele
          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Die Zukunft – so scheint es im November 2021, exakt ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Qatar – gehört nach Jahren des Niedergangs nicht mehr nur allein den anderen Fußballnationen. Mit dem neuen Bundestrainer ist zumindest ein wenig Zuversicht wieder zurückgekehrt. „Im September hat eine neue Zeitrechnung begonnen mit dem Trainerwechsel“, sagte Thomas Müller nach dem 4:1 zum Jahresabschluss in Armenien. „Das ist schon etwas Einschneidendes.“ Oder, wie es Hansi Flick am Sonntagabend mit Blick auf die konkreten Veränderungen auf dem Platz ausdrückte: „Die Spiele haben gezeigt, dass wir zurück sind – auch mit unserer Art und Weise, wie wir Fußball spielen.“

          Wie kein anderer steht Leroy Sané für die ersten erfolgreichen Schritte beim Comeback der Nationalelf, das den deutschen Fußball dann auch bei der Weltmeisterschaft gegen erstklassige Gegner wieder nach vorne bringen soll. Und mit Kai Havertz, der in Armenien als Stürmer in vorderster Position seine Klasse nicht nur beim schönen Führungstreffer zur Geltung brachte, verbindet sich die Hoffnung, dass Flick bis zur WM 2022 dann auch für eines der größten Talente des deutschen Fußballs in den vergangenen Jahrzehnten eine entsprechende Rolle gefunden hat.

          In Armenien zeigte der Hochbegabte mit dem großen Fußballgefühl auch in verschiedenen Pressing-Momenten mit seinem cleveren Anlaufen, was man in der Flick- und Tuchel-Schule lernen kann. Havertz ist so etwas wie das Potential, das auch nach dem ersten Aufschwung noch im deutschen Kader verborgen liegt und bis zur WM gehoben werden soll. Auch mit Blick auf den 22 Jahre alten Mittelfeldspieler vom FC Chelsea, der im Sommer den Siegtreffer im Finale der Champions League erzielte, sagte Flick: „Wenn man die Finals der letzten beiden Champions-League-Jahre sieht, dann haben da viele deutsche Spieler auf dem Platz gestanden. Auf manchen Positionen haben wir sogar Topspieler.“

          Sané zeigt diese Extraklasse, gepaart mit einer unbändigen Spielfreude, die in der ersten Halbzeit 2021 in der Nationalelf vollständig verschüttet war, nun schon seit Wochen und Monaten. Der pfeilschnelle, technisch starke und trickreiche Angreifer war in 24 Pflichtspielen für die DFB-Auswahl und den FC Bayern in dieser Halbserie schon an 23 Toren beteiligt. „Leroy spielt mit einer Leichtigkeit, das ist schon beeindruckend“, schwärmte Flick schon nach dem letzten Heimspiel des Jahres am Donnerstag in Wolfsburg, dem 9:0 gegen Liechtenstein.

          Unter Löw war Sané in den neun Spielen der ersten Jahreshälfte nur ein einziges Tor geglückt, der Treffer zum 7:1-Endstand gegen Lettland. Auch das einer unter vielen Gründen, weshalb die Nationalmannschaft in der ersten Jahreshälfte nur vier von neun Spielen gewinnen konnte und die Europameisterschaft in den Sand setzte. In diesem Sommer war Sané, wie man heute mit Gewissheit sagen kann, nur ein Schatten seiner selbst. Der völlig verunsicherte Stürmer spielte bei der EM nur in einer Partie von Beginn an, beim 2:2 gegen Ungarn, nachdem er zuvor in den beiden anderen Vorrundenspielen in München nur auf der Bank gesessen hatte und gegen Frankreich und Portugal insgesamt für nur 19 Minuten eingewechselt wurde, beim 4:2 gegen Portugal drei Minuten vor dem Abpfiff. Sané kam sich vor wie im falschen Film. Das System der Nationalelf hatte selbst die Stärksten schwach gemacht.

          Die sieben Siege gegen sieben Zwerge (zwei davon wurden zweimal vorstellig) sind natürlich kein Maßstab für das, was in einem Jahr im Emirat am Persischen Golf an Herausforderungen auf den viermaligen Weltmeister zukommen wird. Daher soll die Nationalelf, die unter Löw nur zwei der vergangenen elf Spiele gegen Topteams gewinnen konnte, es schon im März bei den beiden Testspielen mit erstklassigen Gegnern zu tun bekommen, die konkreten Herausforderungen stehen aber noch nicht fest.

          Im kommenden Juni sowie im September stehen für das Flick-Team dann mindestens zwei weitere Topspiele im Rahmen der Nations League auf dem Programm, entweder gegen Titelverteidiger Frankreich, Europameister Italien, Spanien oder Belgien. Spiele, in denen auch Sané und Havertz beweisen müssen, dass sie auf dem Weg zur WM weiter vorankommen. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, sagt der Bundestrainer. „Ich glaube auch, dass sich die Mannschaft gegen stärkere Gegner noch steigern kann.“ Einen Anfang hat er zumindest gemacht. Das Jahr 2022 wird dann ganz alleine im Zeichen von Hansi Flick stehen.

          Länderspiel

          Weitere Themen

          Einreise nur mit zwei negativen PCR-Tests Video-Seite öffnen

          Olympische-Spiele in China : Einreise nur mit zwei negativen PCR-Tests

          Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele versucht China die Ausbreitung von Corona-Fällen mit strikten Maßnahmen zu verhindern. 72 Corona-Infektionen im Zusammenhang mit den Spielen wurden bereits bestätigt. Die breite chinesische Öffentlichkeit wurden vom Kauf der Tickets ausgeschlossen.

          Topmeldungen

          Druck, Zwang, Hintertür : Die Welt kämpft mit der Impfpflicht

          Überall wird diskutiert, wie man so viele Menschen wie möglich gegen Corona impfen kann. Doch nur wenige Länder haben sich bisher für eine echte allgemeine Impfpflicht entschieden. Was lässt sich von den Beispielen rund um den Globus lernen?
          Boris Johnson im Dezember in London

          „Partygate“ : Bringt ein Kuchen Boris Johnson zu Fall?

          Neben einer internen Untersuchung nimmt auch Scotland Yard wegen Verstößen gegen Corona-Auflagen Ermittlungen gegen den britischen Premierminister auf. Das könnte Forderungen nach einem Misstrauensvotum befeuern.