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DFB-Affäre um WM 2006 : Die langen Schatten des Sommermärchens

Bild: Greser & Lenz

Nach der Razzia beim DFB lässt sich feststellen: Fußballgötter wie Franz Beckenbauer blieben verschont vor dem staatlichen Zugriff. Nur graugesichtige Helfer wie Niersbach, Zwanziger und Schmidt müssen eine Anklage befürchten.

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          Am Dienstag um neun war die deutsche Fußballwelt plötzlich eine andere. In der Verbandszentrale des Deutschen Fußball-Bundes im Frankfurter Stadtwald rückten die Ermittler an: zur Razzia beim DFB. Zeitgleich wurden auch die Privatwohnungen von Präsident Wolfgang Niersbach, dessen Vorgänger Theo Zwanziger und des früheren Generalsekretärs Horst R. Schmidt durchsucht. Es geht um den „Verdacht der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall“, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Die Untersuchungen, so die Behörde, stünden im Zusammenhang „mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und dem Geldtransfer von 6,7 Millionen Euro des WM-Organisationskomitees des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an den Fußball-Weltverband“. Die langen Schatten des Sommermärchens haben nun auch die deutsche Justiz erreicht. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, im Rahmen ihrer damaligen Verantwortung unrichtige Steuererklärungen veranlasst und somit Körperschaft- und Gewerbesteuern für das Jahr 2006 in „erheblicher Höhe“ verkürzt zu haben.

          Die Welt des DFB, wie man sie bisher kannte, droht einzustürzen. Zu schwer wiegen die Anschuldigungen. Möglich gewesen wären sogar auch Vorwürfe der Untreue sowie der Bestechung im internationalen Geschäftsverkehr. Aber in diesen Fällen war laut Staatsanwaltschaft schon Verjährung eingetreten. Daher wurde kein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

          DFB-Präsident Niersbach, der schon bei seiner verunglückten Pressekonferenz vor zehn Tagen schwer gezeichnet wirkte, steht vor einem Desaster, dessen Ausmaß womöglich erst Gerichte bestimmen werden. Nach Lage der Dinge dürfte die Zeit des DFB-Präsidenten, der erst im Kielwasser von Fußballkaiser Franz Beckenbauer und dann auch noch von Michel Platini eine atemraubende Karriere hinlegte, ablaufen. Sein Freundschaftsbegriff, der ihn so weit trug, war stets servil.

          Die graugesichtigen Helfer der Fußballgötter

          Noch vor wenigen Wochen galt der frühere Agenturjournalist als Kandidat auf den Posten des Präsidenten des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa), sogar die Nachfolge von Fifa-Präsident Joseph Blatter schien möglich für ihn. Nun droht er alles zu verlieren, was er sich über die Jahre vom Sportreporter bis zum einflussreichsten Fußball-Sportpolitiker mit Sitz in den „Regierungen“ von Fifa und Uefa geschaffen hat.

          Franz Beckenbauer hat schon in der vergangenen Woche seine schützende Hand von Niersbach abgezogen. Der Fußballgott kümmerte sich, so der Subtext seine Erklärung zu den verschwundenen 6,7 Millionen Euro, nur noch um sich selbst. Und nach dem Einsatz der Staatsanwaltschaft lässt sich feststellen: Der Fußballgott, und alle anderen Fußballgötter neben ihm, blieben verschont vor dem staatlichen Zugriff.

          Steuerhinterziehung? : Theo Zwanziger zeigt sich trotz Ermittlungen gelassen

          Mit Niersbach, Schmidt und Zwanziger müssen nur ein Trittbrettfahrer, ein Buchhalter und ein ehemaliger Steuerinspektor eine Anklage befürchten. Jene graugesichtigen Helfer der Fußballgötter, die dem Land nichts von dem geben konnten, was die Beckenbauers, Platinis, Netzers oder Hoeneß’ dem Fußballvolk einst schenkten. In ihren besten Momenten auf dem Rasen waren sie Künstler und Sinnstifter. Und irgendwann stiegen sie auf zu Fußballgöttern. Und das werden sie für ihre Fans auch bleiben. Egal was noch kommt.

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