https://www.faz.net/-gtl-895vb

DFB-Präsident Niersbach : „Das Sommermärchen ist nicht zerstört“

  • Aktualisiert am

„Es hat keine schwarzen Kassen gegeben, es hat keinen Stimmenkauf gegeben“: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Bild: dpa

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach weist die Vorwürfe der Korruption bei der Vergabe der WM 2006 abermals vehement zurück. Auch sein Vorgänger Theo Zwanziger meldet sich zu Wort.

          3 Min.

          DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat die Korruptionsvorwürfen um die Vergabe der Fußball-WM 2006 abermals vehement zurückgewiesen. „Die WM 2006 war ein Sommermärchen, und sie ist ein Sommermärchen. Das Sommermärchen ist nicht zerstört, weil ich auch hier nochmal sage: Es hat keine schwarzen Kassen gegeben, es hat keinen Stimmenkauf gegeben“, sagte Niersbach am Montag im neuen Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

          Der 64-Jährige räumte aber auch „den einen offenen Punkt“ ein: „Dass man die Frage stellen muss, (...) wofür diese Überweisungen der 6,7 Millionen verwendet wurden.“ Die dubiose Zahlung des WM-Organisationskomitees an den Weltverband Fifa hatte der DFB bereits am Freitag eingeräumt.

          Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte berichtet, ihm vorliegende vertrauliche Unterlagen ließen darauf schließen, dass die nach Deutschland vergebene Weltmeisterschaft 2006 gekauft gewesen sei. Niersbach verwies darauf, dass die Vorgänge intern vom DFB-Kontrollausschuss und extern von einer renommierten Wirtschaftskanzlei untersucht werden. „Auch uns wäre es lieb, wenn das möglichst schnell aufgeklärt wird“, sagte der DFB-Boss. „Ich kann aber keine Prognose abgeben, wie lange das dauert.“

          Die Staatsanwaltschaft Frankfurt prüft derweil einen Anfangsverdacht für ein Ermittlungsverfahren. Als mögliche Tatbestände nannte Sprecherin Nadja Niesen am Montag in  Frankfurt Betrug, Untreue oder Korruption. Sie sprach von einem „Beobachtungsvorgang“. Wann die Prüfung abgeschlossen sei, könne sie nicht sagen.

          Sylvia Schenk von Transparency International nahm zu den Korruptionsvorwürfen den früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger in die Pflicht. „Die meisten Fragen habe ich im Moment an Dr. Zwanziger. Was hat er damals gewusst, warum hat er nichts gesagt, oder hat er wirklich nicht nachgefragt? Das wäre aber völlig unüblich für ihn“, sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency am Montag bei hr-Info.

          Zwanziger saß im Organisationskomitee der Fußball-WM und war vor seiner Amtszeit als Verbandspräsident (2006 bis 2012) auch Schatzmeister des DFB. Der Artikel im „Spiegel“ sei „sehr dünn“, so Schenk, und ein Teil der Vorwürfe veraltet: „Ich habe den Eindruck, dass der Spiegel zu früh veröffentlicht hat, möglicherweise hätte man weiter recherchieren müssen.“ Die frühere Sportfunktionärin aus Frankfurt/Main betonte, man solle harte Fakten abwarten.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Zwanziger wehrte sich gegen den Verdacht, er sei in dem Fall der „Maulwurf“, weil er mit Niersbach, seinem Nachfolger als DFB-Boss, zerstritten sei. Dies hatte am Wochenende der frühere Fifa-Mediendirektor Guido Tognoni geäußert. Zwanziger bestritt dies via „Bild“ und seinen Anwalt Hans-Jörg Metz. „Er habe dem „Spiegel“ weder Unterlagen noch Informationen besorgt.“

          Im Wirbel um eine 2005 durch den DFB an die Fifa erfolgte Zahlung von 6,7 Millionen Euro sieht der damalige Bundesinnenminister Otto Schily den Fußball-Weltverband in Erklärungsnot. Das sei eine Frage, die eigentlich die Fifa betreffe, sagte Schily am Montag im „Morgenmagazin“ der ARD. Natürlich gebe es auch für den DFB Grund, das zu überprüfen. „Aber normalerweise, wenn ich an einen Verein etwas zahle, dann gehe ich davon aus, dass das auch bestimmungsgemäß verwendet wird“, sagte der SPD-Politiker.

          Auch Otto Schily (Mitte) gehörte dem Bewerbungskomitee für die WM 2006 an.

          Der Deutsche Fußball-Bund hatte Ungereimtheiten um die Zahlung eingeräumt und auf interne sowie externe Untersuchungen verwiesen. Schily sieht den Verband allerdings nicht in der Bringschuld. Beim DFB habe es 2005 in Zwanziger einen Schatzmeister gegeben, „der hat alle Zahlungen höchst penibel geprüft – und das musste ja auch so sein, denn der DFB ist eine gemeinnützige Organisation.“ Auch Schily hatte dem WM-Bewerbungskomitee angehört.

          Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge vertraut den Beteuerungen der damals handelnden Personen im deutschen Organisationskomitee. „Ich kenne Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach seit langer Zeit. Das sind Ehrenmänner. Beide – genauso wie der ehemalige Minister (Otto) Schily – haben glaubhaft und seriös versichert und auch verkündet, dass die Behauptungen nicht stimmen. Dementsprechend gibt es für mich auch keinen Anhaltspunkt, was anderes zu glauben. Ich glaube allen Dreien“, sagte Rummenigge am Montag in München vor dem Abflug zum Champions-League-Spiel des FC Bayern am Dienstag in London gegen den FC Arsenal.

          „Ich kenne Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach seit langer Zeit“: Karl-Heinz Rummenigge.

          Inhaltlich könne er zu den „unglaublichen Behauptungen“ keinen Beitrag leisten, bemerkte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters. Er sei bei keiner Sitzung der WM-Bewerbung dabei gewesen, sagte Rummenigge: „Aber ich glaube den Leuten, die das seriös und glaubhaft versichert haben.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hinter den Häusern und Kirchen der Innenstadt in München sind am Morgen die Berge sichtbar.

          Bauvorhaben und Infrastruktur : Bayern und seine Schwächen

          Bayern steht gut da, doch auch im Freistaat hakt es mancherorts außerordentlich. In München droht gar ein verkehrspolitisches Desaster – das bald womöglich den Vergleich mit dem Berliner Flughafen nicht mehr scheuen muss.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.