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DFB-Präsident Wolfgang Niersbach : Vom Kaiser lernen

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Mann ohne Eigenschaften: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach Bild: dpa

Auf dem am Donnerstag beginnenden Bundestag seines Verbands steht Wolfgang Niersbach erstmals als DFB-Präsident im Mittelpunkt. Seine bisherige Amtszeit beweist: Er liebt Harmonie, nicht die heißen Themen.

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          Er kommt mit einem Karton. Genauer gesagt, sein Mediendirektor hat einen Packen des frisch gedruckten Nachhaltigkeitsberichts mitgebracht und auf den Tisch gelegt. „Den haben wir erstmals erstellt, ganz freiwillig. Ich finde ihn eindrucksvoll“, sagt Wolfgang Niersbach und lobt die Entwicklung im Verband. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat einige Journalisten in ein Frankfurter Restaurant eingeladen und stimmt auf den Bundestag in Nürnberg ein, wo er an diesem Freitag von den Delegierten in seiner Position bestätigt werden will.

          Das Ergebnis steht fest. Die Zustimmung wird auf DDR-Volkskammerniveau liegen, weil alle Personalentscheidungen des Kongresses im üblichen Gibst-du-mir-gebe-ich-dir-Verfahren vorbesprochen wurden. Außerdem sitzt Niersbach, der den Posten im vergangenen Jahr nach dem Rücktritt des Vorgängers Theo Zwanziger übernommen hatte, fest im Sattel. Aber es kann ja nicht schaden, die Fortschritte unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit einmal herauszustellen. Zumal das Profil des Präsidenten zu wünschen übrig lässt.

          Der DFB ist eine Macht. Der größte Sportfachverband weltweit. In Deutschland sind mehr als 6,8 Millionen Mitglieder in annähernd 25.500 Vereinen organisiert. Der DFB ist reich und profitiert von der Geldmaschine Nationalmannschaft. Der Fußball dominiert die hiesige Sportlandschaft. Und Niersbach ist ein einflussreicher Mann.

          Vorwürfe wehrt er ab

          Doch wofür steht dieser DFB-Präsident? Kritiker werfen ihm vor, dass der Verband in seiner programmatischen Entwicklung stehengeblieben ist, der DFB seine gesellschaftspolitische Verantwortung vernachlässigt und Niersbach sich bei heiklen Themen gern zurückhält. Als zuletzt die Empörung über die menschenunwürdigen Bedingungen für ausländische Arbeiter im WM-Land Qatar hohe Wellen schlug, war von ihm nichts zu hören. Sein Vorgänger Zwanziger, Mitglied im Vorstand des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), verpasste dem DFB-Präsidenten daraufhin in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen scharfen Seitenhieb. „Es gibt als Funktionär im Fußball nicht nur schöne Seiten; auf der Tribüne sitzen, tolle Spiele sehen, interessante Leute treffen in den VIP-Räumen. Man hat auch eine gesamtpolitische Verantwortung, die sichtbar werden muss.“ Niersbach war von Zwanziger enttäuscht.

          Vorwürfe dieser Art wehrt er ab. „Das ist nicht korrekt. Ich fühle mich falsch bewertet“, sagt Niersbach. Der DFB stehe im Sport, als Wirtschaftskraft und auch gesellschaftspolitisch gut da. „Die Projekte werden mit viel Intensität fortgeführt. Es ist nichts liegengeblieben.“ Aber wie lautet seine Botschaft für die nächsten Jahre? Für den DFB-Bundestag nennt er drei Schlagworte, die dem Standardrepertoire einer Werbeagentur entstammen könnten: „Vereint, innovativ, leistungsstark.“ Mit vereint meine er, dass der mit dem Ligaverband ausgehandelte Grundlagenvertrag die finanzielle Stabilität des DFB sichere. Mit innovativ, dass beim Verbandstag eine zweieinhalb Millionen Euro teure Imagekampagne zur Aufwertung des Ehrenamtes sowie gegen den Mitgliederschwund in den Jugendklassen vorgestellt würde. „Der dritte Punkt ist die Topleistung, das absolute Bekenntnis zur Elite. Ein Verband wie der DFB muss sich klar zur Spitze bekennen“, sagt Niersbach. Konkreter wird er nicht.

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