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DFB-Affäre : Das Schweigen des Wolfgang Niersbach

  • Aktualisiert am

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach äußert sich nicht öffentlich zur Steuerrazzia. Bild: dpa

Auch am Tag nach der Steuer-Razzia beim DFB äußert sich Wolfgang Niersbach nicht öffentlich. Die Präsidiumsmitglieder erwarten aber eine Erklärung. Laut eines Berichts der Süddeutschen Zeitung hat der DFB-Präsident 2007 die angeblich falsche Steuererklärung unterschrieben.

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          Am Tag nach der Steuer-Razzia beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) haben die Gremien des Verbandes auf offizielle Erklärungen zur Affäre verzichtet. Während sich der Präsident des Niedersächsischen Landesverbandes, Karl Rothmund, hinter DFB-Chef Wolfgang Niersbach stellte, forderte DFB-Vizepräsident Rainer Koch eine „lückenlose Aufklärung“ der Affäre.

          Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Niersbach, den früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger sowie den früheren Generalsekretär Horst R. Schmidt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Dabei geht es um den beim Finanzamt geltend gemachten Abzug von 6,7 Millionen Euro für die Finanzierung eines Kulturprogramms während der Fußball-WM 2006.

          Das Kulturprogramm hat nie stattgefunden. Der DFB räumte diese Täuschung ein und behauptet, die Summe als Rückzahlung für ein Darlehn des damaligen Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus verwendet zu haben. Demnach habe der Geschäftsmann 2002 das Geld dem deutschen Organisationskomitee unter Führung von Franz Beckenbauer vorgestreckt, damit eine Forderung des Fußball-Weltverbandes Fifa erfüllt werden konnte: Fifa-Chef Blatter habe für die Zahlung eines Zuschusses von 170 Millionen Euro eine Vorab-Überweisung von 6,7 Millionen Euro verlangt. Blatter bestreitet diese Version.

          Steuerhinterziehung? : Theo Zwanziger zeigt sich trotz Ermittlungen gelassen

          Der wegen dieser Affäre seit Wochen unter Druck stehende DFB-Präsident Niersbach äußerte sich auch am Mittwoch nicht öffentlich zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erwarten Präsidiumsmitglieder des DFB eine Erklärung ihres Vorsitzenden.

          Unterdessen bestätigte die Staatsanwaltschaft Frankfurt eine Kooperation mit einer vom DFB auf Anraten des Präsidiums eingeschalteten Kanzlei zur externen Aufarbeitung der Geldflüsse. Damit kann die „private“ Untersuchung neben den staatlichen Ermittlungen fortgesetzt werden. Die Kanzlei berichtet an DFB-Schatzmeister Grindel, dem CDU-Mitglied im Sportausschuss des Deutschen Bundestages. Damit ist das Präsidium im Fall neuer Erkenntnisse nicht allein von den Untersuchungen der Staatsanwaltschaft abhängig.

          Niersbachs Unterschrift

          Derweil berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer Donnerstagsausgabe, dass die angeblich falsche Steuererklärung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur WM 2006 vom damaligen Generalsekretär und heutigen Präsidenten Niersbach unterzeichnet worden sei. Laut der Zeitung unterschrieb er die Erklärung nur wenige Tage nach seiner Berufung zum Generalsekretär Ende Oktober 2007. Diese Erklärung soll damals schon lange fertig gewesen sein.

          Es ist davon auszugehen, dass die Unterschrift Niersbachs der Grund dafür ist, warum die Staatsanwaltschaft Frankfurt auch gegen ihn wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in einem schweren Fall ermittelt.

          Sportausschuss tagt

          Während der Skandal um das Fußball-Sommermärchen 2006 in Deutschland immer unübersichtlicher wird, begibt sich der Sportausschuss des Bundestages in der WM-Affäre auf Spurensuche. Allerdings fehlten in der Sitzung am Mittwoch Zeugen, die aufklären könnten, was es mit der ominösen Zahlung von 6,7 Millionen Euro überhaupt auf sich hat. Der „Tagesspiegel“ schrieb bereits: „Sportausschuss des Bundestags: Ohne jede Bedeutung“.

          Doch einer im Ausschuss hat sehr wohl einen engen Draht zum DFB: Reinhard Grindel, CDU-Abgeordneter im Bundestag und Schatzmeister im Deutschen Fußball-Bund. Grindel gehört damit nicht nur zum Führungszirkel des DFB, er wird auch als möglicher Nachfolger des angeschlagenen Präsidenten Wolfgang Niersbach gehandelt, sollte dieser wegen der Affäre zurücktreten.

          „Er hat Zugang zu den Unterlagen. Er könnte uns also auch berichten, wenn er es denn will“, sagte Ausschussmitglied André Hahn (Die Linke). „Er hat sich ja bis jetzt sehr auffällig zurückgehalten in dieser Sache. Möglicherweise wegen einiger Ambitionen auf die Nachfolge von Herrn Niersbach, da wird ja viel spekuliert.“ Auch Özcan Mutlu von den Grünen dürfte auf Grindel abzielen, wenn er sagte: „Es gibt auch Fragezeichen, wenn zum Beispiel Sportfunktionäre mit am Tisch sitzen, die auch Einfluss nehmen können. Ich will jetzt keine Namen nennen.“ Aber jeder wisse, wer gemeint sei. Und dann erzählte Mutlu, er sei von Grindel schon „übelst beschimpft“ worden, weil er Fragen gestellt habe. „Ich hab das Gefühl auch dieser Tage, wer Fragen stellt, wer Kritik übt, wird gleich denunziert.“

          Grindel wies die Darstellung Mutlus gegenüber der Deutschen Presse-Agentur nachdrücklich zurück. „Ich habe in einem sachlichen Beitrag im Ausschuss deutlich gemacht, weshalb eine Unterrichtung erst am Ende der Untersuchung Sinn ergibt“, sagte der CDU-Politiker.

          Eingeladen hatte der Ausschuss auch Niersbach und Otto Schily, ehemaliger Innenminister und Mitglied im Aufsichtsrat des OK. Beide sagten ab. Während Niersbach sagte, dass zunächst die Ergebnisse der externen Prüfung abzuwarten seien, war Schily die Einladung zu kurzfristig. Er werde aber einer Einladung folgen, wenn sie mit seinem Kalender kompatibel sei.

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