https://www.faz.net/-gtl-8doyw

DFB-Präsident Rauball : „Wir müssen uns für Menschenrechte einsetzen“

  • Aktualisiert am

„Ich würde es für falsch halten, wenn sich der Sport abschottet und bestimmte Länder boykottiert“: Reinhard Rauball. Bild: dpa

Reinhard Rauball hält die Verteidigung der Menschenrechte für ein zentrales Thema des Fußballs. Zudem spricht der DFB-Präsident im F.A.Z.-Interview am Donnerstag über die Fifa-Wahl und Wolfgang Niersbach.

          Reinhard Rauball, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hält die Verteidigung der Menschenrechte für ein zentrales Thema des Fußballs. Aus diesem Grund werde der DFB bei der Präsidenten-Wahl des Fußball-Weltverbandes (Fifa) auf dem Außerordentlichen Kongress in der nächsten Woche in Zürich nicht für Scheich Salman Al Khalifa aus Bahrein stimmen.

          „In Fragen des Fußballs macht er einen guten Eindruck“, sagte Rauball in einem Interview der Frankfurter Allgemeine Zeitung (Donnerstag-Ausgabe / ab 20.00 Uhr am Vortag schon bei F.A.Z. Plus, im E-Paper und im E-Kiosk). „Angesichts des Menschenrechts-Themas und der bis heute nicht ausgeräumten Zweifel werden wir ihn aber nicht wählen.“ Scheich Salman, Mitglied der Königsfamilie von Bahrein, wird von mehreren Menschenrechts-Organisationen vorgeworfen, während der blutig niedergeschlagenen Demonstrationen im Jahr 2011 für die Verfolgung und Folterung auch von Sportlern verantwortlich gewesen zu sein.

          Der 69 Jahre alte Rauball sagte, Menschenrechte hätten einen überragenden Stellenwert in jeder Hinsicht. „Wir müssen uns dafür einsetzen.“ Rauball, der auch Präsident des Bundesligaklubs Borussia Dortmund ist, dessen Mannschaft ihr Winter-Trainingslager in Dubai abhielt, plädiert aber für einen „Wandel durch Annäherung“. „Ich würde es für falsch halten, wenn sich der Sport abschottet und bestimmte Länder boykottiert.“

          Der Sport solle seine Popularität für die Verteidigung der Menschenrechte einbringen. „Es geht darum, die Strahlkraft des Sportes und insbesondere des Fußballs zu nutzen, um unsere Werte weltweit zu fördern.“ Sollte Scheich Salman zum Fifa-Präsidenten gewählt werden, müsse man „jede Gelegenheit nutzen, das Thema Menschenrechte anzusprechen. Und darf auch nicht müde werden, nachdem man es zwei, dreimal gemacht hat und sagen, das reicht dann auch. Nein, da ist Nachhaltigkeit und Kontinuität gefragt“.

          Öffnen

          Der DFB hatte schon im Januar erklärt, er werde den Schweizer Kandidaten Gianni Infantino unterstützen. Den drei weiteren Anwärtern, dem Jordanier Prinz Ali Al Hussein, dem Franzosen Jerome Champagne und dem Südafrikaner Tokyo Sexwale werden kaum Chancen eingeräumt. „Es gibt hier die Wahl zwischen konkreten Alternativen und nicht zwischen abstrakten Wünschen“, sagte Rauball.

          „Man kann jemanden wählen, dessen Programm gefällt, aber wenn diese Person nicht mehrheitsfähig ist, ist die Stimme verschenkt.“ Infantino, Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union Uefa und damit rechte Hand des gesperrten Präsidenten Michel Platini, sei integer, verlässlich und kenne den Fußball mit seinen handelnden Personen sehr genau. „Es wäre ungerecht, ihn nur deshalb abzulehnen, weil Michel Platini in den vergangenen Jahren sein Chef war.“

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Sein Verhältnis zu Wolfgang Niersbach, nach dessen Rückzug als DFB-Präsident Rauball als Präsident des Ligaverbandes zusammen mit Rainer Koch an die Spitze des Verbandes rückte, bezeichnete Rauball als „nach wie vor ordentlich“. In der Affäre um die Vergabe der WM 2006, unter deren Druck Niersbach zurücktrat, gelte es, die Ermittlungen der vom DFB beauftragen Kanzlei Freshfields abzuwarten.

          Dass Niersbach seine Positionen in den Exekutivkomitees der Fifa und Uefa behalten hat, ist für Rauball kein Grund, ihn zu bedrängen. „Wolfgang Niersbach ist nicht vom DFB entsandt worden, kann laut Statuten also auch nicht vom DFB abberufen werden.“ Die Zusammenarbeit mit Niersbach funktioniere sehr gut. „Er informiert uns regelmäßig, auch im Vorfeld dieses Kongresses.“

          Weitere Themen

          Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho Video-Seite öffnen

          Transfer-Neuzugang : Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho

          Auf dem Spielfeld während des Trainings suchte man ihn noch vergebens. Der FC Bayern hatte aber bestätigt: Er und der FC Barcelona haben grundsätzlich eine Einigung über einen Transfer von Philippe Coutinho nach München erzielt.

          Topmeldungen

          Nach Unwettern : Verkehr in Teilen Deutschlands gestört

          Ein starkes Unwetter sorgt in Teilen Deutschlands für Störungen und Ausfälle im Bahnverkehr. Auch auf vielen Autobahnen gibt es massive Behinderungen. Am Frankfurter Flughafen wird die Abfertigung zwischenzeitlich eingestellt.
          Hans Kammler (Mitte) auf dem Weg zu einer rüstungstechnischen Anlage bei Ebensee (1944).

          „Hitlers Geheimwaffenchef“ : Der verschwundene SS-General

          Hans Kammler gehörte zur engeren Führung des NS-Regimes. Er war mitverantwortlich für den Holocaust. Im Mai 1945 soll er Suizid begangen haben. Doch daran gibt es große Zweifel, wie das ZDF zeigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.