https://www.faz.net/-gtl-9liso

Erklärung des DFB-Präsidenten : Grindel tritt zurück – Doppelspitze übernimmt

DFB-Präsident Reinhard Grindel tritt von seinem Amt zurück. Bild: EPA

Der Unmut über seine Amtsführung wuchs, nun gibt Reinhard Grindel den Posten als DFB-Präsident auf. Das teilt er in einer persönlichen Erklärung mit. Kommissarisch werden zwei Funktionäre seine Aufgaben übernehmen.

          3 Min.

          Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Das gab er in einer persönlichen Erklärung in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main bekannt. Im Mittelpunkt steht eine Uhr, die Grindel von einem ukrainischen Oligarchen annahm. Seine lange Erklärung beendet er so: „Am Ende frage ich mich: Warum ist das passiert? Ich kann es mir nur so erklären, dass ich zutiefst davon überzeugt war, dass ich nichts Unrechtes tue und im Stress des Amtes einfach zu wenig hinterfragt habe. Noch mal: Dass ich wegen eines solchen Vorgangs öffentlich so dastehe, macht mich fassungslos und traurig, und ich bitte einfach um eine faire Beurteilung meiner am Ende leider nur dreijährigen Amtszeit.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          FAZ.NET hatte schon zuvor über den anstehenden Schritt Grindels berichtet. Am Vormittag hatte sich der Präsidialausschuss des DFB in einer Telefonkonferenz abgestimmt und auch mit Grindel gesprochen. Bis zum DFB-Bundestag am 27. September werden wie vor Grindels Wahl die Vize-Präsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch das Amt kommissarisch bekleiden. Das erklärte der DFB in einer Mitteilung. „Der Druck auf seine Person ist in den vergangenen Wochen auf unterschiedlichen Ebenen permanent gestiegen“, sagte Rauball: „Es ist daher im Sinne des deutschen Fußballs und seiner Handlungsfähigkeit, den Weg für einen personellen, aber auch strukturellen Neuanfang innerhalb des DFB freizumachen.“

          Die Interimsspitze will nach dem Rücktritt Grindel schnell mit der Suche nach einem Nachfolger beginnen. „Unser Ziel ist es jetzt, einen gemeinsamen Kandidaten von DFB und DFL außerhalb des Präsidiums zu finden, der die Anliegen des Amateurfußballs ebenso im Blick hat wie den Spitzenfußball“, sagte Amateur-Boss Rainer Koch am Dienstag in einer Erklärung. Koch äußerte „großen Respekt“ vor der Entscheidung Grindels.

          Seine Posten im Fußball-Weltverband Fifa und der Europäischen Fußball-Union Uefa wird Grindel „in enger Abstimmung mit dem DFB“ fortführen. Die beiden Ämter im internationalen Fußball werden mit rund einer halben Million Euro pro Jahr entlohnt. Sie sind an die Person gebunden, nicht an das Amt beim DFB. Bei der Uefa ist Grindel bis ins Jahr 2021 gewählt. Ins Council des Weltverbandes wurde er gerade im Februar für vier weitere Jahre wiedergewählt. Offizieller Beginn des neuen Mandats bis 2023 ist allerdings erst beim Fifa-Kongress am 5. Juni in Paris.

          Seit dem vergangenen Freitag hatte sich der Unmut über die Amtsführung von Grindel in nicht offenen ausgetragenen Attacken gegen den DFB-Boss geäußert. Der „Spiegel“ berichtete in seiner jüngsten Ausgabe über eine Zahlung in Höhe von 78.000 Euro, die Grindel als Aufsichtsrat einer DFB-Tochter für ein Jahr zusätzlich zu einer Aufwandsentschädigung und der Differenz zum Gehaltsverlust als leitender ZDF-Redakteur erhalten hatte.

          Bilderstrecke

          Diese Vergütung hatten zwar auch Grindels Vorgänger ganz oder teilweise bekommen. Aber der frühere Bundestagsabgeordnete für die CDU wollte für die Erneuerung des DFB nach dem Skandal um das Sommermärchen 2006 für Offenheit, Transparenz und Bescheidenheit an der Spitze des größten Fußball-Verbandes der Welt stehen. Dass die Extrazahlung bislang der Öffentlichkeit nicht bekannt war, wurde Grindel als Irreführung ausgelegt.

          Vom DFB zuletzt nicht beantwortete Fragen zu heiklen Themen rund um Grindels Auftritte zeugten von zunehmendem Druck auf den 57 Jahre alten Spitzenfunktionär. Dabei ging es auch um die Annahme einer wertvollen Uhr von einem ukrainischen Oligarchen, der bis 2019 Kollege von Grindel im höchsten Gremium des Europäischen Fußball-Verbandes war.

          Grindel bestätigte am Dienstag in seiner Erklärung die Annahme: „Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht geldgierig und seit Jahren mit Compliance-Fragen befasst bin.“ Für ihn sei das ein „reines Privatgeschenk“ gewesen.

          Grindel war 2016 nach dem erzwungenen Rücktritt von Wolfgang Niersbach zum DFB-Präsident gewählt worden. Zuvor hatte er als Schatzmeister des DFB und als Compliance-Beauftragter des Verbandes gewirkt. Damals war der Familienvater überfallartig von den Amateurverbänden ins Amt gehievt worden, die über die Mehrheit der Stimmen im Bundestag des DFB verfügen. Die „Profis“ der Deutschen Fußball Liga mussten die Wahl zähneknirschend hinnehmen.

          Weitere Themen

          Die mutige Kampfansage des FC Bayern

          Sieg mit Signalwirkung : Die mutige Kampfansage des FC Bayern

          Den Münchenern gelingt ein eindrucksvoller Konter im Meisterrennen der Fußball-Bundesliga. Nicht nur das: Der am ende souveräne Erfolg gegen den früheren Trainer Jürgen Klinsmann facht die Angriffslust weiter an.

          Gigantische Olympische Ringe Video-Seite öffnen

          Sommerspiele in Japan : Gigantische Olympische Ringe

          Die Installation ist 32,6 Meter breit und 15,3 Meter hoch. Sie soll in der Bucht von Tokio vor Anker gehen, in der Schwimm- und Triathlonwettbewerbe stattfinden. Die Olympischen Sommerspiele beginnen am 24. Juli.

          Topmeldungen

          Reisen gelten als besonders problematisch im Hinblick auf die Verbreitung einer neuartigen Lungenkrankheit in China.

          Krankheit breitet sich aus : Die Sorge in China wächst und wächst

          In China breitet sich ein neuartiges Corona-Virus aus, auch Peking ist nun betroffen. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Behörden ist dabei niedrig – weil diese oft eine zweifelhafte Informationspolitik verfolgen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.