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Grindel stellt Zitate klar : „Das ist keine Kritik an Jogi Löw gewesen“

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„Dem widerspreche ich mit allem Nachdruck“: DFB-Präsident Grindel möchte etwas richtigstellen. Bild: dpa

Die Ausmusterung der drei Bayern-Weltmeister aus der Nationalelf sorgt weiter für mächtig Aufregung. Nun widerspricht DFB-Präsident Grindel Berichten über kritische Aussagen gegen Bundestrainer Löw – und gesteht eigene Fehler ein.

          DFB-Chef Reinhard Grindel fühlt sich mit seinen kritischen Aussagen zu Bundestrainer Joachim Löw missverstanden und hat eigene Fehler in der Causa um Thomas Müller und Co. eingestanden. „Meine im ZDF verbreitete Aussage, dass es klüger gewesen wäre, bereits am Dienstag im Rahmen einer Pressekonferenz die Wertschätzung für die Spieler deutlich zu machen und der Öffentlichkeit zu vermitteln, warum man jetzt einen anderen Weg gehen will, ist keine Kritik an Jogi Löw gewesen. Dem widerspreche ich mit allem Nachdruck“, sagte Grindel am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

          Auch er habe am Tag der Ausmusterung von Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng aus der Fußball-Nationalmannschaft nicht sofort die richtigen Schlüsse gezogen. „Schließlich hätte ich selbst auch auf die Idee kommen können, eine solche Pressekonferenz anzuregen, als ich informiert wurde“, sagte Grindel. Löw erläuterte erst zehn Tage später seine Beweggründe für den Verzicht auf die drei früheren Weltmeister. In DFB-Kreisen wurde nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zuvor die Frage aufgeworfen, ob Löw seine Kompetenzen überschritten habe. Ein solcher Vorgang weise, so heiße es beim DFB und der Deutschen Fußball Liga (DFL), über sportliche Fragen hinaus. Liga-Chef Reinhard Rauball bestätigte auf F.A.Z.-Anfrage, dass er gegenüber Grindel „Defizite“ in dieser Angelegenheit angesprochen habe.

          Wenige Stunden nach der Pressekonferenz vom Freitag hatte der DFB-Chef dann am Rande des Treffens des Fifa-Councils am Freitag in Miami vor der TV-Kamera auch gesagt: „Wenn man das gleich gemacht hätte, wären, glaube ich, sehr viele Fragen beantwortet und damit sehr viele Missverständnisse vermieden worden.“ Als Kritik an Löw wollte der 57-Jährige dies aber nicht verstanden wissen. „Ich wollte auf eine entsprechende Frage hin deutlich machen, dass wir im DFB die Abläufe in dieser Sache selbstkritisch analysiert haben. Das darf nicht als Schuldzuweisung an irgendeine Person missinterpretiert werden“, erläuterte er seine Sichtweise.

          Löw sitzt derweil auf einem „Pulverfass“. Das zumindest behauptet sein langjähriger Wegbegleiter Jürgen Klinsmann. Und es braucht nicht viel Fantasie um zu erkennen, dass die Lunte bereits gelegt ist. Nach der geräuschvollen Ausbootung dreier weiterer Rio-Helden muss Löw beim Neustart mit seinen jungen Wilden sofort liefern – sonst ist sein bis 2022 laufender Vertrag das Papier nicht wert, auf dem Löw vor dem WM-Fiasko 2018 noch eilig unterschrieben hatte.

          „Die Ergebnisse der Nationalmannschaft waren zuletzt fatal“, sagte der neue RTL-Experte Klinsmann in der „Bild am Sonntag“. Sein Kumpel Löw „muss jetzt Erfolg haben, die Ergebnisse müssen stimmen. Die Fans wollen jetzt sehen, dass es funktioniert. Das ist ein Pulverfass!“. Liverpool Teammanager Jürgen Klopp, der immer mal als potentieller Nachfolger Löws gehandelt wird, betonte dieser Tage: „Wir Trainer werden natürlich daran gemessen, was wir am Ende abliefern, das weiß Jogi auch.“

          Dem ist in der Tat so. Es besser zu machen sei „ein großer Antrieb, das motiviert mich“, sagte der Bundestrainer vor dem Neustart am Mittwoch in Wolfsburg gegen Serbien und am Sonntag zum Auftakt der EM-Qualifikation in Amsterdam gegen Erzrivale Niederlande (jeweils 20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zu Länderspielen und bei RTL) der „Welt am Sonntag“: „Jetzt brauchen wir zwar auch eine gute Spielweise mit viel Enthusiasmus. Aber wir brauchen vor allem auch wieder gute Ergebnisse.“

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