https://www.faz.net/-gtl-8n3o6

Reinhard Grindel : Die Querpässe des DFB-Präsidenten

Auf der Seite der Sieger? DFB-Präsident Reinhard Grindel Bild: dpa

Der Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes war eine Einstimmigkeits-Orgie. Das liegt daran, dass Reinhard Grindel am liebsten auf der Seite der Sieger steht. Er wird zeigen müssen, dass er seinen Slogan ernst meint.

          2 Min.

          Wäre Reinhard Grindel ein Fußballer und es gäbe über seine Leistung im ersten halben Jahr seiner DFB-Präsidentschaft eine Fußballer-Statistik, dann wäre vor allem Grindels Passquote bemerkenswert. Der gelernte Jurist, Journalist und Politiker hat sich seit seiner ersten Wahl in diesem Frühjahr als direkte Folge der WM-Affäre keinen gravierenden Fehlpass erlaubt. Grindel hat in dieser Zeit allerdings auch nur Quer- und Rückpässe gespielt.

          Der für drei Jahre wiedergewählte Präsident erweckt jedoch gerne den Eindruck, als wären diese Quer- und Sicherheitspässe geniale 50-Meter-Pässe à la Boateng - direkt in die Spitze, den Weg zum „neuen DFB“ öffnend. Die Querpässe à la Grindel sehen dann aber so aus: Beim DFB-Bundestag schmückte er sich mit der frischen Vertragsverlängerung von Joachim Löw.

          Gefälligkeit folgt auf Gefälligkeit

          Der Bundestrainer wollte weitermachen, daran hatte er seit Monaten keinen Zweifel gelassen, aber mit der offiziellen Vertragsverlängerung hatte es Löw in all den Jahren zuvor nie eilig. Er tat es diesmal trotzdem, und seine Unterschrift nutzte nur dem DFB-Präsidenten. Man kann es auch so sagen: Auf das Gefälligkeitsgutachten der Kanzlei Freshfields nach der WM-Affäre folgte nun eine Gefälligkeitsunterschrift des Bundestrainers. Das alles macht sich in den Medien gut, ändert aber in der Sache nichts.

          Und wenn einige der Grindel-Querpässe wenigstens ein bisschen Raumgewinn verschafften - wie der verlängerte Adidas-Vertrag mit der Schaffung von endlich faireren Verhandlungsbedingungen für Konkurrenten oder nun die Berufung einer Ethik-Kommission im DFB: Diese Aktionen allein haben noch keinen spielentscheidenden Charakter. Grindel und der DFB haben in diesen Fällen nur einen Rückstand aufgeholt. Das war eine Pflicht. Der gelebte Wandel steht noch aus. Und wirklich neue Wege gegen große Widerstände, wie sie der in diesen Tagen vom DFB zum Ehrenspielführer ernannte Klinsmann als Bundestrainer einst ging, sind das schon gar nicht.

          Der DFB-Bundestag war eine Einstimmigkeits-Orgie. In den kommenden drei Jahren seiner Präsidentschaft wird Grindel zeigen müssen, was der „neue DFB“ wirklich sein soll, wenn das nicht nur ein Slogan bleiben soll. Der Schulterschluss mit dem neuen Fifa-Präsidenten und Platini-Lehrling Infantino, den Grindel in Erfurt ausdrücklich als „Freund“ willkommen hieß, sowie seine Stimme zuletzt für den neuen Uefa-Präsidenten Ceferin, der Visionen eher für eine Krankheit hält, haben mit einem sportpolitischen Aufbruch jedenfalls nichts zu tun. Grindel steht lieber auf der Seite der Sieger. Und er will die EM für Deutschland. Das war im alten DFB nicht anders.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Weitere Themen

          Messi entscheidet das Gigantenduell

          Champions League : Messi entscheidet das Gigantenduell

          PSG gewinnt dank seines neuen Superstars gegen Manchester City. Bei Ajax Amsterdam glänzt Haller. Der FC Liverpool trumpft auswärts auf. Und Real Madrid blamiert sich gegen Sheriff Tiraspol.

          FC Bayern empfängt Dynamo Kiew Video-Seite öffnen

          Champions League : FC Bayern empfängt Dynamo Kiew

          Mit Blick auf das kommende Gruppenspiel zeigt sich Bayern-Trainer Nagelsmann zuversichtlich. Abgesehen von Tolisso, Ulreich und Coman steht ihm sein gesamter Kader zur Verfügung.

          Topmeldungen

          Hatte einmal mehr keinen leichten Tag: Armin Laschet

          Laschet und die Union : Machtprobe

          Ein turbulenter Tag für die Union: CSU-Chef Söder spricht Scholz die besten Chancen aufs Kanzleramt zu – und Laschet verhindert eine Kampfkandidatur in der Fraktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.