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Reinhard Grindel im Gespräch : „Glauben Sie, Drohungen helfen?“

Jurist, Journalist, Politiker – DFB-Präsident: Reinhard Grindel. Bild: dpa

Auf den neuen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel wartet jede Menge Arbeit. Ein Gespräch über die Affäre um die WM-Vergabe, die mögliche Rettung der Steuererklärung 2006 und Daumenschrauben für Franz Beckenbauer.

          Sie wechseln aus der Politik, als Bundestagsabgeordneter der CDU, an die Spitze des DFB. Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zu Ihrer Parteifreundin Angela Merkel?

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Mein Verhältnis zu Angela Merkel ist gut und vertrauensvoll. Sie hat mir zu meiner Wahl gratuliert, per SMS, wie es bei ihr üblich ist. Wir werden sie gemeinsam mit dem Trainerteam auch zeitnah treffen. Es gibt regelmäßig vor großen Turnieren Begegnungen mit ihr ohne Öffentlichkeit. Sie erscheint ja nicht nur bei großen Turnieren auf der Zuschauertribüne, sie interessiert sich wirklich für Fußball und versteht auch etwas davon. Es gibt in der parlamentarischen Gesellschaft in Berlin ein Fernsehzimmer, wo Abgeordnete gemeinsam Champions League schauen, und dort ist sie - wenn es die Zeit erlaubt - auch zu Gast.

          Stimmt es, dass Sie sich duzen?

          Durch meine journalistische Arbeit kenne ich sie seit 1990. In der Fraktion habe ich sie dann 2002 wiedergetroffen. Sie war Fraktionsvorsitzende und ich Abgeordneter. Da ist es völlig unspektakulär dazu gekommen, dass wir zum Du übergegangen sind.

          Freuen Sie sich denn auf die Lobbyarbeit in Ihrer alten Welt?

          Es ist keine Lobbyarbeit notwendig, weil wir als DFB keine Bundesmittel bekommen. Was wir sicherlich langfristig wieder diskutieren werden, ist die Frage der Staatsgarantien im Falle einer möglichen Ausrichtung der Europameisterschaft 2024. Aber da verlangen wir nicht mehr, als wir bei der WM 2006 oder Frauen-WM 2011 bekommen haben. Es ist ja nicht so, dass solche Vergünstigungen nur dem Fußball gewährt werden. Auch der Deutsche Golf-Verband hätte ja solche Freistellungen für den Ryder Cup bekommen.

          Immerhin müssen Sie auch die Politik von der Reformbereitschaft des DFB überzeugen, wegen der Affäre um die WM-Vergabe 2006.

          Ich glaube, dass das Vertrauen der Politik in unsere Aufarbeitung bereits vorhanden ist. Es gibt keinen Sportverband, der in eigener Sache mit einer solch tiefgehenden, in jeder Hinsicht aufwendigen Untersuchung durch eine unabhängige Anwaltskanzlei versucht hat, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Die Anerkennung in der Politik ist dafür spürbar groß, und in der Öffentlichkeit wächst sie auch.

          Aber die entscheidende Frage, wofür das Organisationskomitee 6,7 Millionen Euro an ein Konto in Qatar bezahlt hat, ist doch offen?

          Weil wir objektiv das Problem haben, dass der Empfänger Mohamed bin Hammam nicht sagt, wofür er das Geld verwandt hat. Er ist für meine Begriffe die entscheidende Figur. Mir fehlt aber die Phantasie, um mir legitime Instrumente vorzustellen, mit denen ein gemeinnütziger Verband bin Hammam zum Sprechen bringen könnte. An diesem Punkt sind Staatsanwaltschaften, sei es in der Schweiz, Deutschland oder den USA, eher in der Lage, etwas zu erreichen. Was sollten wir denn sonst noch machen?

          Auch eine ehrliche Auskunft der handelnden Personen in Deutschland könnte Sie schon weiterbringen. Etwa von dem angeblich vergesslichen Franz Beckenbauer, der ein Vier-Augen-Gespräch mit Fifa-Präsident Joseph Blatter über die Zahlung geführt hat. Und der im Lauf des Gewirrs verschleiernder Geldtransfers das Eintreffen von sechs Millionen auf seinem eigenen Konto nicht bemerkt haben will. Lassen Sie das einfach auf sich beruhen?

          Wenn Franz Beckenbauer sagt: Das, was er gesagt hat, ist das, was er weiß, und alles andere könnte nur sein verstorbener Manager Robert Schwan beantworten, dann müssen wir von diesem Stand ausgehen.

          Da gibt es ja noch ein paar Daumenschrauben.

          Und zwar?

          Sie haben angekündigt, sehr schnell eine unabhängige Ethikkommission einzusetzen nach dem Vorbild der Fifa. Diese ermittelt auch rückwirkend. Da Beckenbauer mit seinen Ehrentiteln immer noch zur Fußballfamilie gehört, könnte diese Kommission gegen ihn noch ermitteln und ihn sanktionieren.

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