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DFB-Präsident Niersbach : „Die Entscheidung für Qatar ist falsch“

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Als junger Mann war Niersbach beim EM-Endspiel 1972 in Brüssel - ein Stehplatz für umgerechnet elf Mark Bild: dapd

Seit Freitag ist Wolfgang Niersbach DFB-Präsident. Er setzt auf die Strahlkraft der Nationalelf. Im Interview spricht er auch über die Torlinien-Technologie, die Fifa und eine EM-Bewerbung.

          Woran soll man sich erinnern, wenn man später einmal an den DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach zurückdenkt?

          Er ist so geblieben, wie er immer war. Er hat sich von seinem Charakter, Habitus und der Sprache nicht verändert.

          Was wird die neue Position Ihnen ganz allgemein abverlangen?

          Ich muss vielleicht manchmal bedachter sein. Eigentlich sind die Wesenszüge von mir ja die Lockerheit, der Spaß und die Freude. Bei jedem Satz dreimal zu überlegen, ist nicht meine Art. Das könnte eine Gefahrenquelle für mich sein.

          In einem Frankfurter Hotel wurde der elfte Präsident des DFB gewählt

          Was haben Sie von Ihrem Vorgänger Theo Zwanziger gelernt, welche Fehler wollen Sie vermeiden?

          Eine Stärke von Theo Zwanziger ist zum Beispiel seine Beharrlichkeit. Das zeigte sich ja auch in der Art, wie er den Hoyzer-Skandal gemanagt hat. Großartig. Ich werde wahrscheinlich meine eigenen Fehler machen.

          Zwanziger vertritt den DFB ja noch bis 2015 als Vorstandsmitglied in der Regierung des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa). Wie wird die Zusammenarbeit zwischen Ihnen aussehen?

          Es wird wie bisher ein enger Informationsaustausch sein. Wir werden uns eng abstimmen. Da sehe ich überhaupt kein Problem.

          Niersbach schickte Zwanziger nicht in Rente - aber in den Urlaub

          Zwanziger ist ja sehr intensiv in den Reformprozess der Fifa eingebunden. Wie ist da Ihre Position?

          Ich bin da nicht stark genug drin, um das im Detail beurteilen zu können. Theo Zwanziger sagt uns, die Reformen seien auf einem ganz guten Weg.

          Die Fifa sieht sich ja immer noch konfrontiert mit vielen Anschuldigungen und Korruptionsvorwürfen. Manche meinen, eigentlich hätte Präsident Blatter längst den Sessel räumen müssen für eine glaubwürdige Aufarbeitung.

          Jetzt müssen wir doch mal abwarten. So ein Thema wird doch nicht damit gelöst, dass es durch immer neue Aussagen angeheizt wird.

          1990 kümmerte sich Niersbach als Mediendirektor bei der WM in Italien um die Nationalmannschaft

          Zwanziger fordert vehement die Überprüfung der WM-Vergabe an Qatar und stellt den Standort in Frage. Stimmen Sie da mit ihm überein?

          Die Fifa muss klarstellen, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Ich verstehe aber nicht, dass zum Beispiel auch mein Freund Michel Platini als Sportler und Fußballer damals für Qatar gestimmt hat. Er sagt das ja ganz öffentlich. Ich persönlich halte diese Entscheidung für falsch. Die wichtigste Veranstaltung, die es im Fußball gibt, braucht einen idealen Standort.

          Den Fußball belasten weitere Problemfelder: zum Beispiel die Spielmanipulation. Die Staatsanwälte in Bochum, wo zuletzt vor Gericht Strippenzieher verurteilt worden sind, sprechen von einer „Spitze des Eisbergs“. Bereitet Ihnen das Sorgen?

          Was ist denn von der Spitze des Eisbergs geblieben? Nicht viel. Das Thema nehmen wir sehr ernst, aber man sollte mit solchen Begriffen vorsichtig sein.

          Seit 24 Jahren ist Niersbach schon beim Deutschen Fußball-Bund

          Selbst die Fifa berichtet inzwischen von massiven Gefahren auch für den europäischen Fußball durch Wettbetrug.

          Wir sind deshalb auch intensiv präventiv tätig. Wir arbeiten unter anderem mit der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung zusammen, was die Problematik der Spielsucht betrifft. Es gibt Schulungsmaßnahmen für Auswahlspieler an den Leistungsstützpunkten. Aber die Einflussmöglichkeiten eines Sportverbandes sind limitiert. Seien wir ehrlich: Wenn Hoyzer damals nicht gestanden hätte bei uns, wäre der erste Skandal doch nie vollständig aufgedeckt worden. Wir können keine Telefone abhören und sind keine Ermittlungsbehörde.

          Große Unternehmen können das auch nicht, aber haben inzwischen professionelle Compliance-Spezialisten angeheuert. Genügt es denn für den DFB, nur einen Hobby-Funktionär als Antikorruptionsbeauftragen zu haben?

          Unser Antikorruptionsbeauftragter befasst sich sehr intensiv und kompetent mit dem Thema. Außerdem ist der Bereich doch auch seit langem fest in unserer Hauptverwaltung verankert. Wir nutzen alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und stehen auch in engem Kontakt zur Liga.

          Der neue und der alte DFB-Präsident: Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger (rechts)

          Reicht das?

          Die Frage ist doch eher: Was können wir noch machen? Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir alle Mittel auszuschöpfen. Ich will das nicht bagatellisieren. Wir sind alarmiert und sensibilisiert, setzen ganz auf Prävention und professionelle Beobachtung des Wettmarktes durch Spezialfirmen. Gerade Helmut Sandrock (neuer Generalsekretär) besitzt auf diesem Feld eine große Erfahrung.

          Dem DFB wird auch vorgeworfen, dass er es bisher nicht mal geschafft hat, einen einzigen Fall von Korruption zwischen Vereinsmanagern und Spielerberatern aufzudecken. Dabei reißen die Spekulationen nicht ab, dass auf diesem Gebiet mit den vielen Millionen, die über den Tisch gehen, so einige krumme Geschäfte laufen.

          Alle Bemühungen unseres Kontrollausschusses sind bisher ins Leere gelaufen. Wir können die Leute ja auch nicht einfach vorladen, weil sie sich nicht der Sportgerichtsbarkeit unterstellen. Und noch mal: Wir sind keine Ermittlungsbehörde.

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