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DFB-Präsident Niersbach : „Die Entscheidung für Qatar ist falsch“

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Auch beim EM-Titel 1996 war Niersbach vor Ort - und zeigt das nicht benötigte Feldspielertrikot von Torwart Kahn

Müsste sich der DFB nicht festangestellte Spezialisten leisten, die den vielen Gerüchten auf den Grund gehen?

Das Thema ist erkannt. Wir tun, was wir können. Nehmen wird das Gewalt-Thema im Fußball: Da suchen wir mit einer Task Force nach Wegen, die mit Spezialisten, Ordnungsdiensten, Vertretern von Fanprojekten, Einsatzleitern der Polizei und Staatsanwälten besetzt ist. Diese Experten erarbeiten Vorschläge, was geändert werden muss.

Zuletzt kochte bei den Fans die Diskussion um die Legalisierung von Pyrotechnik im Stadion hoch.

Diese Diskussion ist vorbei. Grundsätzlich frage ich mich eines: Was hat das denn mit Fankultur zu tun, wenn sich Tausende Zuschauer im Stadion in dem Rauch giftiger Dämpfe die Augen reiben müssen oder über 1000 Grad heiße Feuerwerkskörper gezündet werden, von denen große Gefahren ausgehen? Durch solche Aktionen wird doch nur den vielen anderen das Vergnügen getrübt. Das klare Nein zur Pyrotechnik ist ein ebenso klares Bekenntnis für die Sicherheit aller Zuschauer im Stadion.

Ja für Niersbach: Die Zustimmung auf dem außerordentlichen DFB-Bundestag galt schon vorher als sicher

Es gibt als Präsident sicher schönere Themen, die man besetzen kann. Franz Beckenbauer schlägt vor, dass sich der DFB um die Ausrichtung der Europameisterschaft 2020 oder 2024 bewirbt. Greifen Sie die Idee auf?

Das ist natürlich total reizvoll. Das schönste Projekt meines beruflichen Lebens war die WM 2006. Dies zu wiederholen, wäre toll, aber ist wohl eher unrealistisch. Es gibt da schon starke Interessenten wie die Türkei oder Italien, Spanien und Portugal. Die haben alle entweder nie oder lange kein so großes Turnier ausgerichtet.

Einige der genannten Länder sind fast pleite. Wäre das nicht die Chance für Deutschland?

Es geht bei diesen Entscheidungen nicht nur nach diesen Aspekten.

Derzeit wird im Fußball darüber diskutiert, ob nicht endlich technische Hilfen wie die Torlinien-Technologie oder der Videobeweis bei den Profis zum Zuge kommen. Wie ist da Ihre Position?

Ich wäre für die Torlinien-Technologie, aber als einzige Variante. Wobei man sich auch fragen muss, in welchen Spielklassen diese zum Einsatz kommt. Wäre sie nur ein Privileg für die oberen beiden Ligen? Man muss also differenzieren. Der Videobeweis - klar nein. Der würde nur die Streitereien an den Spielfeldrand verlagern und das Spiel unnütz verzögern.

Auf gute Zusammenarbeit: Niersbach-Vorgänger Zwanziger lobte die Arbeit von Horst R. Schmidt

Sie haben beim Verbandstag warnend angemerkt, dass der DFB zwar nach Mitgliedern wächst, aber vor allem deshalb, weil viele Fans den Bundesligaklubs beitreten. Unten an der Basis macht man sich dagegen Sorgen ums Ehrenamt und fehlende Übungsleiter. Wie wollen Sie dem begegnen?

Wir brauchen eine flexibleren Spielbetrieb, neue Möglichkeiten für Spielgemeinschaften. Wir müssen die Vereine attraktiv machen. Es gibt doch über die 6,8 Millionen DFB-Mitglieder hinaus viele weitere Menschen, die Fußball spielen. Da gibt es die beeindruckende Zahl von 18 Millionen.

Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich radikal verändert.

Wir müssen Strukturen hinterfragen. Es kann doch nicht sein, dass über einen Mitgliedsbeitrag von fünf Euro im Monat gemeckert wird, man dafür aber in einer kommerziellen Soccer-Halle gerne 50 Euro die Stunde zahlt. An das Thema müssen wir ran. Und der Politik müssen wir sagen: Ihr könnt manches vernachlässigen, aber nicht den Sportstättenbau. Einige Vereine haben Bedingungen, die sind unter aller Würde.

Die Präsidenten des DFB von 1900 bis 2012

Zwanzigers Kernkompetenz waren die sozialen Themen. Er hat es geschafft, den DFB als moralische Instanz in der Gesellschaft zu verankern. Ihre Kernkompetenz war bisher das Tagesgeschäft. Haben Sie ein Thema, das Sie mit Wucht vorantreiben wollen?

Ich bekenne mich zur Elite. Es muss der Anspruch eines Spitzenverbandes sein, dass er Topergebnisse abliefert. Je besser wir das beherrschen, desto überzeugender und effektiver sind wir auch auf allen anderen Feldern, damit meine ich die vielen gesellschaftlichen und sozialen Aufgaben, denen wir uns auch weiter stellen werden. Als wir 1990 Weltmeister wurden, kamen 150.000 neue Mitglieder dazu. 1996 nach dem EM-Titel war das ähnlich. Deshalb ist eine gute Nationalmannschaft auch so wichtig für uns. Vor einiger Zeit hat Matthias Sammer (Sportdirektor) einen Techniktrainer für den Nachwuchs eingestellt. Käme er morgen und wollte einen Eckballtrainer, wir würden auch darüber diskutieren.

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