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Rücktritt von Präsident Keller : „Ein für den DFB beschämendes Umfeld“

Vier Präsidenten in zehn Jahren „verschlissen“: Fritz Keller nimmt mit bitteren Worten Abschied von der DFB-Spitze. Bild: Wagner/Witters/Pool/Witters

Fritz Keller vollzieht den angekündigten Rücktritt als DFB-Präsident. Sein Urteil über seine Funktionärskollegen ist harsch. Er fordert, was er selbst nicht durchsetzen konnte: Integrität statt interner Machtkämpfe.

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          Als sich am vergangenen Donnerstag der neue deutsche DFB-Pokalsieger auf der Tribüne des Berliner Olympiastadions versammelt hatte, wartete dort die goldene Trophäe auf die Spieler und den Trainer von Borussia Dortmund. Aber es war kein DFB-Oberer da, der den Pokal überreichte. Diese Leerstelle kann man als Symbol für den Zustand des Verbandes im Corona-Jahr 2021 begreifen: Kein einziger Mann aus der DFB-Spitze konnte oder wollte sich noch in der Öffentlichkeit blicken lassen.

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          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Fritz Keller hatte zu diesem Zeitpunkt seinen Rückzug als DFB-Präsident schon angekündigt, ebenso Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge. Auch der erste DFB-Vizepräsident Rainer Koch, zuständig für die Amateure, hatte eingesehen, zumindest für diese Aufgabe nicht mehr antreten zu können. Und dass der erste DFB-Vizepräsident Profis, der aus der Deutschen Fußball-Liga dorthin entsandte Peter Peters, einen Sieger im populärsten DFB-Wettbewerb krönt – auch das war auf dem sportpolitischen Schlachtfeld des deutschen Fußballs offenbar zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden.

          Am Montag hat Fritz Keller nun auch offiziell den Schlussstrich unter seine wenig ruhmreiche Präsidentschaft gezogen. In einer persönlichen Erklärung übernahm der 13. Präsident des DFB nach einigem Zögern die Verantwortung für „meine Entgleisung in der Präsidiumssitzung vom 23. April 2021, die trauriger Tiefpunkt der desolaten Führungssituation des DFB bleiben soll“.

          Fritz Kellers harsches Urteil

          Seinen Rücktritt hatte Keller indes schon in der Vorwoche angekündigt, nachdem eine Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht nicht mehr zu verhindern gewesen war. Dass er als Präsident eines gemeinwohlorientierten Verbandes mit über sieben Millionen Mitgliedern seinen Vizepräsidenten und Berufsrichter Koch auf jener Sitzung in einem Atemzug mit dem verbrecherischen Vorsitzenden des Volksgerichtshofs genannt hatte, erwähnte Keller in seinem letzten Statement nicht mehr. Darüber wird an diesem Mittwoch das DFB-Sportgericht urteilen.

          Kellers Urteil über seine Kollegen wiederum erging am Montag im offiziellen Schlusswort in schriftlicher Form. Ohne Namen zu nennen, prangerte der erfolgreiche Winzer und Gastronom sowie langjährige Präsident des SC Freiburg, der dem DFB eigentlich ein besseres Image und neue Solidität bringen sollte, bei seinem Abschied die „internen Machtkämpfe“ und die „Befindlichkeiten“ innerhalb des größten Sportfachverbands der Welt an.

          „Mit ordnungsgemäßer Verbandsführung hatte und hat das alles nichts zu tun“, schrieb Keller zu seinem Abschied nach 18 Monaten. Diesen schwerwiegenden Vorwurf bezieht Keller vor allem auf den „Abschluss“ und die „Durchführung eines unschlüssigen Vertrages mit einer Kommunikationsagentur“. Sein eigenes „Fehlverhalten“ (der Freisler-Ausspruch) sei, so seine Erklärung, „in einem für den DFB beschämenden Umfeld“ erfolgt. „Mein Rücktritt wird die Probleme innerhalb des DFB und des Fußballsports allerdings nicht lösen.“

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