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DFB in der Krise : Keller schließt Rücktritt aus

Will bleiben: DFB-Präsident Keller Bild: dpa

Der DFB-Präsident will einen Außerordentlichen Bundestag durchsetzen und die Machtfrage von der Basis entscheiden lassen. Der Vorstand könnte ihn stoppen.

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          DFB-Präsident Fritz Keller schließt nach Informationen der F.A.Z. einen freiwilligen Rückzug auch nach der scharfen verbandsinternen und öffentlichen Kritik aus. Selbst wenn Rainer Koch die Entschuldigung Kellers ablehnen sollte, so heißt es, wolle der DFB-Präsident im Amt bleiben. Keller und seine Unterstützer streben stattdessen einen außerordentlichen DFB-Bundestag an, um die Delegierten über den Machtkampf im Verband entscheiden zu lassen, der seit Monaten vor allem zwischen Präsident Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius tobt. Keller hatte auf der DFB-Präsidiumssitzung am vergangenen Freitag den ersten DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch mit dem Nazi-Richter Freisler gleichgesetzt, der den Volksgerichtshof in ein Terrorinstrument der Hitler-Diktatur verwandelt hatte.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.
          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Im Fall Keller – der einerseits für sich steht, aber in den monatelangen DFB-Machtkampf eingebettet ist – zeichnen sich innerhalb des Verbandes zwei Argumentationslinien ab. Die Unterstützer des Präsidenten versuchen, dessen Nazi-Gleichsetzung in Zusammenhang mit den internen Kämpfen zu stellen. Auf einem außerordentlichen Bundestag, so die Hoffnung des Keller-Lagers, solle daher mit Neuwahlen die insgesamt völlig verfahrene Lage im DFB aufgelöst werden – im Sinne des Präsidenten, der angetreten sei, um Transparenz im DFB herzustellen.

          Teil der Kampagne

          Doch der werde daran systematisch von Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge gehindert, aber auch von Vizepräsident Koch. In diesem Sinn sieht die Keller-Seite auch die Art und Weise, wie der Fall ans Licht kam und behandelt wird, als Teil einer Kampagne gegen den Präsidenten an. Der Entgleisung vorausgegangen war ein Vortrag während der Präsidiumssitzung am vergangenen Freitag über angebliche Verfehlungen des fristlos gekündigten Büroleiters von Keller. Der DFB-Präsident war von der Trennung nicht vorab informiert worden. Keller soll daraufhin in Bezug auf Koch in der Diskussion „Freisler“ vor sich hin gemurmelt haben. Der frühere Präsident des Freiburger SC bat Koch danach um Entschuldigung, die er nach einem Telefongespräch glaubte, erhalten zu haben. Doch Koch widersprach. Am Montag berichtete der „Spiegel“ von dem Fall.

          „Wenn Krieg herrscht, wird das eben massiv genutzt“, sagte der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) dem Sportinformationsdienst: „Das zeigt, wie die miteinander arbeiten oder eben nicht miteinander arbeiten.“ Für die Einberufung eines außerordentlichen Bundestages müssten Keller und seine Helfer sechs Landesverbände, die Deutsche Fußball Liga oder zwei Regionalverbände für einen Antrag gewinnen. Darum kämpfen sie in diesen Tagen.

          Kellers Unterstützer sehen den Rücktritt des Präsidenten auch deswegen nicht als notwendig an, weil ihn gesellschaftspolitisch relevante Gruppen nicht gefordert hätten. So hat Alon Meyer, der Präsident von Makkabi Deutschland, dem Dachverband der jüdischen Turn- und Sportvereine, die Entschuldigung von Keller angenommen. „Er hat sich für Werte wie Menschlichkeit, aber auch für Aufarbeitung eingesetzt. Wir müssen schauen, woher jemand kommt und warum wir ihn gewählt haben. Ich bin fest überzeugt, dass es nicht das ist, was Fritz Keller als Mensch denkt“, sagte Meyer.

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