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DFB-Präsident zum Frauentag : Keine Blumen, bitte!

DFB-Präsident Fritz Keller nach seiner Wahl im September 2019. Bild: dpa

DFB-Präsident Fritz Keller verschenkt nette Worte für fußballbegeisterte Frauen. Denn: Blumen sind out, Kulturwandel ist in. Jetzt müsste er nur noch kommen – nicht nur im Fußball.

          1 Min.

          Die Frau im Deutschen Fußball-Bund trägt Gelb. Im September 2019, als das neue Präsidium gewählt wurde, strahlte sie heller als alle anderen: Hannelore Ratzeburg. Eine Frau! Ein Bild, das sich schnell in den sozialen Medien verbreitete. Das einzige Problem: Ratzeburg war umgeben von 19 männlichen Präsidiumsmitgliedern, nicht so farbig gekleidet, aber definitiv in der Überzahl.

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          Ratzeburg ist Vizepräsidentin für Gleichstellung, Frauen- und Mädchenfußball. Neben ihr stand Präsident Fritz Keller. Sein Mantra schon damals: Mehr Frauen in den DFB. Jetzt hat er den fußballbegeisterten Frauen zum Weltfrauentag eine metaphorische Blume geschenkt. Denn auch Keller dürfte wissen: In der Innenstadt Blumen an Frauen zu verteilen, wie es früher Politiker taten, ist einfach out.

          Stattdessen gab er sich selbstkritisch: Es sei „beschämend, wie weit hinten wir dran sind“. Sogar vor einem Witz auf seine eigenen Kosten schreckte er nicht zurück: „Und wenn Sie mal bei uns ins Präsidium schauen, da sind fast nur Kerle, die sehen so aus wie ich: leicht übergewichtig, graue Haare. Wir brauchen aber mehr Frauen im Präsidium.“ Er wolle Veränderung. Sogar eine Quote im Fußball und Frauen auf der Bank eines Fußball-Bundesligavereins kann er sich vorstellen. Die Türen, die Tore stünden auf.

          Aber wie weit stehen sie wirklich auf? Letztes Jahr verabschiedete sich Bibiana Steinhaus, die erste Bundesliga-Schiedsrichterin. Imke Wübbenhorst, die erste Frau, die eine Mannschaft in einer der ersten fünf Ligen – also in der fünften – trainierte, ist mittlerweile auch ihren Job in der vierten Liga los.

          Das sind nur Beispiele. Die sind jedoch Teil eines strukturellen Problems, das weit über den Fußball hinausgeht. Sport ist eine der letzten Bastionen der traditionellen Männlichkeit – gerade im Fußball hält sie sich länger als im Rest der Gesellschaft. Athletik, Kraft, Wettkampfstärke, Aggressivität werden noch immer eher Männern zugeschrieben.

          Maya Weug ist die erste Frau, die in die Ferrari-Nachwuchsakademie aufgenommen wurde. Wenn alle die Helme aufhätten, sehe man den Unterschied zwischen Jungs und Mädchen nicht mehr, sagte sie. Warum sollte eine Frau auch langsamer fahren als ein Mann? Im Baseball sorgte Kim Ng vergangenes Jahr als erste Managerin eines Profi-Teams, der Miami Marlins, für Aufsehen. Ob der deutsche Fußball bis zum nächsten Frauentag Ähnliches hinbekommt? Dann darf Herr Keller auch Rosen verteilen, ausnahmsweise.

          Stefanie Sippel
          Sportredakteurin.

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