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DFB-Pokalfinale : 5:2 - Dortmund bleibt Bayerns Albtraum

  • -Aktualisiert am

Der Pott kommt in den Pott: Kapitän Kehl stemmt die goldene Trophäe in die Höhe Bild: dpa

Der Meister demütigt den Rekordmeister: Im DFB-Pokalfinale spielt Dortmund die Bayern nach allen Regeln der Fußballkunst aus und gewinnt 5:2. Überragender Mann beim Doublegewinner ist ein Pole, der dreimal trifft gegen die desolate Münchner Abwehr.

          Die letzte halbe Stunde war, von einem kurzen Moment des Schreckens unterbrochen, nur noch ein besseres Schaulaufen in Schwarz und Gelb, als gäbe es den FC Bayern München gar nicht mehr. Der hatte sich im Berliner Endspiel um den DFB-Pokal über weite Strecken nahezu dilettantisch angestellt und auch damit den Westfalen zum ersten Double der Vereinsgeschichte verholfen.

          5:2 durch Treffer von Kagawa (3. Minute), Hummels per Elfmeter (41.) und Lewandowski (45.+1/58./81.) bei Gegentoren per Strafstoß durch Robben (25.) und Ribéry (75.) hieß es am Ende eines aus Dortmunder Sicht rundum erfreulichen Samstagabends. Während die BVB-Fans wie nach einem Erfolg über einen Zweitligaklub, „einer geht noch, einer geht noch rein“ sangen, schlichen die gedemütigten Bayern schwer geschlagen zur Siegerehrung.

          Sie mussten bei ihrer fünften Niederlage nacheinander gegen ihren Angstgegner die nationale Dominanz des BVB neidvoll anerkennen. Bis auf eine kurze Phase in der ersten Hälfte bestimmten die Westfalen das Endspiel in einer nicht erwarteten Eindeutigkeit. 75.708 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion staunten über die Klarheit der Kräfteverhältnisse in diesem Spiel der Spiele zwischen Meister und Rekordmeister.

          Überglücklich hob Kapitän Sebastian Kehl den großen Goldpokal, überreicht von Bundespräsident Joachim Gauck, um 22.14 Uhr in den Berliner Nachthimmel. Den Münchnern blieb nur ein Trost: das Champions-League-Finale am kommenden Samstag im eigenen Stadion (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker), das die Bayern gegen den FC Chelsea gewinnen müssen, um die Saison nicht titellos und damit enttäuschend zu beenden.

          Eine ehemalige Biathletin bringt den Pokal vorbei: Magdalena Neuner mit dem guten Stück Bilderstrecke

          Der BVB, in den vergangenen vier Bundesligaspielen siegreich gegen den „Stern des Südens“, trat mit derselben Elf an, die den Bayern im April eine 1:0-Niederlage zugefügt hatte; die Münchner vertrauten zunächst der etwas defensiveren Mittelfeldvariante. Schweinsteiger und Luiz Gustavo besetzten die Sechser-Positionen, Kroos lenkte davor aus der Zentrale das Spiel, während Müller fürs erste auf der Bank saß.

          Ob Trainer Heynckes diese Wahl schon früh bereut hat? Zumindest musste auch er mitansehen, wie Gustavo nach drei Minuten mit einem viel zu kurzen Rückpass Blaszczykowski ins Spiel brachte, der den Ball erlief und quer zum freistehenden Kagawa passte. Der Japaner hatte in seinem vielleicht letzten Auftritt für die Borussia (die Premier League lockt) freie Schussbahn und erzielte das 1:0.

          Diesmal verlädt Robben Weidenfeller beim Elfmeter

          Danach entwickelte sich eine wilde Begegnung, geprägt auch von seltsamen Fehlern und Fehlpässen beider Teams. Eine lange Saison schien ihren Tribut zu fordern. Richtig weh tat das Spiel dem Dortmunder Torwart Weidenfeller, der sich bei einem Zusammenprall mit Gomez (8.) eine Rippenprellung einhandelte, die ihn später (34.) zum Ausscheiden zwang und dem Australier Mitchell Langerak zu seinem vierten Einsatz für den Meister verhalf.

          Davor jedoch, als Schweinsteiger auf Gomez gepasst hatte, warf sich der Dortmunder Stammtorwart noch einmal waghalsig dem zweitbesten Torschützen der Liga entgegen. Da er zu spät kam und den Nationalstürmer eindeutig zu Fall brachte, musste Schiedsrichter Gagelmann, auf Strafstoß entscheiden - eine Gelegenheit, die sich Arjen Robben diesmal anders als bei der letzten Begegnung der zwei deutschen Supermannschaften nicht entgehen ließ. Der Holländer „verlud“ Weidenfeller, an dem er zuletzt in Dortmund gescheitert war, und die Bayern hatten ausgeglichen (25.).

          Nach dem 1:1 schien es eine Zeitlang, als ob sich die Münchner allmählich mit ihrer individuell größeren Klasse und der etwas größeren Ruhe am Ball, verkörpert vor allem durch Schweinsteigers Aufbauwerk, durchsetzen würden. Es schien nur so. Tatsächlich erlaubte sich die Münchner Verteidigung gegen die giftig attackkierenden Dortmunder weiter ein paar Schnitzer zuviel.

          Naiv war der untaugliche Abwehrversuch von Boateng gegen Blaszczykowski, nach dem Gagelmann von neuem auf den Punkt wies. Hummels versuchte sein Glück gegen den zuletzt als „Elfmeterkiller“ in Erscheinung getretenen Neuer. Der Nationalmannschaftskollege war zwar noch mit der Hand dran an dem flach ins rechte Eck getretenen Strafstoß - doch der Schuss war letztlich zu scharf, um noch pariert werden zu können (41.).

          BVB dominant, selbstbewusst und geschlossen

          Beim 3:1 durch Lewandowski (45.+1) demonstrierte der BVB seine erlesene Qualität. Der Pole nahm sich eines No-Look-Passes des exzellenten Kagawa an und schob den Ball durch Neuers Beine zur komfortablen Halbzeitführung in diesem spektakulären Finale, das schon bis zur Halbzeit genug Aufregung und atemraubende Momente geboten hatte.

          Doch die Kräfteverhältnisse waren nun schon fast geklärt. Entsprechend dominant, selbstbewusst und geschlossen ging der BVB die zweite Hälfte gegen eine zunehmend ungeordnete, fast schon desolat anmutende Münchner Elf an, der auch der für Gustavo eingewechselte Müller (46.) keine rechte Stütze mehr war.

          Die Bayern gaben Räume preis, die sie spätestens in einer Woche beim Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea dringend schließen müssen. Der Borussia war das kaum noch zu erkennbare Münchner Defensivverhalten gerade recht. Lewandowski, neben dem Schalker Huntelaar und Gomez einer der drei besten Bundesliga-Angreifer, nutzte einen der vielen Dortmunder Schnellangriffe mit einem plazierten Schuss zum 4:1 (58.) - danach stellte niemand mehr die Frage nach Sieger und Verlierer.

          Borussia Dortmund hatte seine Königssaison feierlich gekrönt, woran auch das 2:4 durch Ribérys plazierten Flachschuss nichts mehr änderte. Im Gegenteil: Der überragende Lewandowski setzte mit seinem Kopfball zum 5:2 (81.) gegen vogelwilde Bayern noch einen drauf.

          Die Siegerehrung als 360-Grad-Foto

          Borussia Dortmund - Bayern München 5:2 (3:1)

          Borussia Dortmund: Weidenfeller (34. Langerak) - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Blaszczykowski (84. Perisic), Kagawa (81. Bender), Großkreutz - Lewandowski
          Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba (69. Contento) - Luiz Gustavo (46. Müller), Schweinsteiger - Robben, Kroos, Ribéry - Gomez
          Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
          Zuschauer: 75.708 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Kagawa (3.), 1:1 Robben (25./Foulelfmeter), 2:1 Hummels (41./Foulelfmeter), 3:1 Lewandowski (45.+1), 4:1 Lewandowski (58.), 4:2 Ribéry (75.), 5:2 Lewandowski (81.)
          Gelbe Karten: Hummels, Weidenfeller / Badstuber, Gomez, Schweinsteiger

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