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Viertligaklub im DFB-Pokal : Warum Rot-Weiss Essen nicht zu unterschätzen ist

  • -Aktualisiert am

Stabilisator: Daniel Davari brachte Bayer zur Verzweiflung. Bild: EPA

Mit den Siegen über Bielefeld, Düsseldorf und Leverkusen zeigt Rot-Weiss Essen, dass die Mannschaft ein richtiger Pokalschreck sein kann. Das liegt auch an ihrem Torhüter.

          2 Min.

          Nach dem Abpfiff dieses verrückten Fußballspiels war Daniel Davari das erste Mal deutlich überfordert. Der Torwart von Rot-Weiss Essen sollte vor ein paar hingehaltenen Mikrofonen einordnen, was an jenem 2. Februar im Stadion an der Hafenstraße geschehen war. Die Aufgabe kam für ihn leider zu früh. „Was wir als Mannschaft hier geleistet haben: Keine Ahnung“, brachte er mühsam hervor.

          DFB-Pokal

          Und: „Wirklich, das ist unfassbar.“ Die größten Pokalhelden sind nicht immer die größten Kommentatoren, aber zu dem Zweck ist der 33 Jahre alte Deutsche mit iranisch-polnischen Wurzeln auch nicht verpflichtet worden. Er wurde zum Sommer von Rot-Weiss Oberhausen übernommen, um das Tor des Traditionsvereins zu hüten. Dieser Anforderung kommt der 1,92 Meter große Keeper schon die gesamte Regionalliga-Saison in herausragender Weise nach. Erst im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen aber konnte er das auch mal vor großer TV-Kulisse tun. An diesem Mittwoch (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal und bei Sky) tritt er mit seinem Team gegen Holstein Kiel an.

          27 Schüsse gaben die fast bedingungslos offensiven Bundesliga-Stars auf Davaris Gehäuse ab. Nur einer davon fand nach 105 Minuten ins Tor, wurde von dessen mutigen Vorderleuten aber in den nächsten zwölf Minuten mit zwei eigenen Treffern beantwortet. Die Sensation war nur möglich, weil Davari seine Mannschaft mit tollen Reflexen und dem nötigen Glück im Spiel gehalten hatte. Vor allem kurz vor Schluss, als er binnen Sekunden einen scharfen Schuss von Diaby parieren und den anschließenden Versuch von Aranguiz per Fuß noch an den Pfosten lenken konnte.

          Kein ordinärer Viertligaklub

          Wer die Essener nur für einen ordinären Viertligaklub halten wollte, beginge einen Fehler; das steht nach den Pokalsiegen über Arminia Bielefeld, Fortuna Düsseldorf und Bayer 04 fest. Und wer den gebürtigen Gießener lediglich unter „auch nicht schlecht“ einordnete, läge ebenfalls verkehrt.

          Ähnlich wie der stolze Revierverein und deutsche Meister (1955), kann auch Davari an die Erfahrung aus größeren Zeiten anknüpfen. Er stieg vor sieben Jahren mit Eintracht Braunschweig in die Bundesliga auf, spielte dann bei Grashoppers Zürich in der Schweizer Super League und nahm als dritter Torwart Irans an der WM 2014 in Brasilien teil, bevor es ihn in den Westen Deutschlands zog.

          Es waren oft Kleinigkeiten sowie einige Verletzungen, die eine geradlinigere Karriere verhinderten. Tendenziell aber ist Davari für die vierte Liga zu gut. Mit seiner unaufgeregten Art hat „der vermutlich beste RWE-Torwart seit vielen Jahren“ („Reviersport“) die gesamte Abwehr stabilisiert. Das zeigen auch zwölf Ligaspiele (von 23) ohne Gegentreffer. Einfach aber ist der Job nicht: Weil die meisten Gegner gegen RWE sehr tief stehen, kommt es auf wenige, brisante Situationen vor dem eigenen Tor an.

          Dann muss der letzte Mann blitzschnell hochfahren. Dieses Problem dürfte Davari beim Viertelfinale an diesem Mittwoch gegen Kiel kaum haben. So oder so aber haben er und der RWE schon mehr als je erhofft erreicht. Die zwei Millionen Euro aus dem Pokaltopf des Deutschen Fußball-Bundes (vor Steuer) stopfen die größten Löcher im Etat, die in der Corona-Zeit aufgerissen wurden. Auch das gibt ein Gefühl von Ruhe – und vielleicht kommen ja noch zwei Millionen hinzu.

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