https://www.faz.net/-gtl-9m3o3

Ärger nach Bremen gegen Bayern : „Lächerlich, wenn das ein Elfmeter ist“

Die Bremer haben in Schiedsrichter Daniel Siebert ihren Buhmann des Abends gefunden. Bild: AP

Die Münchner stehen nach einem dramatischen Spiel im DFB-Pokalfinale. Entscheidend ist ein höchst umstrittener Elfmeter. Ein Bremer redet sich besonders in Rage – und schimpft über einen Gegenspieler.

          Plötzlich stand sogar Niko Kovac auf dem Spielfeld. Nach einem Tumult direkt vor seiner Coaching Zone wollte der Trainer des FC Bayern schlichtend eingreifen, konnte aber wenig ausrichten in der extrem aufgeregten Stimmungslage in der Schlussphase des DFB-Pokal-Halbfinals. Nach insgesamt mehr als 97 dramatischen Minuten gewannen die Münchner bei Werder Bremen letztlich mit 3:2 Toren und stehen zum 23. Mal im Endspiel. Dort treffen sie am 25. Mai auf Debütant RB Leipzig, der sich am Vortag mit einem 3:1 beim Hamburger SV für das große Finale von Berlin qualifiziert hatte.

          DFB-Pokal
          ANZEIGE
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Die Aufregung vor Kovacs Bank legte sich, als der Ball wieder rollte, die Emotionen nach Schlusspfiff aber kochten erst so richtig hoch. Außenseiter Bremen fühlte sich in einem turbulenten Spiel um den Lohn für eine beherzte Leistung gebracht. Der Ärger fokussierte sich auf den Schiedsrichter, der einen Elfmeter für die Bayern gab, den Robert Lewandowski in der 80. Minute zum Siegtreffer nutzte. Daniel Siebert hatte ein Foul des Bremer Außenverteidigers Theodor Gebre Selassie am Münchner Kingsley Coman gesehen und Strafstoß gegeben. Die Bremer tobten. Der flinke Franzose hatte sich den Ball zu weit vorgelegt und fiel nach einem leichten Stoß seines Gegenspielers.

          „Neun von zehn Schiedsrichtern hätten da nicht gepfiffen“, sagte Werder Bremens Coach Florian Kohfeldt verstimmt. „Da gibt es keine große Diskussion. Das war im Leben kein Elfmeter“, befand auch Sportchef Frank Baumann. Kohfeldts Ärger richtete sich weniger gegen Schiedsrichter Daniel Siebert, der nach kurzer Rücksprache mit seinen Assistenten bei der Entscheidung blieb, als vielmehr gegen den Videoassistenten Robert Kampka. Der hätte stärker intervenieren müssen, meinte der Werder-Coach. „Ich bin normal ein großer Freund des Videobeweises, aber mit diesem Elfmeterpfiff könnte ich besser leben, wenn es keinen Videoschiedsrichter gegeben hätte“, meinte Kohfeldt.

          „Ich kann verstehen, dass es Diskussionen gibt, wenn die Entscheidung in so einem wichtigen Spiel durch einen Elfmeter fällt“, sagte Bayerns Kapitän Thomas Müller. „Aber für mich war es ein klarer Elfmeter. Gebre Selassie geht mit dem Arm raus, die Entscheidung ist richtig.“ Auch Präsident Uli Hoeneß war sich sicher: „Der Elfmeter war hundertprozentig in Ordnung. Keine Diskussion. Kingsley hat mir gesagt, dass er vorbei war und dann der Ellbogen kam.“ Alleine Kovac wollte sich aus dem Bayern-Lager heraus nicht so deutlich festlegen. „Da ist schon ein Schubser von hinten. Ob das jetzt ein Elfmeter ist, lasse ich mal stehen.“ Schon zu seiner Frankfurter Zeit hatte der Trainer moniert, dass im deutschen Fußball zu schnell gepfiffen werde. Nun profitierte er entscheidend davon.

          Die Bremer Brille brachte selbstredend einen ganz anderen Blickwinkel. „Das ist lächerlich. Wenn das ein Elfmeter ist … ein ganz leichter Kontakt. Ach Gott, ey, da brauche ich nichts mehr zu sagen“, sagte Werder-Kapitän Max Kruse bei Ansicht der TV-Bilder in der ARD. „Wozu haben wir einen Videobeweis? Wenn der das nicht sieht, dann können wir den wieder abschaffen“, schimpfte der frühere Nationalspieler, der sich mit Jerome Boateng nach Abpfiff noch ein heftiges Wortgefecht lieferte. „Er meinte, Bayern war ja klar besser als wir. Er soll mich nicht vollquatschen, sondern mit seinen Fans feiern“, empfahl Kruse.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.