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Kritik an Reaktion zu Tönnies : „Wir dürfen keine Hetzjagd veranstalten“

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Klare Position: Die Schalker Anhänger protestieren gegen Clemens Tönnies beim Pokalspiel in Drochtersen/Assel. Bild: EPA

Die Fans des FC Schalke haben nach dem Skandal um Clemens Tönnies ihrem eigenen Klub-Chef beim Pokalspiel die Rote Karte gezeigt und sich damit eindeutig positioniert. Sportchef Jochen Schneider warnt.

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          Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider hat in der Diskussion um die als rassistisch kritisierten Aussagen von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies vor einer „Hetzjagd“ gewarnt. „Er hat sich entschuldigt. Wir sind im Fußball, und sie haben ihm die Rote Karte gezeigt für ein grobes Foul. Dafür gibt es im Fußball die Rote Karte, dann hat man eine Sperre zu verbüßen. Das ist der Fall. Wir müssen aufpassen, dass wir hier nicht eine Hetzjagd veranstalten. Dass wir das ein Stück weit versachlichen“, sagte Schneider in einem ZDF-Interview nach dem 5:0-Sieg des Fußball-Bundesligaklubs in der ersten DFB-Pokalrunde am Samstag bei der SV Drochtersen/Assel.

          Vor der Partie hatten viele der rund 2000 mitgereisten Schalke-Fans gegen Tönnies protestiert. Die Anhänger hielten Plakate mit der Aufschrift „Wir zeigen Tönnies die Rote Karte“ hoch. Zudem gab es mehrere Banner mit Sprüchen gegen Tönnies.

          Dieser hatte beim Tag des Handwerks in der Vorwoche in Paderborn Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren“, hatte Tönnies gesagt und sich später dafür entschuldigt. Der Ehrenrat des Vereins belegte ihn am Dienstag mit einer Sperre von drei Monaten.

          Klare Botschaft: Neben den Roten Karten gaben die Fans des FC Schalke auch eine deutliche Aufforderung ab.

          Der frühere Nationalspieler Cacau, Integrationsbeauftragter des DFB, warnte im ZDF-„Sportstudio“ vor einer Relativierung der Worte Tönnies'. „Man darf nicht an einer Spaltung teilnehmen, die in unserer Gesellschaft passiert oder auf dem Weg dorthin ist“, sagte der ehemalige Bundesliga-Profi. Tönnies habe eine zweite Chance verdient, müsse aber durch Taten zeigen, dass seine Reue echt und er „kein Rassist“ sei.

          Schneider merkte an, dass sich Tönnies möglicherweise beim „kompletten afrikanischen Kontinent“ hätte entschuldigen müssen. Er forderte aber einen milden Umgang mit dem Aufsichtsratschef. „Es ist gut, dass wir in einer Zeit leben, dass die Aussagen, die er getätigt hat, nicht in Ordnung sind und die Leute sagen, das geht so nicht. Nichtsdestotrotz glaube ich, unsere Gesellschaft gibt das auch her, dass jemand einen Fehler macht, dass er sich entschuldigt, dass er bereut und dass man dann auch verzeihen kann“, sagte der S04-Vorstand. Die Aktion der Fans bezeichnete er als „starkes Statement gegen Rassismus“.

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