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9:10 verloren : Nächster Mainzer Tiefschlag

Mainz ist raus: Niki Zimling kann es nicht fassen Bild: dpa

Eine Woche nach dem frühen Aus in der Europa League verabschiedet sich Mainz 05 auch aus dem DFB-Pokal. Einem verrückten 5:5 nach Verlängerung folgt eine Niederlage im Elfmeterschießen beim Chemnitzer FC.

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          Mainz 05 muss einen totalen Fehlstart in die erste Spielzeit unter der Leitung des neuen Trainers Kasper Hjulmand verkraften: Eine Woche nach dem allzu frühzeitigen Scheitern in der Europa League verabschiedete sich der Bundesligaklub nun zum Auftakt der ersten Runde des DFB-Pokals nach einer  9:10-Niederlage nach Elfmeterschießen (5:5 nach Verlängerung) beim Chemnitzer FC auch aus dem nationalen Pokalwettbewerb.

          Da war es nur ein schwacher Trost, dass die Niederlage vor 10.000 Zuschauer beim erstaunlich starken Drittliga-Tabellenführer Chemnitzer FC in einem der verrücktesten und dramatischsten Pokalspiele der vergangenen Jahre zustande kam: Die reguläre Spielzeit endete nach einem Eigentor des Mainzers Niko Bungert zum 3:3-Ausgleich für Chemnitz in der 87. Minute, was die zuvor überlegenen Gäste erst in Bedrängnis brachte.

          Die von den sächsischen Gastgebern dominierte Verlängerung endete wiederum mit einem sensationellen Ausgleichstor zum 5:5 durch den Mainzer Mittelfeldspieler Johannes Geis in der allerletzten Sekunde der Nachspielzeit. Geis schoss den Ball von der Mittellinie aus unhaltbar für den verdutzten Schlussmann Philipp Pentke ein, der den Ball zuvor mit einem nur halb gelungenen Abschlag Geis in die Füße gespielt hatte.

          Jara als Wiederholungstäter

          Das Elfmeterschießen bot anschließend eine weitere besondere Pointe: Der einzige Fehlschütze Gonzalo Jara ist nämlich Wiederholungstäter: Schon bei der WM in Brasilien verschoss der Chilene im WM-Achtelfinale im finalen Ausschießen einen Strafstoß, womit das Turnier für Chile endete.

          Danach konnte Anton Fink, der schon in der regulären Spielzeit mit einem Doppelschlag zum zwischenzeitlichen 2:2 (50./53) erfolgreich war, den letzten Elfmeter verwandeln und sein Team zur Pokalsensation führen.

          Last auf Hjulmand

          Der Mainzer Trainer Hjulmand geht nun mit einer gehörigen Last auf den Schultern in die Bundesligasaison, die für Mainz 05 am Sonntag  in einer Woche beim Aufsteiger Paderborn beginnt. „Wir haben bis zum 2:0 ein sehr gutes Spiel gemacht, aber spätestens nach dem 3:3 war das ein typisches Pokalspiel“, sagte Hjulmand. „Meine Mannschaft reagiert derzeit verunsichert auf Rückschläge wie die Tore zum 1:2 und 2:2.“

          Raus mit der Freude: Die Chemnitzer bejubeln den Sieg im Elfmeterschießen

          Der 42 Jahre alte Däne hatte sein Team im Vergleich zur Startaufstellung beim Europapokal-Aus bei Asteras Tripolis gleich auf fünf Positionen verändert. Während er freiwillig auf den wegen leichter Knieprobleme am Training gehinderten Kapitän Nikolce Noveski verzichtete, verwies er auch bis dato unangefochtene Stammspieler wie Johannes Geis oder Julian Baumgartlinger auf die Ersatzbank. „Unser Kader hat mehr als elf Spieler. Ich muss auch die anderen Spieler kennenlernen, dazu brauchte ich dieses Spiel, ich brauche auch noch mehr Zeit und Spiele für wichtige Erkenntnisse“, begründete Hjulmand die zahlreichen Wechsel, die vor allem im Defensivverhalten offenkundig zu vielen Unsicherheiten geführt haben. Dagegen spielte sich sein Team vor des Gegners Tor teilweise in herausragender Manier ein gutes Dutzend Torchancen heraus, die allerdings Shinji Okazaki bisweilen fahrlässig vergab.

          Manager Christian Heidel scheint bislang den gewagten Kurs des Trainers zwischen den Pokalpflichten und der Vorbereitung auf das Kerngeschäft Bundesliga, der nun das Ausscheiden aus zwei Pokalwettbewerben zur Folge hatte, mitzugehen. „Natürlich ist das Ausscheiden sehr enttäuschend. Aber das war heute auch ein Spiel der besonderen Art, über das man noch länger reden wird“, sagte Heidel. „Bei uns fehlt noch die Abstimmung im Defensivspiel, das Verhalten nach Ballverlust muss verbessert werden, weil es in der Bundesliga noch mehr bestraft wird.“ Immerhin, so fügte der Manager mit einem gequälten Lächeln hinzu, müsse er sich nun nicht mehr mit dem Thema Kaderaufstockung wegen möglicher Dreifachbelastung beschäftigen, da sein Team nun nur noch eine Einfachbelastung habe.

          Verunsicherung im Verein

          Eine gewisse Verunsicherung ist im Klub freilich zu spüren: Der Verein, der nach fast acht Jahren Zusammenarbeit mit Jürgen Klopp und fünf Spielzeiten mit Tuchel für Kontinuität auf dem Trainerstuhl steht hatte sich den Übergang von Tuchel zu seinem Nachfolger als leichter erhofft. Einstweilen herrscht indes Verwunderung über das bisweilen zu passive Abwehrverhalten der Mainzer, die sich in den vergangenen Jahren den Ruf als fleißigstes Pressingteam der Bundesliga erworben hatten. Hjulmand scheint den Mainzer Spielstil nun aber mehr verändern zu wollen als anfangs vermutet. Er betont die Kultur des eigenen Ballbesitzes.

          Von einer Trennung vom neuen Coach ist der Klub freilich anders als 2009 noch weit entfernt. Damals hatte Mainz 05 seinem Aufstiegstrainer Jörn Andersen nach dem bislang letzten Erstrundenaus im Pokal noch vor dem ersten Bundesligaspieltag den Laufpass gegeben.

          Der Chemnitzer FC feierte derweil eine der schönsten Erfolge seit der Wende. „Ich glaube nicht, dass es im Stadion viele gab, die schon einmal so viel Spannung, so viel Kurioses, so viel Leidenschaft miterlebt haben“, sagte der Chemnitzer Trainer Karsten Heine. „Nicht das Ergebnis war die Sensation, weil das eben Pokal ist, dass der Kleine den Großen schlägt. Die Sensation war der Spielverlauf.“

          Chemnitzer FC - FSV Mainz 05 5:4 i.E. (5:5,3:3,0:1)

          Schiedsrichter: Ittrich (Hamburg)
          Zuschauer: 10.287
          Tore: 0:1 Zimling (25.), 0:2 Okazaki (49.), 1:2 Fink (50.), 2:2 Fink (53.), 2:3 Koo (73.), 3:3 Bungert (87./Eigentor), 4:3 Ziereis (103.), 4:4 Bungert (109.), 5:4 Kehl-Gomez (119.), 5:5 Geis (120.+2) Elfmeterschießen: 0:1 Geis, 1:1 Garbuschewski, 1:2 Koo, 2:2 Türpitz, Jara gehalten, 3:2 Hofrath, 3:3 Park, 4:3 Kehl-Gomez, 4:4 Brosinski, 5:4 Fink

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