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DFB-Pokal : Kein Wunder auf dem Kiez - Bayern gewinnt glücklich bei St. Pauli

  • -Aktualisiert am

Bye, bye, Bayern? Es hat nicht ganz geklappt Bild: dpa/dpaweb

Der FC St. Pauli war lange das bessere Team, doch Bayern München gewann das Halbfinale im DFB-Pokal am Ende doch deutlich mit 3:0 gegen die Kiez-Kicker aus der Regionalliga. „Das war ein hartes Stück Arbeit“, sagte Bayern-Trainer Magath.

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          Nach einem packenden Fußball-Pokalabend, der wieder einmal beste Werbung für diesen Wettbewerb war, hat der FC Bayern München mit größter Mühe und viel Glück das Finale am 29. April in Berlin gegen Eintracht Frankfurt erreicht.

          Mit einem 3:0-Sieg über den FC St. Pauli zogen die Bayern zum 15. Mal in das Endspiel ein und wollen zum 13. Mal den „Pott“ gewinnen. Sollte das Magath-Team auch die Meisterschale zum zweiten Mal hintereinander holen, wäre dieses Doppel-Double ein Novum im deutschen Fußball.

          Bergmann: „Ein ganz tolles Spiel geliefert“

          Daß sie es überhaupt ins Finale schafften, lag aber nicht an irgend etwas Überzeugendem: Wie der deutsche Meister in der zweiten Halbzeit unter Dauerdruck geriet, wie wenig Spielkultur er zeigte und wie nah der FC St. Pauli mehrfach vor dem Ausgleich stand, kann dem Münchner Trainer Felix Magath gar nicht gefallen haben.

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          „Das war ein hartes Stück Arbeit, das wir aber auch erwartet hatten. Die Mannschaft von St. Pauli hat 90 Minuten gefightet und ein unheimliches Tempo durchgehalten - das hätte ich nicht gedacht“, sagte Magath. „Erst in der Schlußphase haben wir unsere Klasse und Routine ausspielen können“, meinte Manager Uli Hoeneß. Etwas enttäuscht, aber zufrieden mit seinen Männern, war St. Paulis Trainer Andreas Bergmann: „Wir haben heute wirklich ein ganz tolles Spiel geliefert. In der zweiten Halbzeit sind wir hohes Tempo gegangen - daher tut das jetzt weh. Aber wir sind stolz, daß wir so weit gekommen sind.“

          Bedingungsloser Einsatz und mutige Leistung

          Es war alles andere als souverän, wie Bayern das 1:0 von Owen Hargreaves in der 15. Minute über die Zeit brachte. Am Millerntor feierten die Fans des Regionalliga-Klubs ihre „Braunweißen“ für bedingungslosen Einsatz und eine mutige Leistung. Es bleibt ein Rätsel, warum St. Pauli solche Leistungen nicht einmal ansatzweise im Alltag der dritten Liga zeigen kann. Wie die Bayern so sind, werden sie schon an Ostern nicht mehr über die Mühen der Ebene sprechen, die sie am Mittwoch abend in Hamburg durchschreiten mußten, sondern allein den Pokaleinzug als gewohnten Erfolg betrachten.

          Vor dem Spiel hatte Uli Hoeneß mit einem jovialen Zitat die Stimmung bei den Bayern auf den Punkt gebracht: „Es ist nicht so, daß wir die Hosen voll haben vor St. Pauli.“ Hoeneß wirkte in der Bruchbude Millerntor jedoch angespannt, und auch das „Retter“-T-Shirt hatte der als Freund und Gönner des FC St. Pauli bekannte Manager des FC Bayern zu Hause gelassen. Es ging ja auch um den Einzug ins Finale, und die Münchner ahnten wohl, daß sich hier mancher an das 2:1 in der Bundesliga vor vier Jahren erinnerte - nicht wenige hielten die Sensation St. Paulis für möglich. Und das, obwohl der Vertreter aus der Regionalliga zuletzt allenfalls mäßige Leistung im Ligabetrieb gezeigt hatte. Doch das Fluidum unweit der Reeperbahn ist immer noch ein ganz besonderes und stachelt den Underdog regelmäßig gegen ranghöhere Konkurrenz zu großer Leistung an.

          Bayern ohne Sicherheit

          Natürlich spielten die Bayern in Bestbesetzung, als kurz nach halb neun das „Hells Bells“ von AC/DC erklang, die traditionelle Einmarschmusik am Millerntor. Auf dem Weg zum 13. Pokalsieg wollten die Bayern nichts anbrennen lassen. Das merkte man von der ersten Minute an. Sofort bekam der deutsche Meister die Kontrolle über das Spiel, und schon nach 15 Minuten konnte er das erste Mal jubeln. Owen Hargreaves versuchte es aus 25 Metern einfach mal und hatte Erfolg: Sein Schuß konnte der Hamburger Torwart Achim Hollerieth nicht halten. Die Bayern führten 1:0, doch der Stimmung unter den 19.400 Zuschauern im Stadion tat das keinen Abbruch. Merkwürdig war, daß nun nicht etwa die Bayern mehr Sicherheit in ihre Aktionen bekamen, sondern der FC St. Pauli besser in die Partie fand.

          Zuerst gab es noch viel Aufregung um nichts, als Felix Luz ins Abseits lief (25. Minute); der Stürmer stand allein vor Oliver Kahn, aber eben im Abseits. Dann war es der im Hauptberuf als Kommissar tätige Timo Boll, der die Bayern erschreckte: Nach einem Fehler Kahns schoß er den Ball aber am Tor vorbei (29. Minute). Richtig laut und aufregend wurde es für die Fans der „Paulianer“ dann drei Minuten später, als Thomas Meggle aus sieben Metern volley über das Tor der Münchner schoß. Überhaupt wirkten die Gäste in dieser Phase fast gelähmt, wohl doch beeindruckt vom schieren Willen des Außenseiters. Vor allem Timo Schultz und Florian Lechner warfen sich dem übermächtigen Gegner entgegen; erst als Michael Ballack und vor allem der starke Philipp Lahm wieder besser ins Spiel fanden, wurden die Bayern souveräner.

          Kühle Professionalität

          Das führte zu einer großen Möglichkeit für Roy Makaay, doch seinen Schuß aus sieben Metern hielt Hollerieth (33. Minute). Sechzig Sekunden später gab es noch einen schönen Freistoß von Ballack, den aber auch Hollerieth parierte. In derselben Minute stand Michel Mazingu-Dinzey vor Oliver Kahn ganz frei. Der Bayern-Torwart wehrte seinen Volleyschuß aber ab. So ging es beim Stand von 1:0 für den FC Bayern in die Halbzeit. Einen Klassenunterschied zwischen dem Vertreter aus dem Oberhaus und dem notorisch klammen Mitglied der dritten Liga hatte niemand ausmachen können, und als Felix Luz in der 54. Minute köpfte, mußte Kahn eine große Parade zeigen, um den Ausgleich zu verhindern.

          Die Partie nahm an Fahrt auf, und die Fans begannen, an die Sensation zu glauben. Die Bayern ließen nun Kontrolle über das Spiel vermissen und zeigten kaum noch durchdachte Aktionen. St. Pauli rannte an, aber schließlich setzte sich die kühle Professionalität der Bayern durch: Pizarro nutzte in der 84. und in der 90. Minute seine Chancen und traf zweimal. St. Pauli fehlte das notwendige Glück, um nach Berlin zu fahren. Doch wie die Mannschaft von Trainer Andreas Bergmann dem hohen Favoriten Paroli bot, hatte Klasse.

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