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DFB-Pokal in Illertissen : Fußballfest mit Nebenwirkungen

  • -Aktualisiert am

Der Grund für den Zwangs-Umzug nach Augsburg: Eintracht-Fans genießen einen zweifelhaften Ruf Bild: AFP

Der FV Illertissen freut sich zwar auf die Pokalpartie gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag (18.30 Uhr). Aber der Klub fürchtet, dass ihn das Spiel teuer zu stehen kommt. Der DFB hat nämlich eine Austragung in Augsburg erzwungen.

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          Gemischter könnten die Gefühle kaum sein als momentan beim FV Illertissen. Als bestplatzierter Amateurverein Bayerns qualifizierte sich der Fußball-Regionalligaklub erstmals in der Vereinsgeschichte für die erste Runde des DFB-Pokals. Der Jubel war groß - und ließ keineswegs nach, als das Erstrundenlos feststand: Europa-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt.

          FVI-Coach Holger Bachthaler freut sich besonders auf die Partie, da der 38-Jährige vor einigen Jahren unter dem heutigen Eintracht-Trainer Armin Veh beim FC Augsburg kickte. Toni Endler, der Vereinsvorsitzende, spricht von einer „großen Nummer. Die junge Mannschaft der Eintracht spielt einen tollen Fußball“, sagt er. Auf der Homepage der Bayern freut man sich auf ein „Fußballfest“.

          Doch hinter den Kulissen brodelt es. Das Spiel muss am Sonntag (18.30 Uhr / Live im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) in der Augsburger Arena ausgetragen werden - und nicht in Illertissen. Der Austragungsort ist die Ursache für Streitigkeiten: Das Illertissener Vöhlinstadion erfüllte nicht die Sicherheitsbestimmungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Zum Beispiel fehlt eine entsprechende Innenraumumzäunung. Somit war die Suche nach einem alternativen Spielort unvermeidbar. Mit dem nahegelegenen SSV Ulm kam es zu keiner Einigung, und so blieb dem Regionalligaverein nur der Umzug in das fast 100 Kilometer entfernte Bundesligastadion des FC Augsburg.

          Vorstand Endler muss dafür tief ins Portemonnaie greifen: 130.000 Euro sind der Regelsatz für die Tagesmiete der Arena in Augsburg. Illertissen habe zwar einen Freundschaftspreis erhalten, lässt er durchblicken. Dennoch dürfte es sich noch um eine Summe handeln, die einen Regionalligaverein an den Rand des finanziellen Ruins treiben kann. In diese Kerbe schlägt Endler nun: „Wegen der Eintracht müssen wir ausweichen. Sobald Frankfurt-Fans im Anmarsch sind, wird die Begegnung zum Hochsicherheitsspiel ernannt. Dadurch reicht ein Stadion wie unseres nicht mehr aus, und wir müssen umziehen.“ Und das ist in diesem Fall teuer. Im Focus der Kritik stehen die Frankfurter Fans, aber auch der DFB, von dem sich Endler mehr Unterstützung erhofft hatte.

          DFB bietet keine finanzielle Hilfe

          Laut DFB sind die ausgegebenen Mindeststandards die oberste Prämisse, damit ein solches Spiel ohne Ausschreitungen ausgetragen werden könne. Ist dies in einem Stadion nicht sicherzustellen, sei es alleine die Aufgabe des jeweiligen Vereins, sich ein anderes Stadion zu suchen. Der DFB stellt zwar in solchen Fällen Kontakte zu Stadionbetreibern her. Finanzielle Unterstützung hingegen bietet er nicht.

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          DFB-Pokal : Erstrunden-Aus vier Bundesligavereine

          Zum konkreten Fall macht der DFB keine Angaben, allerdings erwähnt der Verband, dass der Verein 100.000 Euro an Fernsehgeldern für diese Erstrundenpartie erhalte. Zudem seien viele andere tiefklassige Vereine sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit, zum Beispiel der BSV Rehden. Um ihr Spiel gegen den FC Bayern München auszutragen, müssen auch die Niedersachsen umziehen: nach Osnabrück. Bereits nach einem Tag waren mehr als 4500 Tickets verkauft.

          Zum Spieltag dürften alle 16.000 Plätze in der Arena belegt sein. Im Gegensatz zu den Münchnern ist die Eintracht allerdings nicht besonders begehrt: Erst 4000 Tickets konnten bisher verkauft werden, Endler hofft, weitere 2000 Abnehmer zu finden - ansonsten rechnet er mit roten Zahlen in der Endabrechnung.

          Ulm verweigert Stadion

          Näher, kleiner und somit günstiger als die AugsburgerArena wäre das Ulmer Donaustadion gewesen. Es liege an den Frankfurter Ultras, dass die Ulmer ihr Stadion nicht zur Verfügung stellten, sagt Endler. In der Tat eilt den Anhängern der Adlerträger ein außerordentlich schlechter Ruf voraus, erst vor einigen Tagen sorgten sie bei einem Testspiel in Luxemburg für Ärger: Im Stadion von Differdingen zündeten sie Feuerwerkskörper, wurden gewalttätig, verletzten einen Ordner. Es ist nur ein Vorfall von vielen in den letzten Jahren. Es gebe zwar keine Vorverurteilung der Eintracht-Fans, so der DFB, doch sehe man durchaus erhöhten Sicherheitsbedarf für das Spiel gegen Illertissen.

          Marc Francis, Fanbeauftragter der Eintracht, sieht die Situation hingegen „ganz entspannt, denn es gibt keine Fankonkurrenz mit Illertissen“. Man plane dennoch seriös, „doch unsere Gefahrenprognose geht gegen null.“ Wie viele Fans der Kategorie C, also gewaltsuchende Zuschauer, mit nach Augsburg reisen, können weder er noch der DFB einschätzen. „Unsere Fans freuen sich einfach darauf, dass es wieder losgeht“, so Francis. Und auch beim FVI wird am Sonntagabend der Sport im Mittelpunkt stehen.

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