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DFB-Pokal am Montag : Drama in Cottbus – Herthas Traum lebt

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Der Cottbusser Fehlschütze Tim Kruse brauchte einigen Trost. Bild: EPA

Die Berliner meistern die erste Hürde auf dem langen Weg ins DFB-Pokal-Endspiel in der eigenen Stadt. Paderborn gewinnt das Duell der Zweitliga-Vereine. Besonders turbulent geht es in Cottbus zu.

          Pflicht erfüllt, die erste Hürde auf dem Weg zum erhofften Finale im eigenen „Wohnzimmer“ genommen: Hertha BSC ist ohne Glanz in die zweite Runde des DFB-Pokals eingezogen. Die Mannschaft von Trainer Pal Dardai gewann am Montagabend 2:1 (1:0) bei Drittliaverein Eintracht Braunschweig und wurde seiner Favoritenrolle in einer insgesamt schwachen Partie nur dank eines wunderschönen Treffers von Nationalspieler Marvin Plattenhardt (38.) sowie der Kaltschnäuzigkeit des Altmeisters Vedad Ibisevic (83.) gerecht. Die Eintracht hoffte nach dem 1:1 durch Mergim Fejzullahu kurzzeitig auf die Verlängerung.

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          Damit dürfen die Hertha-Fans weiter auf das ersehnte Pokal-Endspiel zu Hause im Olympiastadion hoffen. Von einem Auftritt „im eigenen Wohnzimmer“ träumt Dardai seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren. Nun sind die Hauptstädter immerhin schon einmal einen Schritt weiter, aber in der Vorsaison war dann auch bereits in der 2. Runde Schluss. Fünf Tage vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Aufsteiger 1. FC Nürnberg war die Eintracht nicht mehr als ein Sparringspartner für Berlin. Zu selten war in der Partie ein Klassenunterschied auszumachen, allerdings entschädigte allein Plattenhardt mit seinem Tor auch für viel Leerlauf. Der 26-Jährige traf per Volleyabnahme nach einer Faustabwehr von Eintracht-Torhüter Marcel Engelhardt aus rund 25 Metern – der Ball senkte sich unhaltbar ins rechte obere Toreck.

          In der Schlussphase wurde es dann aber noch einmal hektisch – doch Ibisevic schockte die Eintracht-Fans mit seinem Mittelstürmer-Instinkt. Nur Sekunden zuvor hatte Fejzullahu zum verdienten 1:1 getroffen. Doch vor allem in der Anfangsphase boten beide Teams den 16.710 Zuschauern nur wenig Unterhaltsames. Die Eintracht beschränkte sich nach dem ausgesprochen schwachen Start in der 3. Liga (Platz 18) zunächst vor allem auf die Defensive, der Hertha fehlten lange die nötige Spritzigkeit und die Ideen, um diesen Riegel zu knacken. Die erste Möglichkeit erspielten sich die Gäste erst in der 31. Minute, als Ibisevic einen Kopfball nach einer Flanke von Valentino Lazaro über die Latte setzte. Die mitgereisten Berliner Fans sorgten hingegen für mehr Aufregung: Wiederholt brannten sie Pyrotechnik ab und zündeten Böller.

          Erstaunlicherweise sorgte das Traumtor von Plattenhardt nicht für viel mehr Souveränität im Spiel des Favoriten, bei dem der vom FC Liverpool geholte Marko Grujic noch nicht im Kader stand. Die Hertha-Abwehr offenbarte erstaunlich viele Lücken, die limitierten Braunschweiger kamen zu einigen guten Möglichkeiten. So köpfte Mittelstürmer Philipp Hofmann Berlins Jordan Torunarigha unglücklich an den Rücken – Torwart Rune Jarstein wäre da wohl machtlos gewesen (51.). Später traf Hofmann dann nur den Pfosten (74.). Die Berliner hatten ihre Besten in Ondrej Duda und Plattenhardt, bei Braunschweig überzeugten noch Jonas Thorsen und Niko Kijewski.

          Ausgerechnet Nils Petersen hat den SC Freiburg auf den Tag genau zwei Jahre nach seinem Fehlschuss im Olympia-Finale von Rio bei seinem früheren Klub Energie Cottbus zum Sieg im Pokal-Krimi geführt. Petersen traf für den Bundesligaverein beim 7:5 (2:2, 1:1, 0:0) nach Elfmeterschießen im Erstrunden-Duell vom Punkt und half damit entscheidend, eine dicke Blamage beim Drittliga-Aufsteiger zu verhindern.

          Petersen, der am 20. August 2016 beim 5:6 gegen Brasilien den vorentscheidenden Elfmeter vergeben hatte, verschoss am Montag bereits in der Verlängerung einen Strafstoß, traf im Nachsetzen per Kopf aber zum zwischenzeitlichen 2:1 (99.). Im Elfmeterschießen verwandelte Petersen als erster Schütze aber sicher. Fabio Viteritti (103.) beförderte Cottbus noch ins Elfmeterschießen. Der Brasilianer Marcelo de Freitas Costa (46.) hatte Energie zunächst in Führung gebracht, Mike Frantz (90.+1) kurz vor Ende der regulären Spielzeit ausgeglichen.

          Hertha hat Mühe, kommt aber eine Runde weiter.

          Der SC Paderborn entschied das Zweitliga-Duell gegen den FC Ingolstadt für sich. Der Aufsteiger gewann die Neuauflage des Pokal-Achtelfinales der vergangenen Saison (1:0) gegen die Schanzer mit 2:1 (2:0). Mann des Spiels war Doppel-Torschütze Uwe Hünemeier (34./44.). Die Gäste starteten zwar etwas besser in die Partie, doch im Laufe der ersten Spielhälfte übernahmen die Paderborner vor 9427 Zuschauern in der Benteler-Arena das Kommando. Christopher Antwi-Adjej hatte die Führung nach einer halben Stunde auf dem Fuß, der 24-Jährige scheiterte aber alleinstehend vor dem österreichischen Torhüter Marco Knaller.

          Kurz darauf durften die Gastgeber aber jubeln: Antwi-Adjej bediente Hünemeier mit einer Maßflanke, der Innenverteidiger brachte den Ball mit einem sehenswerten, aber abgefälschten Volleyschuss im Tor unter. Zehn Minuten später schlug der 32-Jährige erneut zu. Nach einem Eckball setzte er sich gegen drei Verteidiger im Luftkampf durch und schnürte per Kopf seinen Doppelpack. Sonny Kittel (76.) sorgte mit einem platzierten Freistoß ins Torwarteck noch einmal für Spannung, der Ausgleich gelang aber nicht mehr.

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