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Vor Pokal-Halbfinale gegen BVB : So dringend suchen die Bayern eine Führungskraft

Altmeister vor dem Abschied: Noch ist nicht zu erkennen, wer beim FC Bayern den Stabilisator Philipp Lahm ersetzen wird. Bild: AP

Jetzt hat es auch den Rekordmeister erwischt: Vor dem Pokal-Halbfinale gegen Dortmund wankt der FC Bayern wie lange nicht mehr. Das liegt vor allem an der seit Jahren gleich praktizierten Art der Suche nach neuen Spielern.

          Die Stellenausschreibung könnte folgendermaßen aussehen. Gesucht: Führungskraft, internationale Erfahrung, Alter Mitte bis Ende zwanzig. Deutschkenntnisse von Vorteil. Bewerbungen bitte an: FC Bayern, Säbener Straße, München.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          In Wirklichkeit bewirbt man sich natürlich nicht bei dieser edlen Adresse. Man wird angeworben. Doch bei seiner gewohnt hochklassigen Personalpolitik steht dem führenden deutschen Fußballklub wohl eine Notwendigkeit zur Neujustierung bevor, die vor dem sechsten Pokalduell binnen sechs Jahren gegen Borussia Dortmund doch etwas überraschend kommt.

          Dortmund gegen Bayern – ein Dauerbrenner im DFB-Pokal Bilderstrecke

          Dass den Dortmundern nach den Abgängen ihrer Stützen Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrich Mchitarjan eine Saison mit größeren Schwankungen bevorstand, war erwartet worden. Nun aber hat das zumindest am Ende auch die Bayern erwischt. Beide Teams waren bisher neben den Treffern ihrer Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang und Robert Lewandowski vor allem von zwei völlig unterschiedlichen Altersgruppen abhängig: die Dortmunder von Teenagern wie Ousmane Dembélé und Christian Pulisic, die Bayern von Mittdreißigern wie Philipp Lahm, Xabi Alonso, Arjen Robben und Franck Ribéry.

          Wenn die Altmeister fehlten oder, wie im Hinspiel gegen Real Madrid, an ihre Grenzen stießen, zeigte sich niemand anderes im Team, um die Führungsrolle zu übernehmen. Kein gutes Zeichen für die Zukunft, in der die Münchner schon in der kommenden Saison ohne Lahm und Alonso auskommen müssen und nicht wissen, wie lang die Energie und Fitness von Robben und Ribéry sich konservieren lassen.

          Der „Führungsspieler“ ist ein uralter Fußballmythos. Was genau er ist, weiß niemand. Aber jeder sieht es, wenn er fehlt. Früher machte man sein Wirken gern an plakativen, ja aggressiven Gesten fest, am Revierverhalten von Alphatieren. Das hat sich geändert. Die innere Führung der besten Teams geschieht nun zivilisierter, durch Spieler, die eher etwas Unsichtbares beisteuern. Sie strahlen Autorität und Ruhe aus, lenken Richtung und Tempo des Spiels und machen die anderen schon durch ihre Anwesenheit besser. All das tun sie möglichst im „besten Alter“, in dem Jugendlichkeit und Reife, Enthusiasmus und Erfahrung im richtigen Verhältnis stehen.

          Dass den Dortmundern nach dem Aderlass des letzten Sommers so etwas fehlen würde, war bekannt. Man sieht nun, wie sehr sie zum Beispiel mangels Alternativen von einem gereiften Solisten wie Marco Reus profitieren – mit dessen Rückkehr nach sechswöchiger Verletzungspause gerade wieder Schwung und Glauben ins Team zurückgekehrt ist. Auf Bayern-Seite hätte ein Thomas Müller das richtige Alter und die nötige Präsenz, Intelligenz, Eloquenz, um ein Team zu führen. Doch spielt er bisher die schwächste Saison seiner Profikarriere. Und gerade einem Spieler, dessen Stärken List und Lust sind, droht man die nötige Unbefangenheit zu nehmen, wenn er auch für die anderen verantwortlich sein soll.

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