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Borussia Mönchengladbach : Die schwierige Lage vor dem Bayern-Spiel

  • -Aktualisiert am

„In dieser Form können wir gegen Bayern nicht spielen“: der Gladbacher Trainer Adi Hütter Bild: Sportphoto by Laci Perenyi

Die Borussia plagt vor dem Pokal-Hit gegen die Münchner Probleme. Zu oft schon sind die begabten Gladbacher in dieser Saison hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Auch der Trainer gerät unter Druck.

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          Euphorie ist wahrlich nicht ausgebrochen in Mönchengladbach, als der Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe der Borussia vom Niederrhein im August den FC Bayern München als Gegner für die zweite Runde im DFB-Pokal zugelost hat. Schließlich sehen die Gladbacher in diesem Wettbewerb realistische Chancen, erstmals nach 1995 wieder einen bedeutenden Titel gewinnen zu können.

          DFB-Pokal

          Gleich in der zweiten Runde an diesem Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, in der ARD und bei Sky) auf den unbestreitbar stärksten Mitbewerber zu treffen lässt sich getrost als Pech bezeichnen. Die Münchner seien das „Nonplusultra“, sagt Trainer Adi Hütter. Aber vielleicht ist ein besonders prominenter Gegner auch ganz gut für dieses Team, dessen Leistungen oftmals schwer zu verstehen sind. Selbst der Münchner Trainer Julian Nagelsmann, der aufgrund seiner Covid-Erkrankung auch in Mönchengladbach fehlen wird, nennt die Borussia vor dem Duell „skurril“.

          Die besten Saisonspiele hat Gladbach gegen die stärksten Gegner bestritten, beim 1:1 am ersten Spieltag gegen den FC Bayern zum Beispiel. Und beim Sieg gegen den BVB Ende September. Manches deutet darauf hin, dass die Borussia die größten Herausforderungen braucht, um ihren besten Fußball zu spielen, was Fragen zum Charakter und zur Arbeitshaltung der Mannschaft aufwirft. „In dieser Form können wir gegen Bayern nicht spielen“, sagt Hütter nach der Niederlage bei Hertha BSC am vorigen Wochenende. So neu der Trainer ist, so vertraut sind die Nachlässigkeiten gegen Klubs, die nicht zur obersten Leistungskategorie zählen.

          Hütter gerät unter Druck

          Schon in der vergangenen Saison wurde das Team für hinreißende Champions-League-Spiele gegen Inter Mailand und Real Madrid gefeiert, in der Liga wurden die Teams aus München, Dortmund sowie Leipzig besiegt. Zugleich verspielte die Borussia in vielen kleinen Alltagsduellen gegen den FC Augsburg, 1899 Hoffenheim oder Mainz 05 die Qualifikation für den Europapokal.

          Wie schon sein Vorgänger Marco Rose wirkt auch Hütter etwas hilflos angesichts dieser Dynamik, nimmt seine Spieler jedoch in Schutz. Der Trend sei okay, sagt er, „wir verteidigen ganz gut, wir lassen wenig zu in den vergangenen fünf Spielen“. Eine echte Erklärung für die insgesamt nur elf Punkte aus neun Spielen, mit denen Gladbach auf dem enttäuschenden zwölften Tabellenplatz steht, hat er jedoch nicht. So langsam gerät auch der neue Trainer unter Druck.

          Am Dienstag kritisiert er ungefragt einen Journalisten, der in einem Text mutmaßt, dass Kapitän Lars Stindl sowie Stürmer Breel Embolo ihren Platz in der Startelf verlieren würden. „Hütter rasiert zwei Topstars“ stand über dem Artikel, er rasiere niemanden stellt der Trainer nun zornig klar. Das ist einerseits verständlich, aber an einem funktionierenden Gefüge mit einem guten Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und Spielern perlen solche Aufgeregtheiten des Boulevards normalerweise ab.

          Doch in Gladbach ist die Stimmung offenbar angespannt, denn niemand scheint wirklich zu wissen, was dieses Team dazu bringen kann, konstanter starke Leistungen zu zeigen. Torhüter Yann Sommer sagt in einem Interview mit dem Kicker, dass die Mannschaft „ein bisschen Zeit gebraucht“ habe, um die Vorstellungen des neuen Trainers zu verinnerlichen, Hütter selbst hat hingegen einmal erklärt, dass er eigentlich ganz ähnliche Dinge erwarte wie sein Vorgänger Rose.

          Diffizile Lage für Gladbach

          Die beiden Siege gegen den BVB und in Wolfsburg waren beeindruckend, es folgten ein Unentschieden gegen den VfB Stuttgart und die Niederlage in Berlin, wo Jonas Hofmann für einen Moment die Contenance verliert: „Wenn man unter die ersten sechs möchte, dann geht es nicht, dass du dir so ein Tor fängst. Das geht mir auf gut Deutsch gesagt ehrlich auf den Sack.“

          Diese Sorte Ärger gehört derzeit zum Gladbacher Alltag, was verblüfft, weil Hütter eigentlich ein besonders versierter Experte für Teams ist, die Mühe haben, regelmäßig an ihrer Leistungsgrenze zu spielen. Der Österreicher ist Mitautor eines vor einigen Jahren erschienenen Buches mit dem Titel „Die 11 Gesetze der Motivation im Spitzenfußball“, kürzlich hat er das Werk „Teamgeist: Wie man ein Meisterteam entwickelt“ nachgelegt. Der frühere Frankfurter ist also Spezialist für Fälle wie die Borussia, deren Potential sich irgendwie nicht entfalten mag. Zumindest in der Theorie. Und dennoch wäre es ungerecht, Hütter die Hauptverantwortung für die unbefriedigende Gegenwart zu geben. Der ganze Klub befindet sich in einer diffizilen Situation.

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          DFB-Pokal kompakt : Dramatischer Abend mit Wendung und Nachschlag

          Eigentlich sieht das Geschäftsmodell nämlich vor, dass einige der besten Gladbacher nach guten Jahren mit Europapokalteilnahme einen Schritt auf die nächsthöhere Ebene machen. Für die aufregendsten Talente ist der Klub ein Sprungbrett, und Sportdirektor Max Eberl kann mit dem eingenommenen Geld eine Kaderauffrischung vornehmen. Auch im vergangenen Sommer waren etliche Spieler Gegenstand von Spekulationen auf dem Transfermarkt, am Ende blieben alle.

          Weil die Borussia im laufenden Jahr überdies an keinem Europapokal teilnimmt, ist das Potential für Frustrationen groß. „Wenn einer traurig ist, dass er sich nicht auf der internationalen Bühne präsentieren kann, dann soll er dazu beitragen, dass das im nächsten Jahr wieder anders ist“, hat Eberl neulich gegenüber der Süddeutschen Zeitung geschimpft. Dass die Mannschaft gegen besonders prominente Gegner besonders stark spielt, passt gut zu der Annahme, mancher Profi glaube, eigentlich zu groß für die Borussia geworden zu sein. Den Münchnern wird das allerdings kaum helfen, Duelle mit dem Rekordmeister sind für jeden eine echte Herausforderung.

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