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Sieg im DFB-Pokal : Getanzt wird später bei Mainz 05

  • -Aktualisiert am

Huckepack in die nächste Runde: Marcus Ingvartsen auf dem Rücken von Adam Szalai Bild: dpa

Nach nervenzehrenden 120 Spielminuten setzt sich der FSV Mainz 05 gegen Arminia Bielefeld im DFB-Pokal durch. Trainer Bo Svensson sieht trotz des Erfolgs allerdings Mängel im Spiel seines Teams.

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          Wer Bo Svensson während der Pressekonferenz ins Gesicht sah, ohne das Ergebnis des vorangegangenen DFB-Pokalspiels zu kennen, wäre wohl kaum auf die Idee gekommen, dass seine Mannschaft eben ihr Zweitrundenpokalspiel gegen Arminia Bielefeld gewonnen hatte. Sicher, kurz vor Mitternacht mochte es ein wenig der Müdigkeit und nervenzehrenden 120 Spielminuten geschuldet sein, dass der Trainer des FSV Mainz 05 nicht ausgelassen auf dem Podium tanzte und seiner Begeisterung freien Lauf ließ. Doch auch seine Miene befand sich nicht im Einklang mit dem späten Satz: „Ich freue mich sehr über den Sieg.“

          DFB-Pokal

          Das war ein ordentlicher Kontrast zu dem, was sich auf dem Rasen und den Tribünen der Arena am Europakreisel zugetragen hatte. Dort draußen war die Stimmung fünf Minuten vor dem Ende der Verlängerung so sehr explodiert, wie das bei 9000 Zuschauern möglich ist. Marcus Ingvartsens 19-Meter-Schuss zum 3:2-Siegtreffer löste eine Eruption aus, als sich die meisten Beobachter wohl schon darauf eingestellt hatten, sich erst nach einem Elfmeterschießen auf den Heimweg zu machen.

          „Es ist ein tolles Gefühl, ein so wichtiges und entscheidendes Tor zu erzielen“, sagte der Däne. Und nicht nur entscheidend war es, sondern auch in seiner gesamten Entstehung herausragend. Ádám Szalai, wie Ingvartsen in der zweiten Halbzeit eingewechselt, hatte einen Ball in die Spitze mit dem rechten Außenrist zu dem in seinen Rücken laufenden Ingvartsen regelrecht weitergestreichelt, und der Mainzer Neuzugang schoss die Kugel in den linken oberen Winkel – da mochte sich der exzellent haltende Stefan Ortega im Bielefelder Tor noch so strecken.

          Svensson: „Teilweise gut“ gespielt

          Svensson vergaß später nicht, auf den bemerkenswerten Aspekt hinzuweisen, dass alle drei Tore aus Koproduktionen des jeweiligen Sturmduos entstanden waren. Das 1:1 hatte Jonathan Burkardt nach einer Flanke von Karim Onisiwo geköpft, das 2:1 Onisiwo nach flacher Hereingabe von Burkardt erzielt. Als diese beiden Mitte der zweiten Halbzeit vom Feld gingen, zudem Jean-Paul Boëtius, der mit seine Pässen viele Angriffe eingeleitet hatte, darunter den zur Führung, kamen den Mainzern für längere Zeit Ballbehauptung und Tempo abhanden. Bis zum zweiten Durchgang der Verlängerung brauchten sie, um nach vorne wieder eine klare Linie zu finden.

          Mit Ball habe sein Team „teilweise gut“ gespielt, sagte Svensson. Dass der Torchancenfülle der eine oder andere erfolgreiche Abschluss mehr hätte entspringen können, stand auf einem anderen Blatt. Aber zum einen war da besagter Ortega davor, und zum anderen konnten die Bielefelder ein ähnliches Klagelied anstimmen – nur noch etwas trauriger.

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          Sie waren in diesem temporeichen Pokalfight, der sich vom Anpfiff weg als offener Schlagabtausch zweier auf Sieg spielender Mannschaften entpuppte, mit etlichen hochklassigen Chancen am nicht minder starken Robin Zentner gescheitert. „Dass die Torhüter in 120 Minuten einiges zu tun bekommen, ist irgendwie klar“, sagte der Mainzer Schlussmann und lobte sein Gegenüber. „Wenn jemand anderes im Bielefelder Tor gestanden hätte, wäre uns die Verlängerung möglicherweise erspart geblieben.“

          Das hätte auch ein besseres Defensivverhalten bewirken können. „Wenn man das erste Gegentor sieht, bei dem wir nicht umschalten und einige Spieler nicht durchlaufen, muss man kein Experte sein, um das nicht gut genug zu finden“, kritisierte Svensson, dem die Arbeit gegen den Ball über weite Strecken missfiel.

          Schon in vorderer Linie, wo die Stürmer besser hätten anlaufen können, beim defensiven Umschalten gegen die langen Bälle der Arminia sowie im Zweikampfverhalten. „Wir müssen einige Sachen besprechen, so können wir uns nicht präsentieren“, sagte der 05-Trainer. „Es gab viele Dinge, die wir nicht sauber gemacht haben, und es ist mein Job, die Mannschaft darauf aufmerksam und ein Stück besser zu machen.“ Getanzt wird dann ein anderes Mal.

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