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DFB-Pokal : Der Karlsruher SC bastelt an der Zukunft

  • -Aktualisiert am

Der KSC kniet sich rein - Rouwen Hennings gibt ein Beispiel dafür Bild: dpa

Der Karlsruher SC will wieder nach oben. Um eine erstklassige Zukunft ins Auge fassen zu können, fehlt es dem Verein jedoch an einer wichtigen Geschäftsgrundlage. Wolfsburg gastiert im DFB-Pokal (20.30 Uhr) noch im alten Wildpark-Stadion.

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          Inzwischen sind sogar die Fußabdrücke von Kurt Sommerlatt verewigt. Der alte Herr aus Karlsruhe ist einer von dreizehn Pokalhelden, der Spuren hinterlassen hat und am Berliner Olympiastadion Teil eines neudeutschen „Walk of Fame“ ist. Hollywood lässt grüßen, auch wenn Sommerlatt ganz und gar nichts von einem ehemaligen Fußballstar an sich hat.

          Der 85 Jahre alte Inhaber eines Sportgeschäfts hat aber dennoch ein Kapitel der jahrezehntealten Pokalgeschichte geschrieben, ist er doch bis heute der einzige Spieler geblieben, der dreimal nacheinander das Goldstück des Deutschen Fußball-Bundes in Händen hielt: 1955 und 1956 als Vertragsspieler des Karlsruher SC, 1957 in Diensten des FC Bayern München. Eine Erfolgsgeschichte, die seinerzeit, als der Jubel um die „Helden von Bern“ abgeklungen war, keine Schlagzeilen machte. „Der Pokalwettbewerb“, sagt Sommerlatt heute, „ist neben der Meisterschaft hergehumpelt.“

          Das ist seit ein paar Jahren ganz anders, da auch in dieser für Amateure und Profis offenen Konkurrenz Millionen ausgeschüttet werden und der Endspielort Berlin längst zu einem Traumziel am Ende einer langen Fußballsaison geworden ist. Sommerlatts Karlsruher rechnen sich zu Beginn der neuen Pokalrunde an diesem Wochenende zumindest eine Chance aus, zu den kleinen Helden eines heißen Sommerwochenendes gehören zu können.

          Sie haben im vorigen August, damals zum Entsetzen der vielen Anhänger dieses Traditionsvereins in die dritte Liga abgestiegen, den sportlich gesehen längst nicht mehr großen Hamburger SV daheim im Wildparkstadion 4:2 besiegt - ein Kunststück, das der in die Zweite Bundesliga zurückgekehrte KSC an diesem Samstag (20.30 Uhr / Live im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) gegen den Bundesliga-Werksklub VfL Wolfsburg am selben Ort wiederholen möchte.

          „Damit sind wir auf Dauer nicht konkurrenzfähig“

          An Selbstbewusstsein wird es den Nordbadenern gewiss nicht fehlen. Das lebt schon deren kerniger Trainer, der gebürtige Gelsenkirchener Markus Kauczinski, glaubwürdig vor. „Wir wissen, was die Wolfsburger können und was sie nicht können“, sagt der 43 Jahre alte Fußballlehrer, „wir haben eine gute Struktur und viel Leidenschaft in unserem Spiel, das macht uns auch für Wolfsburg gefährlich.“

          Der Drittligameister hat seine beiden ersten Zweitligapunktspiele mit einem 1:0-Erfolg beim FSV Frankfurt und einem 0:0 gegen den FC St. Pauli unbeschadet überstanden und auch eine Klasse höher die defensiven Qualitäten ausgespielt, die den KSC schon in den Niederungen des Profifußballs auszeichneten. „Mit guter Arbeit“, sagt Kauczinski, „kann man auch individuelle Schwächen wettmachen.“

          Das Bild mit den Neuzugängen ist fast so groß wie ein Mannschaftsbild
          Das Bild mit den Neuzugängen ist fast so groß wie ein Mannschaftsbild : Bild: dpa

          Und überhaupt: Dahin, wo die Wolfsburger seit Jahren sind, wollen auch die Karlsruher möglichst rasch zurückkehren: in die erste Liga, der sie in fünfzig Jahren Bundesliga immerhin 24 Jahre angehörten. Zunächst will sich der KSC trotz eines Mini-Etats von 6,5 Millionen Euro für die Lizenzspielerabteilung in der zweiten Liga fest etablieren - möglichst ohne in Gefahr zu geraten.

          Um eine erstklassige Zukunft realitätsbewusst ins Auge fassen zu können, fehlt es dem Verein mit starker regionaler Konkurrenz (1899 Hoffenheim, SC Freiburg, 1. FC Kaiserslautern) jedoch an einer wichtigen Geschäftsgrundlage, einem erstklassigen Stadion. „Der Wildpark“, sagt der vor vier Wochen gekommene neue Sportdirektor Jens Todt, „hat ja was, aber das Stadion ist nicht mehr zeitgemäß. Damit sind wir auf Dauer nicht konkurrenzfähig.“

          Die Grenzen des eigenen Wachstums

          Seit Jahren wird in Karlsruhe über den Umbau der jetzigen Arena oder einen Neubau diskutiert, der entweder in Autobahnnähe (hierfür gibt es zwei Modelle) oder im Wildpark auf dem Areal des alten Stadions Gestalt annehmen soll. Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), der am 1. März in der Karlsruher Oberbürgermeisterwahl seinen CDU-Gegenspieler und KSC-Präsidenten Ingo Wellenreuther deutlich besiegte, will sich im Herbst mit dem Karlsruher SC verständigen und dann eine Entscheidung des Gemeinderats herbeiführen.

          Die Stadt, heißt es, favorisiere den Standort Wildpark, der Verein ist für einen Umzug entweder an die Autobahnausfahrt Karlsruhe-Durlach, wo die Kosten für einen Neubau auf 300 Millionen Euro taxiert werden, oder in die Nähe der Autobahnausfahrt Karlsruhe-Nord, wo das Stadionprojekt für 180 Millionen Euro Gestalt annehmen soll.

          Sportdirektor Jens Todt war zuletzt in Bochum tätig
          Sportdirektor Jens Todt war zuletzt in Bochum tätig : Bild: dpa

          Ein neues Wildparkstadion käme nach bisherigen Berechnungen auf 120 Millionen Euro, doch macht der Klub geltend, dass dort mit einem Einnahmenminus von circa drei Millionen Euro per annum im Vergleich zu den beiden anderen Modellen sowie mit zu wenigen Parkplätzen und Sicherheitsproblemen bei der Trennung der Fan-Gruppierungen zu rechnen sei. Sicher ist: Der gerade wieder aufgestiegene Karlsruher SC erkennt beim Blick auf die eigene Spielstätte auf Anhieb die Grenzen des eigenen Wachstums. Der Pokal-Besuch des VfL Wolfsburg mutet deshalb auf den ersten Blick nur wie die Erinnerung an die gute alte Zeit an.

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