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DFB-Pokal der Frauen : Bayern gieriger als der FFC

  • -Aktualisiert am

Unterlegen wie im Ligaspiel: Der FFC Frankfurt scheitert im DFB-Pokal an Bayern München Bild: Picture-Alliance

Der FFC Frankfurt muss erstmals in einem Achtelfinale ein Gegentor hinnehmen und verliert in München. Das Comeback von Spielmacherin Dzsenifer Marozsan ist da nur ein schwacher Trost. Trainer Bell fürchtet um die Saisonziele.

          Die Wasserflasche musste daran glauben. Mit einer gehörigen Portion Wut warf sie Simone Laudehr, rumms, in den Getränketräger. Die Nationalspielerin vom FCC Frankfurt musste danach erst noch mit einem Betreuer und ihrer Teamkollegin Ana-Maria Crnogorcevic die Partie analysieren, ehe sie in der Kabine verschwand. Die Mannschaft hatte sich soeben aus dem ersten Wettbewerb der Saison verabschiedet, 0:2 im Achtelfinale des Pokals bei den Meister-Frauen des FC Bayern verloren, mit einer Leistung, die nicht nur Simone Laudehr verärgerte.

          Mit Blick vor allem auf die bevorstehenden Champions-League-Auftritte gegen den LSK Kvinner mahnte der Frankfurter Trainer Colin Bell: „Wenn wir so spielen wie heute, ist die Saison für uns Ende November vorbei.“ In der Bundesliga liegt Frankfurt schon sechs Punkte hinter dem in der Meisterschaft seit eineinhalb Jahren ungeschlagenem FC Bayern, ist zusammen mit drei anderen Mannschaften allerdings immer noch Verfolger des Spitzenreiters.

          Verdiente Niederlage

          Dass die Frankfurterinnen nach 15 vorangegangenen Achtelfinals mit einer Bilanz von 59:0 Toren zum ersten Mal in der Klubgeschichte in diesem Stadium des Wettbewerbs einen Gegentreffer hinnehmen mussten, wäre womöglich noch zu verschmerzen gewesen, hätten sie am Sonntag im Grünwalder Stadion an die Leistung vom Bundesliga-Duell mit den Münchnerinnen eine Woche zuvor anknüpfen können. Das hatten die Champions-League-Siegerinnen daheim zwar 0:1 verloren, aber, wie sogar der Gegner zugeben musste, etwas unglücklich. „Dieses Mal war es verdient“, stellte Bell fest.

          Die Münchnerinnen schafften es anders als in Frankfurt, das Spiel zu gestalten und druckvoll zu agieren. „Wir waren von der ersten Minute an sehr, sehr gierig“, stellte Bayern-Trainer Thomas Wörle fest. Für die Hessinnen ist der Meister ohnehin so etwas wie ein Pokalschreck; drei der letzten vier Partien verloren sie, nur im vergangenen Dezember bezwangen sie die Münchnerinnen. „Wir wollten eigentlich den Schwung aus dem guten Bundesligaspiel mitnehmen, aber das ist nicht gelungen, und Bayern hat jeden unserer Fehler genutzt.“ Im Champions-League-Achtelfinale gegen Kvinner müsse seine Mannschaft mehr „Aggressivität und Griffigkeit vor dem Tor“ zeigen, sonst habe man gegen die körperbetonten Norwegerinnen keine Chance.

          Die Serie ohne Pokal-Gegentor für Frankfurt beendete Vivianne Miedema in der 14. Minute mit einem feinen Schuss in den Winkel. In der 39. Minute legte Bayern-Kapitänin Melanie Behringer nach, aus gut 17 Metern traf sie zum 2:0, ebenfalls in den Winkel und deshalb unhaltbar für Anne-Kathrine Kremer im Frankfurter Tor. Bells Spielerinnen kamen erst nach einer knappen Stunde, als die Münchnerinnen, wie Trainer Wörle zugab, „den Fuß vom Gas nahmen“, zu ihrer ersten Chance. Den Distanzschuss von Mandy Islacker lenkte die Münchner Torhüterin Tinja-Riikka Korpela an die Querlatte. Bis dahin hatte die beschäftigungslose Finnin aus Langeweile zwischendurch weit vor ihrem Tor ein paar Aufwärmübungen absolviert.

          Comeback von Marozsan

          Die Frankfurter Offensivschwäche zieht sich schon durch die ganze Saison. In der Bundesliga kamen sie bisher erst auf sieben Tore, vor einem Jahr hatten sie nach den ersten sieben Spieltagen gut dreimal so oft getroffen. Bell sieht einen Grund dafür in der längeren Abwesenheit zwei seiner wichtigsten Kreativkräfte. Simone Laudehr fehlte zu Saisonbeginn ebenso wie Dzsenifer Marozsan, die am Sonntag nach ihrer Knöchelverletzung ihr erstes Spiel bestritt – etwas überraschend, denn noch vor ein paar Tagen hatte es geheißen, dass die Nationalspielerin erst in ein paar Wochen zurückkehren könne. „Wir wollten keinen Druck machen und unnötig Hoffnung schüren“, sagte Bell. Aber zuletzt habe Dzsenifer Marozsan gut trainiert, „sie war so weit, dass sie jetzt spielen kann“.

          Die dringend notwendigen Impulse für das Kreativspiel konnte sie in München allerdings noch nicht geben nach ihrer mehrmonatigen Pause. „Sie braucht noch ein paar Spiele“, weiß Bell. Aber wichtig sei für ihn, „dass wir jetzt mehr Alternativen haben“. Früher oder später „wird sie unserem Spiel gut tun“. Angesichts der Frankfurter Abschlussschwäche und kreativen Defizite besser früher, vielleicht schon am Mittwoch gegen Kvinner.

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