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Elfmeter-Krimi gegen Gladbach : Bielefeld erkämpft die nächste Pokal-Sensation

  • -Aktualisiert am

Die Arminen können ihr Glück kaum fassen. Bild: Reuters

Der Drittligaklub steht im Pokal-Halbfinale: Im Elfmeterschießen besiegt Arminia Bielefeld das Bundesliga-Spitzenteam aus Mönchengladbach. Während die Offensive der Borussia lahmt, wachsen die Ostwestfalen über sich hinaus.

          Am Anfang überraschte der Drittliga-Tabellenführer Arminia Bielefeld den Bundesliga-Dritten Borussia Mönchengladbach im Viertelfinalspiel des DFB-Pokals; am Ende schaffte der unterklassige Traditionsklub aus Ostwestfalen die Sensation. Nach einem 1:1 über 120 Minuten nach Toren von Junglas (26. Minute) und Kruse per Handelfmeter (32.) bewahrten die abgebrühten Bielefelder auch im Elfmeterschießen die Nerven und setzten sich bei den Schüssen vom Punkt 5:4 gegen die konsternierten Rheinländer durch.

          Torhüter Schwolow, schon beim entscheidenden Elfmeterschießen gegen Hertha BSC in der zweiten Pokalrunde der Held des Abends, parierte den letzten Strafstoß von Traoré und bescherte seinem Klub damit das Halbfinale am 28. oder 29. April plus eine weitere Einnahme von rund zwei Millionen Euro.

          Führung für den Außenseiter: Torschütze Manuel Junglas (Mitte) jubelt über sein 1:0. Bilderstrecke

          Die Arminia, auf dem besten Weg zurück in die Zweite Bundesliga, hat sich nach 2005 und 2006 zum dritten Mal in ihrer Vereinsgeschichte für ein Halbfinale um den DFB-Pokal qualifiziert. Sie verdiente sich diesen Erfolg durch ihre couragierte, disziplinierte und aufopferungsvolle Spielweise gegen einen spielerisch zwar besseren, aber an diesem Mittwoch ziemlich einfallslosen Gegner.

          Das Bielefelder Pokalmärchen geht also weiter, nachdem die Mannschaft von Trainer Norbert Meier nun schon drei Bundesliga-Teams, die Hertha, Werder Bremen und Mönchengladbach, besiegt hat. „Dieser Sieg hat einen unfassbar hohen Wert“, sagte Kapitän Fabian Klos. Die Fans auf der Südtribüne der ausverkauften Alm sangen schon Lieder vom Europapokal – bei Erfolgen wie denen gegen die Borussia darf man eben gern auch mal übertreiben.

          Sämtliche Klassenschranken waren in diesem Duell vor der Pause aufgehoben. Die Gladbacher konnten sich auf ihre Ballbesitzquote von 72 Prozent nichts zugutehalten, da die Arminen torgefährlicher, umstandsloser und entschlossener zu Werke gingen. Furchtlos eben, wie sie es vorher angekündigt hatten. Hemleins Gewaltschuss aus dreißig Metern parierte Sommer glänzend (17.), Schuppan wurde im letzten Moment von Brouwers am ersten Tor für Bielefeld gehindert (21.) und Brouwers’ Handspiel nach Müllers Kopfball bewertete Schiedsrichter Stark als unabsichtlich (23.). Gegen Junglas’ Treffer (26.), ein plazierter Schuss von der Strafraumgrenze, war dann ebenso wenig einzuwenden wie gegen die Führung der Arminen.

          Sie hielt aber nur für sechs Minuten, da Stark Müllers Handspiel nach Kruses Flanke mit einem Elfmeter ahndete – eine absolut vertretbare Entscheidung. Gegen den Strafstoß des Nationalspielers war Torhüter Schwolow chancenlos (32.). Doch die Arminia ließ sich durch diesen von manchem als ungerecht empfundenen Gleichstand nicht beeindrucken. Sie hielt das rassige Duell Drittliga-Primus gegen Erstliga-Dritten spielerisch und kämpferisch in der Balance.

          Nach dem Wechsel schimmerte die Klasse der Gladbacher mehr als zuvor durch, da nun zumindest die Kombinationen flüssiger anmuteten, ohne dass Bielefeld dadurch ins Wanken geraten wäre. Die Mannschaft von Trainer Norbert Meier hielt das Spiel weiter offen und musste sich nicht verzweifelt zur Wehr setzen gegen eine Borussia, die allzu oft einem Reißbrettschema zu folgen schien. Der offensive Schwung der Ostwestfalen ließ indes allmählich nach, auch weil das Team einen Kraftakt gegen ein Bundesliga-Spitzenteam zu bestehen hatte. Beide Parteien schienen nun auf so etwas wie den Lucky Punch zu warten.

          Dafür brauchte es aber eine Verlängerung in dieser Auseinandersetzung, in der sich die Waage mehr und mehr in Richtung des Bundesligaklubs zu senken schien. Traoré (83.) und Brouwers (85.) besaßen zwei exzellente Möglichkeiten, ihrer Mannschaft einen Arbeitssieg zu bescheren, doch die Arminen hielten dem wachsenden Gladbacher Druck bis zur 90. Minute bravourös stand.

          Und auch danach, als auch die Borussen langsam müder wurden. Arminias Torjäger Klos hätte um ein Haar sogar das 2:1 für den Außenseiter erzielt, als sein Kopfball das Ziel nur knapp verfehlte (114.). So blieb es auch nach 120 Minuten beim 1:1. Das Elfmeterschießen zweier an diesem Abend gleichwertiger Mannschaften musste entscheiden, und dabei hatte Arminia Bielefeld mehr Glück und mehr Mumm. „Wenn du in 120 Minuten nicht gegen Bielefeld gewinnst, dann hast du es auch nicht verdient“, sagte der Gladbacher Torschütze Kruse in einer ersten Reaktion. Auch Manager Max Eberl war bedient, zugleich war ihm wichtig, dass die Hauptverantwortung für diesen missratenen Abend nicht bei Traoré hängenblieb. „Der letzte, der verschießt, ist immer der Depp. Aber wir haben als Mannschaft verloren. Das ist bitter“, sagte er.

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